Der Strom an Menschen, die aus der Ukraine vor den russischen Truppen und dem Krieg Richtung Westen und nach Deutschland fliehen, reißt nicht ab. Auch im Landkreis Märkisch-Oderland kommen viele Geflüchtete an. In der Kreisverwaltung in Seelow wird bislang vor allem die private Unterbringung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen koordiniert, informierte Kreissprecher Thomas Berendt. Er gehe demnach derzeit von etwa 350 Menschen aus dem vom Krieg heimgesuchten Land aus, die bei hilfsbereiten Menschen in Märkisch-Oderland untergekommen seien.

MOL erwartet bis zu 3000 Flüchtlinge, die unterzubringen sind

In einer Beratung mit den Bürgermeistern und Amtsdirektoren wurde am Montag davon gerechnet, dass auf Brandenburg etwa 40.000 Flüchtlinge, und auf den Kreis Märkisch-Oderland rund 3000 unterzubringende Menschen zukommen. Im Falle eines solchen Zustroms werde man Gemeinschaftsunterkünfte in Bliesdorf, Bad Freienwalde, Buckow und Seelow vorbereiten, in denen die Flüchtlinge allerdings höchstens vier Wochen lang untergebracht werden sollen.
Anschließend sollen die Menschen dezentral in freie Wohnungen verteilt werden, die größere Wohnungsbaugesellschaften wie die Hageba Wriezen oder die Sewoba bereits gemeldet haben. Bislang stünden dafür im Kreis etwa 50 Wohnungen zur Verfügung.
Seelows Bürgermeister Jörg Schröder informierte, dass die Stadt elf Wohnungen sofort zur Verfügung stelle, aber bis zu 100 leer stünden, die mit ein wenig Aufwand ebenso bezogen werden könnten. Möglicherweise werden dafür Möbelspenden benötigt.

Spendenbereitschaft in Seelow ist riesengroß

In der Kreisstadt sind die Betroffenheit und die Solidarität mit den Menschen aus der Ukrainer unterdessen ungebrochen groß. Gemeinsam mit der polnischen Partnerstadt Kostrzyn/Küstrin hat Seelow jetzt eine Hilfsaktion für die Ukraine gestartet. Die Seelower stimmen sich dabei eng mit den polnischen Partner ab, informiert Bürgermeister Jörg Schröder. Ansprechpartner ist Festungsmuseumsleiter Ryszard Skalba. Vereinbart wurde, dass die Seelower vor allem mit Geldspenden helfen, die dafür gebraucht werden, um dringend benötigte medizinische Versorgungsmittel zu kaufen.
Kaum hatten Ilona Weisemann und Thomas Drewing von der Stadtverwaltung am Dienstag auf dem Seelower Marktplatz den Stand für die Spenden eingerichtet, bildeten sich auch schon kleine Schlangen an Menschen, die für die Ukraine-Hilfe spendeten. Bis 11 Uhr waren schon 10.000 Euro zusammen gekommen. Viele hinterließen auch einen Kommentar, in dem sie den Krieg Russlands gegen die Ukraine als abscheulich verurteilten, so wie Monika Wilke. Sie hatte an ihren zu spendenden 50-Euro-Schein eine Friedenstaube und Herzen in den ukrainischen Farben gebastelt.
Kinderwünsche nach Frieden: Karola Sommerfeld (l.) und Petra Stadler zeigen zwei der Zeichnungen, die die Kinder der AWO-Kita Max&Moritz am Spendenstand abgegeben hatten.
Kinderwünsche nach Frieden: Karola Sommerfeld (l.) und Petra Stadler zeigen zwei der Zeichnungen, die die Kinder der AWO-Kita Max&Moritz am Spendenstand abgegeben hatten.
© Foto: Ulf Grieger

Mutmacher-Bilder von Kindern für Kinder

Gebastelt und gemalt hatten auch die Kinder der Kreisstadt. So hatte Leonie (5) von der AWO-Kita „Max und Moritz“ eine Friedenstaube gestaltet, Lara (5) einen Regenbogen gemalt. Die Vorschülergruppe aus der Kita „Arche Noah“ hatte den Spendenstand gegen Mittag besuchte. Auf dem Markt übergaben sie den Seelowern selbst gebastelte Friedenstauben.
Friedenstaube für die Seelower: Neben den gemalten Bildern hatten die Vorschüler der Kita Arche Noah auch solche Friedenstauben auf dem Markt verteit.
Friedenstaube für die Seelower: Neben den gemalten Bildern hatten die Vorschüler der Kita Arche Noah auch solche Friedenstauben auf dem Markt verteit.
© Foto: Ulf Grieger
Ihre gemalten Bilder werden zusammen mit den Sachspenden in die zentralen Verteilzentren im polnischen Lublin und von dort in die Ukraine zu den Kindern geschickt, die mit ihren Müttern in den Bunkern während der russischen Bombardements ausharren. „Wir sind eine evangelische Einrichtung“, sagen die Erzieherinnen Ivonne Gülke und Franziska Skopiak. „Wir halten Andacht, reden mit den Kindern darüber, was sie im Radio gehört oder im Fernsehen gesehen haben. Wir sagen ihnen aber auch, dass sie sich hier sicher fühlen können.“

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Unter dem Motto „Hilfe und Unterstützung für die Ukraine“ hat die Stadt Seelow ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN-Nummer lautet DE 96 1705 4040 2008 2531 23, Verwendungszweck: Spende Ukraine. Bei Angabe der Adresse werden auch Spendenquittungen ausgestellt.
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