"Versucht mal, wie lange ihr darauf stehen bleiben könnt", motiviert Peter Fuchs die fünf Kinder, die im Bewegungsraum der Reitweiner Kita barfuß auf halbrunden Hölzern balancieren. Die Kippelhölzer - so der offizielle Name - sind Teil der Grundausstattung für das Hengstenberg-Projekt, die Kita-Leiterin Andrea Walter und ihre Mitstreiter am Freitag übergeben bekommen haben. An eine Wand gestapelt, liegen zudem Holzbrettchen und Balancierstangen, stehen eine "Hühnerleiter", ein Hocker und anderes Spielgerät. - Alles aus heimischen Hölzern, die mit Leinöl-Firnis ökologisch behandelt worden sind.
Für ein Jahr sind die Spielgeräte eine Leihgabe der Unfallkasse Brandenburg (UKB). Sie hat der Reitweiner Kita den Zuschlag als Hengstenberg-Referenz-Einrichtung des Jahres 2016 gegeben. Bei der Auswertung von Unfällen stellen die UKB-Mitarbeiter seit Jahren fest: In unserer technisierten Welt bewegen sich Kinder und Jugendliche zu wenig. Darunter leidet ihre Motorik. Seit zehn Jahren unterstütze man deshalb die Hengstenberg-Projekte, sagt UKB-Mitarbeiterin Katja Richter.
Peter Fuchs, der sich "Spielleiter" nennt, ist aus der Nähe von Kiel ins Oderbruch gekommen, um den "Birkenschlösschen"-Erzieherinnen die Bewegung nach Hengstenberg zu demonstrieren. Sitzend, an eine Wand gelehnt, spricht der gebürtige Schweizer mit ruhiger Stimme mit den vier- bis fünfjährigen ältesten Kindern, die in der Einrichtung betreut werden. Geeignet ist das bewegungspädagogische Projekt für Kinder ab etwa drei Jahren.
Diesmal gibt der Spielleiter noch Ideen vor: "Mit den Hölzern könntet ihr Brücken bauen. Aber passt auf, dass ihr nicht ins Wasser fallt", sagt Fuchs und die Kinder legen sich einen imaginären Weg, springen von einemHölzchen zum nächsten. Als einer der Jungen einen anderen anrempelt, greift Fuchs ein: "Geschubst und gedrängelt wird hier nicht", sagt der Spielleiter.
An die auf einer Bank am Rand sitzenden Erzieher und Gäste gewandt, erklärt er: "Wenn die Kinder die Spielgeräte kennengelernt haben, lassen Sie sie frei entscheiden, was sie damit machen wollen und drängen Sie sie nicht, geben Sie Ihnen Zeit." "Begleitetes Frei-Spiel" nennt Peter Fuchs das Prinzip der Bewegung nach Hengstenberg. "Spielen ist Entdecken und damit zugleich Gehirntraining", macht er deutlich und empfiehlt die möglichst tägliche Anwendung.
Als sich Gemeindevertreterin Monika Bäcker erkundigt, ob sie das Bewegungsangebot nicht auch ab und zu mit ihren Senioren nutzen könnte, ist der Spielleiter geradezu begeistert: "Das wäre das erste Mal, dass Senioren in Brandenburg mitmachen. Bitte dokumentieren Sie uns, wie sich das entwickelt", sagt Peter Fuchs.