Die Einwände der Opposition, vor allem der Linken, kamen nicht überraschend. Wiederholt hatten Mitglieder der Fraktion in den Ausschüssen das Vorgehen der Verwaltung bezüglich der Zukunft der Musikschule als Bestandteil der Kultur GmbH kritisiert. Die Einrichtung sollte eigentlich, so hatte es der Kreistag im Dezember 2013 beschlossen, in die Hoheit der Kreisverwaltung zurück überführt werden. So wie die Gedenkstätte Seelower Höhen und das Brecht-Weigel-Haus Buckow, für die alle Voraussetzungen zur Wiedereingliederung ab 1. Januar 2017 in die Kreisverwaltung geschaffen wurde.
"Bis heute ist der Beschluss von 2013, wonach die Kultur GmbH aufgelöst wird, nicht aufgehoben worden", monierte Bernd Sachse (Linke). Und es gebe keine Antwort darauf, auch nach der Sitzung am Mittwochabend nicht. Im vorangegangenen Kreistag hatte die Mehrheit der Abgeordneten dafür gestimmt, die Kreismusikschule als einzige Einrichtung in der Kultur GmbH zu belassen. Dafür muss jedoch der Gesellschaftervertrag angepasst werden. Man akzeptiere die Mehrheitsentscheidung, erklärte Sachse. "Wir akzeptieren aber nicht, dass die Mitarbeiter der Gedenkstätte und des Brecht-Weigel-Hauses künftig nach aktuellem Tarif des öffentlichen Dienstes entlohnt werden und die fest angestellten Lehrer der Musikschule weiter ihren Haustarifvertrag behalten sollen." Sachse stellte namens seiner Fraktion den Antrag, in den zum Beschluss vorgelegten geänderten Gesellschaftervertrag den Passus aufzunehmen, dass die Mitarbeiter nach Tarif entlohnt werden. Das hätte natürlich Konsequenzen, machte er deutlich. Denn dann müsste der Zuschuss des Kreises entsprechend erhöht werden.
Kreistagsvorsitzende Sibylle Bock (SPD) gab zu bedenken, dass zunächst juristisch zu prüfen wäre, ob ein solcher Passus in einen Gesellschaftervertrag gehört. Zudem stehe die Frage, welcher Tarifvertrag gelten solle, da es viele Untertarifverträge gebe. SPD-Fraktionsvorsitzender Hitzges versicherte, dass auch seine Fraktion eine Tarifangleichung befürworte. Es wäre in der Tat schwer vermittelbar, dass ein Teil der bisher in der Kultur GmbH Angestellten künftig besser entlohnt wird. Man sollte jedoch zunächst den Grundsatzbeschluss fassen und das Vorhaben stufenförmig angehen. Linken-Fraktionschef Uwe Salzwedel betonte, dass es darum gehe, die Qualität der Ausbildung in der Musikschule weiter zu sichern. Die Lohnangleichung wäre ein wichtiges Signal.
Landrat Gernot Schmidt (SPD) schlug vor, den Antrag der Linken rechtlich prüfen zu lassen und dann zu entscheiden. Er würde die Vorlage dann zurück ziehen. Er sehe es als wenig sinnvoll, wenn der Beschluss möglicherweise mehrheitlich durchgeht, er ihn aber als Verwaltungschef nach Prüfung beanstanden müsste.
CDU-Fraktionschef Kay Juschka zeigte sich verwundert über die Schärfe der Diskussion. "Wir sind uns doch offensichtlich fraktionsübergreifend einig. Alle wollen die Tarifangleichung", sagte er. "Dann lassen Sie uns den Beschluss fassen und in der ersten Jahreshälfte mit dem neuen Geschäftsführer ein Modell erarbeiten." Uwe Salzwedel beantragte eine Auszeit, um doch noch eine Einigung zu erzielen. Doch zu der kam es nicht. "Wenn wir uns auf Absprachen verlassen könnten, würden wir mitgehen", erklärte er. Es habe jedoch in den zurückliegenden Monaten wiederholt Beispiele gegeben, wo das einst zugesicherte Wort nicht eingehalten wird. Deshalb bleibe die Linke bei ihren Änderungsanträgen.
Burkhard Paetzold, Fraktionsvorsitzender von B 90/Die Grünen-ProZukunft, beantragte, den Beschluss auf den März-Kreistag zu verschieben. Die Mehrheit stimmte dafür. Da die Kultur GmbH weiter Bestand hat, sei der Betrieb der Musikschule auch in derzeitiger Konstellation gesichert, hieß es.