Er könne sich noch gut an diese Schülerin erinnern, sagt der pensionierte Gymnasiums-Lehrer Karl-Heinz Sterzing. "Sie war eine Musterschülerin", erzählt Sterzing. Und freut sich, was aus der Seelowerin geworden ist. "Man muss dazu bedenken, wie jung sie noch ist", sagt ihr einstiger Informatik-Lehrer. In der Schulchronik werde dieses Ereignis natürlich einen besonderen Platz erhalten, versichert Schulleiterin Anita Mielitz. Sie selbst war in jenem Jahr - da absolvierten die Zwölftklässler erstmals das Abitur nach neuem Modell - ans Gymnasium gekommen. Als Schülerin erlebte sie sie nicht mehr, dafür als Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Schwesig war 2011 der Einladung ihrer einstigen Bildungseinrichtung gefolgt und hielt anlässlich der Feierstunde "20 Jahre modernes Abitur" in der Cafeteria die Festrede. "Eine sympathische, sehr aufgeschlossene Frau", bescheinigt sie der künftigen Bundesfamilienministerin.
Sie sei eine ganz normale, umgängliche Mitschülerin gewesen, erzählt Mirko Buggisch. Sie habe alles mitgemacht und sei auch vor zwei Jahren nach dem offiziellen Akt im Gymnasium zur gemütlichen Runde ins "Crocodile" mitgekommen, wo man über alte Zeiten geplaudert habe. Buggisch gesteht, dass er sich nicht so sehr für Politik interessiert habe. Seit seine einstige Mitschülerin regelmäßig in den Medien präsent ist, schaue er öfter hin. Auch Katrin Busch, geborene Nemack, hat nur gute Erinnerungen an ihre einstige Mitschülerin. "Sie war sehr aufgeschlossen und immer lustig", sagt die Libbenicherin. "Und sie hat es schon damals verstanden, sich gut zu artikulieren. Ich denke, das ist schon wichtig in der Politik."
Manuela Schwesig, geborene Frenzel, absolvierte nach dem Abitur ein Studium des gehobenen Dienstes in der Steuerverwaltung des Landes Brandenburg. 1995 schloss sie es als Diplom-Finanzwirtin an der Fachhochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen ab. Danach wechselte sie an das Finanzamt in Schwerin, arbeitete ab Mai 2002 im Finanzministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Am 6. Oktober 2008 wurde sie dort Ministerin für Soziales und Gesundheit. Sie rückte ins Kompetenzteam der Bundes-SPD, wurde SPD-Bundesvize und dürfte nun einen weiteren Höhepunkt ihrer politischen Karriere erreicht haben.
Sie sei ein Beleg dafür, dass die Region jungen Menschen eine gute Ausbildung gebe und Leute hervorbringt, die Wichtiges für Deutschland leisten, sieht es ihr Parteigenosse, Landrat Gernot Schmidt. Er kenne sowohl Manuela Schwesig als auch ihre Familie in Seelow gut. Mutter Karla Frenzel ist seit Jahren kompetente Kreiswahlleiterin in Märkisch-Oderland. Er könne es nur begrüßen, wenn hier Aufgewachsene mit an Schaltstellen für das ganze Land sitzen. "Ich wünsche ihr viel Kraft, denn es ist ein harter Job", sieht es der Landrat. Manuela Schwesig habe die Chance, der Region, den Menschen, denen sie ihre Entwicklung mit verdankt, wieder etwas zurückzugeben.