Einfach mal so ins Schloss Posen spazieren und das Büro des Partnerschaftsbeauftragten aufsuchen, das funktioniert nicht. Man muss sich durchfragen. Mehr als 400 Räume gibt es in dem einstigen Kaiser-Schloss, das eng mit der deutschen und der polnischen Geschichte verbunden ist. Es wurde als einer der letzten großen Schlossbauten Europas im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II. nach Plänen des Architekten Franz Schwechten in den Jahren von 1905 bis 1913 im neoromanischen Stil erbaut. Nach dem Ersten Weltkrieg trat Deutschland Posen infolge des Versailler Vertrages an Polen ab. Nach der Besetzung Polens 1939 veranlasste Adolf Hitler den Ausbau des Posener Schlosses zu einer repräsentativen "Führerresidenz". Damit sollte der deutsche Herrschaftsanspruch im annektierten Reichsgau Wartheland manifestiert werden. Er beauftragte seinen Leibarchitekten Albert Speer mit dem Umbau. Das Besondere nach Kriegsende: Die Polen rissen das Schloss nicht ab, sondern beseitigten die Kriegsschäden und bauten es original wieder auf, einschließlich zahlreicher Gestaltungselemente im Inneren.
Heute ist der imposante Bau als Zamek Cesarski w Poznaniu (Kulturzentrum) zentraler Anlaufpunkt der Stadt. Mehr als 800 Veranstaltungen locken ins Schloss, wo es Konzertsäle, Theater, Gastronomie und Kinos gibt. Zudem haben zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGO) dort ihren Sitz. Seit Ende des vergangenen Jahres gehört auch der Verein Schloß Trebnitz zu den Mietern, hat seinen Sitz im Raum 309. Die feierliche Eröffnung des Büros fand in einem Festsaal statt. Mitglieder des Vereins Schloß Trebnitz waren ebenso nach Posen gekommen wie Vertreter von NGO und Einrichtungen sowie der Politik. Seit 1992 sei die Zusammenarbeit mit Polen Verfassungsauftrag, betonte die Staatssekretärin im Potsdamer Europaministerium, Anne Quart. Seit 2008 habe Brandenburg einen Beauftragten für Großpolen, unterstütze ihn finanziell. Dadurch seien auf der Ebene der Verbände, Kammern, der Wirtschaft und Verwaltungen viele Kontakte entstanden. Es mache Sinn, jetzt stärker die zivilgesellschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zu stärken, sagte Quart. Im Schloß Posen gebe es ein großes Netzwerk, das dafür ideale Voraussetzungen biete. Die Direktorin des Zamek, Anna Hryniewiecka, begrüßte die Präsenz von Schloß Trebnitz ausdrücklich. Es gebe bereits erste Absprachen. So sollen die Künstler, die regelmäßig im Schloss Posen in Projekten wirken, künftig auch Abstecher nach Trebnitz machen und dort mit den Menschen vor Ort in Dialog treten.
Darius Müller, Leiter von Schloß Trebnitz und in Person der Partnerschaftsbeauftragte des Landes, berichtete von ersten deutsch-polnischen Foren. Weitere seien vereinbart. Gerade auch vor dem Hintergrund der Geschichte des Hauses wolle man die Kontakte auf der Ebene der Zivilgesellschaften beider Regionen vertiefen. Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland, zeigte sich überzeugt, dass die Zusammenarbeit vor allem die Grundfragen von Menschlichkeit, Anstand, Frieden und Toleranz vermitteln möge. Man wolle mit dem Büro in dem aus deutscher Sicht geschichtsbelasteten Haus Herz und Seele verströmen.
Marschall Wojeciech Jankowiak lobte, dass mit dieser Form der Partnerschaftsbeauftragung neue Wege gegangen werden. Die NGO würden ein breites Feld abdecken und Menschen zusammenbringen. Die Politik müsse für das Miteinander die Bedingungen schaffen. Brandenburg habe dies mit der Beauftragung getan. Auch das Marschallamt unterstütze entsprechend seiner Möglichkeiten. Jankowiak verwies auf den EU-Sozialfonds, über den Begegnungen gefördert werden können. Justyna Ochedzan, Vorsitzende des Kooperationsrates der polnischen NGO, verwies auf mehr als 1000 lokale Freiwilligenzentren in Großpolen. "NGO sind das Barometer eine Demokratie", sagte sie. Sie freue sich, dass ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufgeschlagen worden sei.