In einem Chor mit anderen Sangesfreudigen einfach so singen und anderen damit eine Freude machen - für die Mitglieder des Lebuser Seniorenchors der Volkssolidarität ist das Geschichte, seit ihnen die Gema im Nacken sitzt.
"Da unsere Auftritte unentgeltlich sind und auch die Volkssolidarität als Veranstalter keinen Eintritt erhebt, wähnten wir uns auf der sicheren Seite", schreiben die Leiterin des Lebuser Seniorenchores, Elke Pfeiffer und ihr Sangesfreund Dietmar Schädler in einem Brief an die Märkische Oderzeitung.
Doch leider war das ein Irrtum, wie sie nach Rückfragen sowohl bei ihrem Träger, dem Kreisverband der Volkssolidarität MOL, als auch bei der Brandenburgischen Chorvereinigung bestätigt bekamen. "Wir sollen der Gema nicht nur für jeden Auftritt, sondern sogar für jede Probe im Vorfeld eine Liste mit allen gesungenen Liedern vorlegen", erklärt Dietmar Schädler empört. Daraufhin käme dann die Rechnung an die Ehrenamtler.
Die Vertreterin der Brandenburgischen Chorvereinigung habe den Lebusern die Mitgliedschaft in selbiger angeboten. Dann wären die Gema-Gebühren inklusive. "Den Beitrag würden unsere Sänger ja noch schultern. Aber wir müssten auch diverse Zeitschriften abonnieren - und das wollen wir nicht", erklärt der Hathenower. Als Alternative habe die Dame von der Chorvereinigung empfohlen, den Träger, also die Volkssolidarität, zu bitten, die Gema-Gebühren zu übernehmen. "Das kann unser Verband nicht leisten", erklärte die Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Volkssolidarität MOL, Barbara Möckel auf Nachfrage. Neben dem Lebuser gibt es noch zwei weitere Seniorenchöre im Kreisverband. Die Pauschalzahlungen des Wohlfahrtsverbandes an die Gema seien "Geschichte", erklärt Möckel weiter. Jetzt gewähre die Gema dem Verband lediglich noch 20 Prozent Nachlass auf die normalen Tarife. Da kämen aber pro Veranstaltung immer noch 20 bis 25 Euro Gebühren zusammen, weiß die Mitarbeiterin der Volkssolidarität.
Auf einer Beratung in der Potsdamer Landeszentrale des Wohlfahrtsverbandes hat Barbara Möckel Ende Juli erfahren, dass das Problem endlich in der Landespolitik angekommen ist: In der Fragestunde der Landtagssitzung am 9. Juli habe ein Vertreter der Staatskanzlei erklärt, dass sich der Seniorenrat des Landes, der Landesverband der Volkssolidarität und der Chorverband wegen der Problematik Gema-Gebühren für Seniorenchöre an die Landesregierung gewandt hätten. Man nehme sich der Sache an, versicherte er.
Die Lebuser Sängerinnen und Sänger hoffen auf eine schnelle Lösung. Derzeit könne einem schon "die Lust aufs Singen vergehen", schreiben Elke Pfeiffer und Dietmar Schädler in ihrem Brief. "Wir sind verunsichert, wissen nicht, was wir machen dürfen und was nicht: Sollen wir etwa nur noch Lieder aus dem 14. Jahrhundert singen, um sicher zu gehen, dass keiner mehr Rechte daran hat?", fragt sich die Chorleiterin.
Über jedem Treffen der Lebuser Sänger hänge das Damoklesschwert angedrohter empfindlicher Strafen durch die Gema, sagt Dietmar Schädler. Er schüttelt den Kopf angesichts dessen, was er über die Gema-Gebühren erfahren hat: Die Zahlungspflicht entsteht schon, wenn mehr als drei Personen miteinander singen oder musizieren und die Möglichkeit besteht, dass andere die Musik hören.