Rudi Vogt, bis dahin ein beliebter Lehrer in der Kietzer Schule, war fast auf den Tag  genau vor 51 Jahren aus dem Schuldienst in der DDR entfernt worden, weil er nicht noch einmal im Namen einer Ideologie missbraucht werden wollte. Nicht noch einmal. Anlass war sein Widerstand gegen den Mauerbau.
Für seine Veröffentlichungen wie "Ein Leben in Küstrin" und "Wider das Vergessen", in denen er bewegend seinen Werdegang beschreibt, wurde er geehrt. Vor 89 Jahren war er als eines von sieben Kindern eines Küstriner Beamten geboren. Früh bekommt er zu spüren, was es bedeutet, auf Grund von sozialen Schranken nicht zum Gymnasium zu können, weil der Vater das Schulgeld nicht bezahlen kann. Denn dass Rudi Vogt durchaus das Zeug dazu hatte, das zeigte sich schon daran, dass er mit nur fünf Jahren eingeschult wird und stets Klassenbester ist. Aber der Klassenlehrer, ein strammer SA-Mann, machte dem Jungen die Hoffnung, als Herrenmensch auftreten und auf andere herabblicken zu können. Zunächst schon mal auf polnische Zwangsarbeiter.
"Ich bin erst spät aufgewacht", hatte Rudi Vogt voriges Jahr in einem Brief an die MOZ geschrieben. Er berichtete davon, wie er ideologisch auf den Krieg vorbereitet worden war. Er hatte die "Jungvolk" oder "Pimpfe" genannten Hitler-Jungen unter 14 Jahren in dem Heim im Kietzer Tor der Küstriner Altstadt ausgebildet. "Es zittern die morschen Knochen der Welt vor dem großen Krieg" zitierte er aus einem Lied, das er begeistert gesungen habe, als Europa unter dem Joch des Faschismus litt. "Ich bin erst wach geworden, nachdem ich in Heide/Holstein mit Gewehrkolbenstößen der Tommis ins Kino getrieben wurde und dort die ersten KZ-Filme sah", beschreibt Vogt den Grad der Verblendung. Weder aus den Medien, die der Kriegspropaganda verpflichtet waren, noch von den Lehrern, meist NSDAP-Mitglieder, gab es Aufklärung.
Der Titel "Wider das Vergessen" seines kleinen Erinnerungsbüchleins zum DDR-Alltag könnte auch als sein Nachkriegsmotto verstanden werden. Sich nicht mehr vereinnahmen, täuschen zu lassen, sich nicht mehr angstvoll anzupassen - dieser Wille spricht aus vielen Erlebnissen, die er aufgeschrieben hat. Wichtiger war die Erkenntnis, die der Dramatiker Heiner Müller mit den Worten umschrieben hat: "Die Dinge sind nicht so, wie sie bleiben".
Unter den zahlreichen Gästen der Feierstunde waren ehemalige Schüler und Wegbegleiter. Aus der polnischen Stadt Kostrzyn kam Festungsmuseumsdirektor Ryszard Skalba. Er gratulierte ebenso wie Werner Finger, Bürgermeister von Küstriner Vorland, Gerhard Schwagerick als Ortsvorsteher von Küstrin-Kietz und natürlich der Vereinsvorstand mit Martin Rogge, Andy Steinhauf, Roswitha Müller und Heidi Lehmann.
Tief bewegt dankte der Preisträger für die hohe Ehrung, die an Markgraf Johann von Küstrin erinnert, der 1535 Küstrin zu seiner Residenz gemacht hatte. "Mit den beiden bisherigen Preisträgern Dr. Rudolf Tamm und Fritz Kohlase sehe ich mich in bester Gesellschaft", sagte er. An Ryszard Skalba richtete er den Dank dafür, dass die polnische Seite die deutsche Geschichte der Stadt so gut angenommen hat und in ihrem Museum präsentiert, in dem auch der Stadtteil Küstrin-Kietz seinen Platz gefunden hat. An Bürgermeister Werner Finger und Gerhard Schwagerick richtete er seinen Appell, die Zukunft der Gemeinde mit der polnischen Stadt zu entwickeln. Dies sei ihm ein Herzenswunsch. Und er erinnerte daran, dass die Entwicklung Küstrins vor allem durch die Lage als Verkehrsknotenpunkt befördert wurde. Als solcher müsse er wieder pulsierendes Leben bringen.
Martin Rogge nutzte die Gelegenheit, dafür zu werben, sich im Verein zu engagieren. Lediglich sieben der 70 Vereinsmitglieder wohnen noch in der Küstriner Region.