Die Erfolgsgeschichte des Europa-Radwanderweges R 1 begann 1988 in Höxter an der Weser.  Es war die Zeit, als Radeln als Freizeitbeschäftigung zunehmend beliebt wurde. Der Radweg sollte Jahr um Jahr erweitert werden und Länder verbinden und damit Menschen zusammen bringen, so das Ziel der Akteure.  Die Idee ging auf. Deutschland, Niederlande,  Frankreich, Polen,  - der R 1 führt heute auf 3791 km durch mehrere Länder. 136 km schlängelt er sich durch Märkisch-Oderland. Und es gibt eine Besonderheit, den Z R1  ein Zubringerradweg, der von der Berliner Stadtgrenze an den offiziellen R 1 anbindet.
Der Kreis hat in den letzten Jahren im Zusammenwirken mit den Anliegerkommunen immer wieder in den Ausbau investiert. Doch nach wie vor gibt es Lücken. Weitere können nun geschlossen werden. Der Beigeordnete Rainer Schinkel (SPD) konnte den Vertretern von vier Kommunen den von der Landesinvestionsbank unterzeichneten Zuwendungsvertrag zum Ausbau weiterer Abschnitte übergeben. Was sich als freudiger Akt darstellt, hat eine lange Vorgeschichte, in der vor allem Geduld, Kooperation und Sicherheit in bürokratischen Spitzfindigkeiten gefragt waren. „Interreg heißt, dass es einen hohen Fördersatz von 85 Prozent gibt“, erklärte Schinkel bei den Vertragsunterzeichnungen. „Es heißt aber auch, dass ein sehr aufwendiges und kompliziertes Antragsverfahren zu bewältigen war.“
Der Landkreis hatte diese Aufgabe für alle beteiligten Partner übernommen. Das sind neben den Gemeinden Zechin, Letschin, Hoppegarten und der polnischen Stadt Gorzow auch die Arbeitsinitiative Letschin. Bei Interreg-Programmen müssen Partner auf deutscher und polnischer Seite gemeinsam Projekte umsetzen. Eine Seite agiert dabei als so genannter Lead-Partner. Im Falle des Radwegebaus ist es der Landkreis. Er muss das gesamte Prozedere bis zum Abschluss betreuen, dokumentieren und abrechnen.
Ein großes Dankeschön ging in der Runde an Rafál Borowiak aus dem Wirtschaftsamt des Kreises, der über Monate alle Abstimmungen der Partner koordinierte und auch die Verhandlungen mit der polnischen Seite führte. Rainer Schinkel erläuterte bei der feierlichen Übergabe des Zuwendungsvertrages die einzelnen Projekte (siehe Info-Kasten).
Insgesamt umfasst das Vorhaben 3,3 Millionen Euro. Die beteiligten Partner müssen entsprechende Eigenanteile aufbringen. Begonnen werden kann jetzt umgehend. Nötig sind allerdings Planungen und Bauvergaben. Inwieweit die angesichts der voll ausgelasteten Bauunternehmen noch 2018 möglich sind, kann derzeit niemand sagen. Die Mittel müssen bis September 2020 ausgegeben sein. „Wir müssen die Eigenanteil jetzt erst in den Haushalt der Zechiner für 2019 einplanen“, machte Golzows Amtsdirektor Lothar Ebert deutlich. Er sei froh über das Projekt, das die Gemeinde allein nie hätte stemmen können. Er dankte dem Landkreis, der nicht nur das gesamte Verfahren führt, sondern auch die Hälfte der 136 000 Eigenmittel übernimmt. 67 000 Euro seien für die Gemeinde Zechin dennoch eine beachtliche Größe. Bürgermeister Dieter Rauer sieht in dem Vorhaben die Chance, die touristischen Anziehungspunkte wie das Freibadgelände, Königs Mühle oder die Kegelbahn künftig noch besser einbinden zu können.
Die Letschiner Vize-Bürgermeisterin Evelyn Fiedrowicz zollte dem Kreis Hochachtung für die Organisation und Koordination dieser umfangreichen Maßnahme. Für Letschin sei der Radwegbau ein großer Gewinn. Horst Müller von der Arbeitsinitiative Letschin zeigte sich hoch erfreut, dass die Fördergesellschaft als Partner mit im Boot sein kann. Markus Giede aus Hoppegarten machte deutlich, dass das Vorhaben viel Verwaltungsaufwand bedeutete, auch bezüglich der Grundstücksermittlung.
Agnieszka Surmacz, stellvertretende Stadtpräsidentin von Gorzow,  machte deutlich, dass der Abschnitt direkt durch die Stadt geht und deshalb besonders hohe Bedeutung habe. Sie wisse, wie mühsam die Antragstellung und das Verfahren sei. „Wir sind dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung und wünschen uns, dass wir sie auch nach diesem Projekt fortsetzten“, sagte sie.
Infos im Internet unter www.euroroute-r1.de

Zahlen und Fakten

Europa-Radweg R  1: In Deutschland führt er über 960 km  durch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin – vom Münsterland über den Teutoburger Wald, bis zum Harzrand weiter in den Fläming und nach Potsdam, Berlin, die Märkische Schweiz und das Oderbruch. In Küstrin-Kietz führt er über die Oderbrücke nach Polen.

Bewilligte Vorhaben:

Gorzow: Lückenschluss auf einem Abschnitt von 713 m quer durch die Stadt, 504 000 Euro.

Hoppegarten:  530 m, Dorfstraße, 140 000 Euro

Letschin: 2,3 km von Letschin Eichenallee über Wollup, Richtung Zechin, 1,13 Millionen Euro

Zechin: 1,8 km , Richtung Wollup, 886 000 Euro

Arbeitsinitiative Letschin: 283 000 Euro für Aufgaben im Bereich Marketing, Ausschilderung und Info-Tafeln sowie Software für Geo-Portal des Kreises

Landkreis: Aufbau von elf E-Bike-Stationen entlang der R 1 und Schaffung eines Besucherleitsystems