Man muss im Oderbruch schon suchen, um noch Gänse zu finden, die zumeist für die Weihnachtszeit als Festessen dienen sollen. Als das Oderbruch noch ein wichtigerer Lebensmittellieferant für Berlin war, sah das anders aus. Neutrebbin, Buschdorf und Werbig/Neulangsow waren Hochburgen der Gänsemast. Zu Recht tragen die Neutrebbiner die "Goldene Gans" im Wappen. Das Geschäft mit über zwei Millionen Weihnachtsgänsen war einträglich.

Herden sind selten geworden

Zwischen Letschin und Voßberg, in Wilhemsaue, Libbenichen oder auf dem Alt Tuchebander Oderbruchhof kann man die imposanten Gänseherde noch weiden sehen. Viele von ihnen haben schon eine festen Bestimmungsort, sind schon Fest als Braten eingeplant. Zum Martinstag seltener.
So auch bei Sylvia und Manfred Nickel auf dem Oderbruchhof in Alt Tucheband. Die 18 Gänse, die in diesem Jahr für die Schlachtung vorgesehen sind, gehen fast alle an Freunde und Verwandte. Zwei allerdings bleiben. Das sind Ganter Oskar und Muttergans Gerdi, die nun schon zehn Jahre alt sind. 2011 hatten die deutschen Landgänse ihre ersten fünf Küken aufgezogen. "Gänse können bis zu 20 Jahre alt werden", sagt Sylvia Nickel, die sich gründlich mit den Haustieren beschäftigt hat. Seit rund 5000 Jahren werden Gänse bereits gehalten und sogar seit 3000 Jahren gezüchtet. Die Landgänse sind Nachfahren der Grau- oder Wildgans.
Bilder vom Oderbruchhof

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Auf dem Oderbruchhof hat die Herde viel Auslauf. Neben der Weidehaltung füttern Nickels zu:  Mais, Weizen und Hafer. Und als besondere Leckerei Molke von den Ziegen. "Die mögen die Gänse besonders gern", verrät Manfred Nickel. Nun, da die Tiere kräftig sind, traut sich kein Fuchs mehr an sie heran. Das Volkslied vom Fuchs, der die Gans gestohlen haben soll, trifft dort nicht zu. Aber der Marderhund, ein Einwanderer aus Sibirien, ist längst zum gefürchteten Geflügeldieb geworden. Als die Gössel noch klein waren, nutzte er seine Chance. Im hohen Gras konnten die Gänse sich nicht so gut verteidigen. "Drei Stück hat er geholt", sagt Sylvia Nickel.
Geschlachtet werden die Gänse erst kurz vor dem Fest. Das macht in Alt Tucheband noch immer die Hofchefin selbst. "Das gehört eben auch dazu", sagt sie. Dann werden die Gänse gerupft. Eine Verwendung für die Federn gibt es auf dem Hof nicht. Wenngleich Manfred Nickel es von zu Hause, er ist bei Müncheberg aufgewachsen, noch kennt, dass die Frauen des Dorfes sich zum "Federspleißen" getroffen haben. Ein geselliges Ereignis, bei dem die Federn durch die Luft flogen, gesungen, getrunken und getratscht wurde, was das Zeug hielt. Damals wurde das Daunenfederbett noch für die Aussteuer der Braut gebraucht.

Tipp: Gut wässern ist wichtig

Einen Gänsebraten gibt es bei Nickels allerdings weder am Martinstag noch zu Weihnachten. Aber nur, weil Manfred Nickel die ebenfalls gehaltenen Enten besser schmecken. Einen Tipp für die Zubereitung hat Sylvia Nickel allerdings: "Es ist ganz wichtig, die Gans vor dem Braten einen Tag im Wasser liegen zu lassen."