Die Bauleute des Müncheberger Unternehmens Uwe Mittag haben derzeit in Trebnitz gleich zwei Eisen im Feuer. Während am einstigen Waschhaus, das der Verein Schloss Trebnitz saniert, bereits viele Veränderungen augenscheinlich sind, bedarf es am Inspektorenhaus noch einiger Phantasie, um es sich im einstigen Glanz vorzustellen.
Vor drei Jahren hat das Internationale Archiv für Heilpädagogik das 1870 errichtete Gebäude von der Kommune erworben. Schrittweise wurde die untere Etage hergerichtet. 80 000 Euro stellte der Verband aus eigenen Mitteln bereit, um eine Stätte des Lernens und Forschens zu gestalten.
Das Archiv erhielt den Namen Emil E. Kobi. Der Schweizer gilt als einer der Väter der Heilpädagogik. Der Berufs- und Fachverband Heilpädagogik - er ist der größte Verband dieser Berufsgruppe in Deutschland - erhielt den kompletten Nachlass von Emil E. Kobi. Für die rund 5000 Mitglieder des Verbandes, aber auch für Studierende und Forschende sind die Werke von Kobi sowie Publikationen, Zeitschriften und Fach-Nachlasse wichtig für die Arbeit.
Der Verband mit Sitz in Berlin hatte auch sein Archiv einst in der Hauptstadt. Die Räume reichten jedoch nicht aus, der Verband musste expandieren. In der Heilpädagogik geht es um gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Ein Aspekt, der auch in der Bildungsarbeit im Schloss Trebnitz obenan gestellt wird. Mit der Entscheidung für Trebnitz als Sitz des Archivs habe man viele Synergieeffekte, sieht es Archivleiter Wolfgang van Gulijk. Seit 2013 wächst das Archiv ständig. "Der Ausbau des Obergeschosses des Hauses ist nötig, um die Arbeit noch breiter aufzustellen", sieht es van Gulijk. Inzwischen hat der Förderverein des Verbandes das Zepter übernommen und das Gebäude für 15 Jahre gepachtet. Er stellte auch den Antrag auf Leader-Förderung. Bei dem Vorhaben geht es nicht nur um den Ausbau des zweites Geschosses, sondern auch um die Wiederherstellung einer ans historische Vorbild angepassten Fassade, die dem denkmalgeschützten Schloss-Ensemble entspricht. Ein Punkt, der im Förderprozedere mit ausschlaggebend für die Bewilligung von 301 000 Euro war. Der Verein selbst stemmt einen Eigenanteil in Höhe von 100 000 Euro.
Äußerlich verändert sich die gesamte Ansicht. Das Seelower Planungsbüro Pro 3 hat die Sanierung fachlich in der hand. Die Fassade wird gegliedert. Die vor zwei Jahren neu eingesetzten Fenster werden höheren - dem historischen Vorbild angepasste - dreigliederigen Fenstern weichen. Der einstige Gaubenbau soll wieder als schmückendes Element zur Geltung kommen.
Das Ganze wird in den nächsten Monaten Gestalt annehmen. "Ende Juli sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein", sagt van Gulijk. Nicht angetastet werde der durchgängige Dachboden mit seinem offenen Dachstuhl. Mit dem Ausbau des ersten Geschosses könne jedoch die Archivfläche auf dann 250 m2 erweitert und damit verdoppelt werden. Für den Archivleiter und seine Helfer bedeutet das noch einmal Packen. Denn alle Buchbestände müssen vor dem Ausbau der Fenster staubsicher eingepackt werden. Nutzen können das Archiv auch Nicht-Mitglieder, wie Wolfgang van Gulijk betont. Erweitern wolle man auch die Kooperation mit dem Lehrstuhl für Reha-Wissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin.
Infos zum Archiv im Internet unter www.archiv-heilpädagogik.de