„Ich habe seit zwölf Jahren ein Wochenendhaus in Kuhbrücke, gleich hinter dem Oderdeich bei Küstrin-Kietz“, erzählt Regisseur Tobias Lenel. „Schon immer wollte ich in dieser geschichtsträchtigen Ruinenlandschaft Theater machen. Der Ort ist einfach traumhaft.“
Ungewöhnlich ist auch die Zweisprachigkeit. Die polnischen Schauspieler Bozena Pomykala-Kukorowska und Jan Mierzynski sowie ihre deutschen Künstlerkollegen Miriam Wagner und Franz Frickel haben Goethes Werk „Reineke Fuchs“ und das seines polnischen Übersetzers Leopold Staff in einer exzellenten Form in Szene gesetzt. Die Akteure überzeugen mit einer Intensität und Mimik, die mitunter keiner Übersetzung bedarf. Mit dem in Ortwig lebenden Musiker Sebastian Undisz hat das Team einen musikalischen Begleiter gefunden, der dem Stück die richtige Würze gibt. Selbst für Nicht-Theatergänger dürfte die Aufführung in den Schlossruinen ein ungewöhnliches Erlebnis werden. Zumal mit der dramatischen Handlung jeder etwas anfangen kann.
Die Tiere des Waldes beklagen sich bei ihrem König über Reineke Fuchs. Er hat gestohlen, betrogen und gemordet. Ihm wird der Prozess gemacht. „Reineke Fuchs“ thematisiert die Spiele der Mächtigen, der Sieg des Bösen und die Überlegenheit der List.
Das Musikdrama enthüllt die Erfolgsmethoden des kleinen Wildtieres, das sich – obwohl körperlich unterlegen – gegen Bär und Wolf durchzusetzen vermag. Der König der Tiere, der Löwe, verfällt dessen Lügen und Erfindungen und macht „Reineke Fuchs“ zum neuen Kanzler. Die moderne Inszenierung verspricht viele Überraschungen und Kurzweil. Die Anspielungen auf menschliche Züge dürften wie zur Entstehung des Dramas auch heute durchaus gewollt sein.
Der Zuschauer wird spüren, dass sie die Grenzen längst überwunden und viel Spaß am gemeinsamen Schauspielern haben. Das gilt nicht nur für die Schauspieler. „Ohne Slawomir Szenwald aus Gorzow hätten wir das nie hinbekommen“, ist Tobias Lenel überzeugt. Er habe auf polnischer Seite alles koordiniert. Im Festungsmuseum Kostrzyn fand man schnell einen Partner. Ist die Theaterpremiere doch auch eine gute Gelegenheit, um Gästen die historischen Dimensionen des Areals deutlich machen. Es lohnt sich, schon früher anzureisen. Das Festungsmuseum bietet um 17 Uhr eine Führung an. Erwachsene zahlen vier Euro. Kinder bis 
14 Jahre haben freien Eintritt.
Die Premiere am Freitag und auch die zweite Vorstellung am Sonnabend beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Tickets kosten für Erwachsene 16 Euro, ermäßigt sechs Euro. Möglich ist auch ein Familienticket. Die Besucher können sich neben dem tierischen Theater auch auf eine Einlage der besonderen Art freuen. Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Fürstenwalde und des Kulturhauses Gryfino laden in der Pause zu einem szenischen Picknick, ehe der Kampf zwischen Fuchs und Wolf beginnt.
Der Veranstaltungsort wird gut ausgeschildert sein. Die Niederbarnimer Eisenbahn setzt an beiden Abenden einen Nachtzug ein. Busse bringen Besucher unmittelbar nach der Aufführung zum Bahnhof Kostrzyn. Der Zug hält bis Berlin an allen Stationen, wird nach Mitternacht in Berlin sein.
Infos und Tickets unter www.reineke-fuchs.net, Anmeldung für Festungs-Führung (jeweils um 17 Uhr) unter 4933479 547845, www.tourist-info-kostrzyn.de