Noch bis kommenden Freitag kann im Foyer des Landratsamtes die Wanderausstellung „Wolfskinder“ besichtigt werden. Auf Info-Tafeln und in Videos wird über das lange Zeit unbeachtete Schicksal Tausender verwaister Kinder aus dem ehemaligen Ostpreußen informiert.
Olaf Pasenau wurde am 16. Oktober 1934 im ostpreußischen Allenstein (heute Olszytn) geboren, zog mit der Familie später nach Königsberg. Als der Zweite Weltkrieg begann, musste sein Vater an die Front. 1944 wurde Königsberg wegen der nahenden russischen Front evakuiert. Mutter Martha schickte jedoch nur die ältere Tochter Ingeborg zu ihren Eltern nach Osterode. Sie selbst hoffte auf Nachricht von ihrem Mann. Ende 1944 galt er dann als vermisst.
Im Januar 1945 war in dem von der Roten Armee umzingelten Königsberg nicht mehr an Flucht zu denken. Olaf Pasenau und seine Mutter kamen in ein Lager. „Die Menschen starben wie die Fliegen“, erinnert sich Pasenau. „Sie wurden ohne Sarg, ohne Gebete oder Tränen in Bombentrichtern begraben.“ 1946 verhungerte die Mutter im Lager. Der Zwölfjährige beschloss zu fliehen, kam jedoch nicht weit, wurde wieder in ein Lager und später in einen Waggon gepfercht. Niemand wusste, wohin der Zug fuhr. Wieder floh der Junge. Das war  im Frühjahr 1947. Er landete in Litauen, kam bei einer Familie unter, musste Schwerstarbeit verrichten und nebenbei Litauisch lernen. Erst 1956 erhielt er einen Pass auf einen von ihm erfundenen Namen.
Pasenau war bereits alt genug, um sich fortwährend seiner einstigen Heimat und der Angehörigen zu erinnern. Doch im russisch besetzten Litauen gab es niemanden, der sich für das Schicksal der zurück gelassenen Kinder der ehemaligen Faschisten interessierte. Erst mit der Unabhängigkeit Litauens offenbarte sich, dass viele eine ähnliche Odyssee hinter sich hatten. Tausende Kinder streiften durch Litauens Wälder, aßen vor Hunger Katzen, Ratten, Hunde, Mäuse und auch Aas. Sie waren verdreckt und krank, wurden  missbraucht und misshandelt.
Nur wenigen gelang es, letztlich doch noch Angehörige zu finden. Olaf Pasenau erfuhr erst nach 1991 über den Verein Edelweiß-Wolfskinder, der sich 1991 in Litauen gegründet hatte, dass sein Vater Bruno den Krieg überlebt hatte, in Deutschland lebte seinerseits unermüdlich nach seinem Sohn gesucht hatte. Doch es war ihm nicht mehr vergönnt, ihn in die Arme zu schließen. Erst 1994 erhielt Olaf Pasenau die Einbürgerungsbescheinigung. Vater Bruno war bereits 1983 gestorben. 1998 reiste Olaf Pasenau nach Deutschland aus, lebt seit dem in Gransee. Er ist einer der Initiatoren der Wanderausstellung, die auf das bewegende Schicksal der Wolfskinder aufmerksam machen will.
In fast allen Dörfern entlang der Eisenbahnstrecke Königsberg-Kybartai-Kaunas-Vilnus fanden deutsche Kinder Unterschlupf. Mitunter wurden sie von litauischen Bauern mit nach Hause genommen. Andere wurden von verwitweten Litauerinnen zum Betteln abgerichtet, in der Hoffnung, dass man mit einem Kind mehr Mitleid haben würde. Manche Kinder zogen weiter nach Lettland, andere bis Estland, Weißrussland oder in die Ukraine. Viele erhielten andere Namen. Bis heute wissen manche  nichts über ihre eigentliche Herkunft. Der Verein der Edelweiß-Wolfskinder hat den vielen unbekannten Kindern, die die schwächsten Opfer des mörderischen Krieges wurden, eine Stimme gegeben. Heute gibt es Bücher, Ausstellungen und Dokumentarfilme.
Ausstellung „Wolfskinder“, Foyer Landratsamt Seelow, Mo bis Fr 7 bis 18 Uhr