Die vor allem die Kommunen brennend interessierende Frage der Mitgliedsbeiträge ist auch nach der vierten großen Runde im Gründungsprozess offen. Im Entwurf der Satzung, die nach der Diskussion ebenso wie die Übereinkunft zwischen den deutschen und polnischen Partnern in Endfassung gebracht werden soll, ist lediglich festgeschrieben, dass die Mitgliedskommunen die Finanzierung sichern. Zu Grunde gelegt werden soll die jeweilige Einwohnerzahl der Kommune bzw. ein Pauschalbetrag für die beteiligten Kreise. Wie hoch der sein wird, wird bis auch zur Gründung noch niemand konkret sagen. Denn erst, wenn die Satzung und die Übereinkunft von allen Kommunen beschlossen sind, tritt sie in Kraft.
Karl-Heinz Boßan, der die Gründung koordiniert, schließt nicht aus, dass Kommunen ausscheren. Dann gäbe es neue Verhältnisse und damit neue Berechnungen auch für die Mitgliedsbeiträge, um zum Beispiel die Finanzierung der Geschäftsstelle, die in Seelow ihren Sitz haben soll, zu sichern. Boßan hofft, dass alle, die derzeit in der Gründungsphase dabei sind, auch weiter mitziehen. "Es ist eine einmalige Chance, diese strukturschwache und sehr dünn besiedelte Region entlang der Ostbahn zu entwickeln", sagt er.
Das EVTZ soll Dienstleister für seine Mitglieder sein und Fördermittel beschaffen - auch zur Finanzierung der Geschäftsstelle. Das sei der große Unterschied etwa zur Euroregion, die man keinesfalls als Konkurrenz sehe, wie Boßan unterstreicht. Die Euroregion sei Verwalter von Mitteln, das EVTZ wolle gestalten - "entsprechend der Aufträge unserer Mitglieder", betont Boßan. In der Arbeitsgruppe vier gebe es schon diverse Projekte, die man anschieben will, wie etwa im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe, bei Schüleraustauschen, Bildungsprojekten (Deutsch- bzw. Polnischkurse) oder bei Handel und Dienstleistungen. Die Bahnlinie soll als regionales Logistiknetzwerk ausgebaut und genutzt werden. Im Umfeld der Bahnstationen gibt es Visionen von neuen Wohnprojekten, um der demografischen Entwicklung entgegen zu steuern.
Noch gibt es auch diplomatische Hürden zu überwinden. Die polnische Zentralregierung hat bei ihren beteiligten Landkreisen Protest angemeldet, da sie nicht in das Vorhaben einbezogen worden ist. Die Beteiligten auf polnischer Seite benötigen die Zustimmung des polnischen Außenministeriums. Die soll nun schnellstmöglich in Warschau eingeholt werden.
Bei ihrer Sitzung in Seelow einigten sich beide Seiten, dass eine Delegation mit polnischen und deutschen Vertretern umgehend in Warschau einen Termin vereinbart. Dabei geht es nicht um rechtliche Aspekte. Für das EVTZ selbst gilt das Recht des Landes, in dem es seinen Sitz hat. Von deutscher Sicht bedarf es der Genehmigung durch das Innenministerium Brandenburg. Vereinbart wurde, auch dort einen Termin anzuberaumen und die jetzt vorliegenden Dokumente zu besprechen.
Bis Ende des Jahres sollen die Dokumente fertig sein und auf der nächsten Sitzung beschlossen werden. Danach gehen sie in die beteiligten Kommunalvertretungen.