"Rosinante" ruft der Ritter und schon ordnen sich sechs Kinder zum Pferd. Steigbügel, Kopf, Beine, Körper, Schwanz - im Nu ist Rosinante "gebaut", kann zu ihrem Don Quijote eilen. Der hat jede Menge Abenteuer zu bestehen. Er ist ausgezogen, um mit Heldentaten ein Ritter zu werden und seiner Herzdame zu gefallen. All das spielt sich natürlich im Oderland ab.
Unterwegs kehrt er ein beim Voigt vom Oderland, bezwingt bald darauf in einem hin und her wogenden Kampf einen Lindwurm. Von der Bühne gibt es immer wieder mal einen nicht zum Stück gehörenden Einwurf. "Eh, du bist dran", "Hallo Mama", "Guck mal da hinten". Die Zuschauer haben ihren Spaß. Jüngere Geschwisterkinder jubeln, wenn die Schauspieler auf der Bühne reihenweise umfallen oder sich mit merkwürdigen Ersatz-Requisiten schmücken. Der Helm des Ritters ist ein Bauhelm, die Rüstung eine dicke Weste, die Lanze ein Besen. All das würzt das Stück, an dem die Akteure selbst sichtlich Spaß haben. Am Ende kämpft Don Quijote gegen vermeintliche Riesen. Es hat geradezu etwas Symbolisches, dass in der Urgeschichte vom Kampf gegen Windmühlen erzählt wird - dargestellt natürlich von den Kindern, die wild mit den Armen rudern. Heute drehen sich tatsächlich rund um Letschin unzählige Windmühlen und es sind echte Riesen. Doch anders als der große Ritter können die Menschen sie nicht besiegen, müssen mit ihnen leben.
Doch der Traum, ein Held zu sein, lebt weiter. Und auch die Aussage des Stückes, dass am Ende jener allein bleibt, der immer Held sein und im Mittelpunkt stehen will, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.
Nur vier Tage hat Christina Homuth vom Theater Frankfurt mit den Mädchen und Jungen geprobt, das Stück besprochen, die Szenen einstudiert. Im vergangenen Jahr hatte den Hortkindern die erste Theaterwerkstatt so gut gefallen, dass sie in diesem Jahr während der Winterferienwoche unbedingt wieder bei dabei sein wollten. Die Plätze waren schnell besetzt und das recht bunt mit Kindern von der ersten bis zur sechsten Klasse.
In diesem Jahr lief es organisatorisch sogar noch perfekter. Die Kinder mussten nicht jeden Tag nach Frankfurt fahren. Vielmehr kamen Christina Homuth und Assistentin Lidia Bielanczyk zum Proben in die Letschiner Turnhalle. "Versorgt wurden wir bestens durch Birgit Fischer-Hampel von Philipps kleiner Gaststätte", berichtet Erzieherin Jana Pachelt. Das Team um Hortleiterin Lydia Schoenemann ist am Ende hoch zufrieden.
"Ganz toll", freut sich auch Dirk März, Vorsitzender des Schulfördervereins. Der Verein hatte bei der Aktion die Mittel für die Theaterwerkstatt beantragt. "Was hier in so kurzer Zeit bei dieser bunt gewürfelten Truppe geschafft wurde, Respekt", lobt er. Für die Winterferien im kommenden Jahr werde der Verein, der mittlerweile 80 Mitglieder zählt, wieder bei der Aktion Mensch Mittel beantragen.
Auch Dagmar Hopp ist ganz begeistert, löchert im Anschluss Christina Homuth, was zu tun ist, um solch ein Projekt auf die Beine zu stellen. Die Kita-Erzieherin aus Neulewin ist gekommen, weil ihr Enkel Benjamin im Stück mitmachte. Der siebenjährige machte seine Sache ebenso gut wie Elly, die viele Solopassagen bestritt, die Trommler und alle anderen. Die Theaterpädagogin hatte es verstanden, jeden entsprechend seiner Möglichkeiten einzusetzen.
Zum Schluss gibts Blumen für die beiden Frauen vom Theater und für jeden der kleinen Darsteller. Bei Kaffee und Kuchen - von den Eltern im Foyer liebevoll vorbereitet - wurde noch manches Detail ausgewertet.
Infos: www.theater-ff.de