Er kam von Seelow ins "größte und vornehmste der alten Wendendörfer" herab und schrieb: "Der Gottessegen berührt hier das Herz mit einem ganz eigentümlichen Zauber, mit einer fromm gestimmten Freude, wie sie Patriarchen empfinden mochten, wenn sie inmitten menschenleerer Gegenden den gottgeschenkten Segen ihres Hauses und den Reichtum ihrer Herden zählten." Es lohnt sich aber auch, dem Gusower Bahnhof gebührenden Respekt zu erweisen, Dort befindet sich eines der letzten Empfangsgebäude, wie sie einst vielerorts, so auch in Golzow, an der Strecke standen.
Für Wolfgang Ulm, den erfahrenen Tourenleiter, ist die etwa 52 Kilometer lange Rundfahrt ein Heimspiel. Schließlich wohnt er Gorgast, das diesmal allerdings weit umfahren wird. Denn vom Bahnhof geht es zunächst die Eichenallee entlang. Dort kommen die Radler an der Derfflinger Eiche vorbei, die vom berühmtesten Gusower, Georg Freiherr von Derfflinger, erzählt. Der hatte vor 370 Jahren das Gut ersteigert, wie auch bei Fontane nachzulesen ist. Die Eiche nun, die seit 1934 Naturdenkmal ist, soll der "Alte Derfflinger" selbst gepflanzt haben, um die Grenze nach Werbig zu markieren, die von den Jugendlichen der beiden Dörfer heftig umstritten war. Die Radler passieren bei Werbig, das in diesem Jahr sein 775. Jubiläum feierte, die erneuerte Brücke der Ostbahnstrecke. Werbig hat eine Bahnkreuzung, deren Infrastruktur derzeit erneuert wird. In diesem Jahr waren es fünf Brücken. Die alten stammten aus den Jahren 1877 bis 1928. Über Neu- und Altlangsow geht es nach Buschdorf, wo sich Einwohner zum Zeitpunkt der Durchfahrt gerade auf das Backofenfest vorbereiten werden.
Bereits zum 22. Mal wird am Sonnabend dort der Backofen ab 14 Uhr im Mittelpunkt des nach ihm benannten Festes stehen. Doch die Tourteilnehmer haben keine Zeit für einen Stopp. Sie radeln weiter nach Zechin, am Freibad vorbei, um durch die Meisterstraße nach Genschmar zu kommen. Dort geht es auf den Oderdeich. Die Straße schlängelt sich an den alten Kolonien Neu Schaumburg und Neudrewitz vorbei, deren Namen auf die neumärkischen Hauptorte jenseits der Oder verweisen, die nun Ortsteile von  Kostrzyn (Küstrin) sind und Szumilowo und Drzewice heißen.
An der Abfahrt Neudrewitz befindet sich die "Bleyener Spinne", eine Zusammenführung von Innen- und Außendeichen, die dafür sorgen, dass die einst an den alten Kornspeichern der Küstriner angelegte Kolonie Neubleyen doppelt vor Hochwasser geschützt ist. In Kuhbrücke, einem kleinen Stadtteil von Küstrin, der entstand, als sich die Küstriner Lange Vorstadt und das Dorf Kietz noch auf der Oderinsel befanden, führt die Tour zur Fischerei von André Schneider, wo Mittagspause ist. Von dort geht es auf dem neuen Radweg entlang der B1 nach Seelow. Am Fuße der Verschönerungsberge, wo vor 100 Jahren Hugo Simon sein Mustergut am Schweizerhaus gestaltete, ist Kaffeepause. Von dort geht es wieder zurück nach Gusow.

Streckenverlauf


Der Reiz der Tourliegt nach Meinung von Tourleiter Wolfgang Ulm in der Streckenführung selbst. Gestartet wird um 10 Uhr am Bahnhof Gusow. Die Fahrt führt mit einer Ausnahme in Seelow kaum über nennenswerte Steigungen. Die Mittagspause erfolgt bei Fischer André Schneider in Kuhbrücke unweit der Warthemündung und die Kaffeepause auf dem Gelände des Schweizerhauses, wo vor 100 Jahren der Bankier Hugo Simon ein Mustergut gestalten ließ. Die Strecke führt größtenteils auf kleinen Straßen und zwischen Genschmar und Kühbrücke auch direkt auf dem Oderdeich entlang. Die Tour de MOZ ist an diesem Wochenende die erste größere Radtour auf dem neuen Radweg, der zwischen Manschnow und Seelow an der B1 angelegt wurde. Auch die Wegstrecke zwischen dem malerischen Vorwerk Ludwigslust und dem Schweizerhaus wurde zum größten Teil neu angelegt. ulg