Etwa 500 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine seien aktuell in Märkisch-Oderland untergekommen, informiert Vizelandrat Friedemann Hanke. Er erwartet auch nach den Rücksprachen mit den benachbarten Verwaltungen in Frankfurt/Oder und Oder-Spree sowie Berlin-Hellersdorf, dass die Unterbringung der Flüchtlinge von Land und Bund zentral koordiniert wird.
Aktuell sind die Wohnungsbaugesellschaften beauftragt, die gesamten zur Verfügung stehen leeren Wohnung so vorzubereiten, dass die aus der Ukraine geflüchteten Menschen dort einziehen können. „Wir haben bezugsfertige Wohnungen und weitere, die wir herrichten können. Bislang haben wir dazu aber noch keine Anforderung vom Landkreis“, informierte Kerstin Pilz von der Seelower Wohnungsbaugesellschaft GmbH (Sewoba) am Donnerstag, 10. März auf Anfrage von moz.de.
Letschiner helfen der Ukraine: Zahlreiche Einwohner der Gemeinde waren am Mittwoch zum Friedenskonzert gekommen, wo sie auch Geld- und Sachspenden abgegeben haben.
Letschiner helfen der Ukraine: Zahlreiche Einwohner der Gemeinde waren am Mittwoch zum Friedenskonzert gekommen, wo sie auch Geld- und Sachspenden abgegeben haben.
© Foto: Ulf Grieger

Private Initiativen dringend erforderlich

Solle es tatsächlich so kommen, dass Märkisch-Oderland die zunächst von der Landeszahl auf den Kreis herunter gerechneten Zahl von 3000 Flüchtlingen unterzubringen hat, dann wäre das aktuell eine sehr komplizierte Situation. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle ab 2015 hatte man im Kreis 2500 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Deshalb sei es sehr dringend nötig, das Bürger, die Wohnraum zur Verfügung stellen könnten, sich auf der Internetseite des Landkreises melden und das Angebot hinterlassen, so Friedemann Hanke.
Dort gibt es auch die Anmeldungsformulare zum Ausdrucken, die zunächst erst mal ausreichen sollen, dass die Flüchtlinge Leistungen und die Krankenkarte empfangen können. Man sei mit der zentralen Ausländerbehörde ZABH im Gespräch, prüfe auch solche Unterbringungsmöglichkeiten wie die Strausberger Vorsorgeklinik, die gerade fertig gestellt worden ist, sowie Unterkünfte in Bliesdorf und Buckow. Aus Berlin-Marzahn/Hellersdorf habe der Kreis 70 Flüchtlinge übernommen.

OSZ-Halle Seelow könnte rasch hergerichtet werden

Kreis-Sprecher Thomas Berendt informierte am Donnerstag, dass es noch keine größere Zuweisung von der Zentralen Ausländerbehörde für den Kreis gibt. Sollte es schnell gehen müssen, dann könne zum Beispiel die Seelower Sporthalle des Oberstufenzentrums (OSZ) binnen weniger Stunden zur Einquartierung hergerichtet werden.
Etwa 100 Menschen hätten darin Platz. „Wir wollen den Aufenthalt dort aber so kurz wie möglich gestalten, höchstens zwei Tage. Dann sollen die Menschen in dezentralen Einrichtungen, am besten in Wohnungen, untergebracht werden. Das ist auch eine Erfahrung aus der Flüchtlingswelle nach 2015“, so Berendt.

Große Hilfsbereitschaft auch in Letschin

Wie groß überall die Hilfsbereitschaft im Kreis ist, das haben auch die Letschiner am Mittwoch, 9. März, demonstriert. Auf Initiative von Letschins Ehrenbürger Lothar Böttcher wurde ein Friedenskonzert am Schinkelturm organisiert. Die „Chormiezen“ sangen so bekannte Lieder wie „Welche Farben hat die Welt“, „Wozu sind Kriege da“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ und „Blowing in the Wind“. Kräftig mitgesungen haben die Letschiner beim bekannten Kinderlid „Kleine weiße Friedenstaube“.
Bernd Kutzke vom Letschiner Eisenbahnerverein nahm die Sachspenden entgegen, die dann zum zentrale Sammellager nach Kostrzyn/Küstrin gebracht wurden. Die Geldspendensammlung ergab in der Kürze der Zeit die Summe von rund 1500 Euro. Bürgermeister Michael Böttcher wandte sich in seiner Ansprache direkt an den russischen Präsident Putin und forderte ihn auf, den Krieg sofort zu beenden. Ebenso forderte Letschins Ortsvorsteher Manfred Neubauer den sofortigen Rückzug des Aggressors. Martin Wiese von der Kirchgemeinde zitierte aus der Bergpredigt, in der es heißt: „Selig sind, die Frieden stiften“. Der Spruch zum Aufruf, Friedensstifter zu sein, hänge derzeit an allen kirchlichen Einrichtungen.
Wie Sie den Flüchtlingen und den Menschen in der Ukraine helfen können, finden Sie hier. Zur Spendenaktion der MOZ gemeinsam mit Caritas International geht es hier.
Zur Ukrainehilfe hat der Kreis MOL ein Bürgertelefon geschaltet: Unter Tel. 03346 850 8290 werden von 8 bis 16 Uhr Fragen dazu beantwortet.