"Ein Asylbewerberheim? Haben wir eins?", sagt die Frau, die am Netto im Nachbarort Rehfelde ihren Einkaufswagen in den anderen schiebt. Nicht viel weiter als einen Kilometer vom Discounter entfernt steht die Einrichtung, die 158 Menschen aus 22 Nationen beherbergt, davon derzeit 32 Kinder. Natürlich seien ihr schon Menschen anderer Hautfarbe im Ort begegnet. Irgendwie habe sie auch mal was gehört.
Mehr Kontakt mit den Bewohnern aus dem nahegelegenen Asylbewerberheim hat Jeanette Helm-Strempel, die die Post kurz hinter dem Ortseingang aus Richtung Garzau betreibt. "Manche sind nett, manche nicht so", sagt sie. In jedem Fall sei die Verständigung ein Problem. Viele Asylbewerber würden von der Post aus Anträge abschicken. Ansonsten verhielten sie sich eher unauffällig.
Auch das Asylbewerberheim selbst fällt kaum auf. Außerhalb der Ortschaft liegt es von der Straße nicht sichtbar am Waldrand auf einem alten NVA-Gelände. Ein hellgrauer Plattenbau, der bei Sonnenschein und durch den Spielplatz direkt neben dem Block noch etwas an Freundlichkeit gewinnt. Seit 2007 sind die Bewohner hinter der Hauswand bunt gemischt.
"Aber schreib nicht, dass alles grau und dunkel ist", sagt der 32-jährige Jared und lacht. Der Mann aus Pakistan lebt mit drei Landsmännern in einem Zimmer. Dusche und Küche sind auf der Etage und werden von allen genutzt. Die Herdplatten werden um die Mittagszeit aber kaum angeschaltet. "Ramadan", sagt Heimleiter Wolfgang Türke. "Da wird nur gegessen, wenn die Sonne untergegangen ist." Er befürchtet, dass einige Bewohner daher etwas "maulig" sein könnten.
Der Heimleiter, der beim Rundgang von vielen "Chef" genannt wird, spricht die Bewohner auf deutsch an. Das mit der Verständigung funktioniert, meint er. Einige Mitarbeiter im Haus sprechen Russisch und Englisch. Das würde genügen. Zudem wird täglich Deutsch unterrichtet. Einige Bewohner hätten sprachlich schon große Fortschritte gemacht und helfen als Dolmetscher aus. Und, die Bewohner würden sich auch untereinander bei der Verständigung helfen.
Berührungspunkte zwischen den Nationen gebe es in jedem Fall. In sieben Tagen tritt eine Fußballmannschaft aus acht Jugendlichen unterschiedlicher Nationen bei der Sparkassen-Soccertour auf Rügen an. Auf dem Bolzplatz neben dem Heim wird regelmäßig gekickt. Die Bewohner begegnen sich auf dem Grillplatz, im Computer-Kabinett und auf den Fluren zwischen Zimmern, Küche, Bad und Waschraum - nicht immer ohne Konflikte, zum Beispiel was die Bademode angeht. "Wir haben drei Grundsätze: Freundlichkeit, Höflichkeit und Toleranz", sagt Türke. Die müsse er immer wieder vermitteln.
In Neuhardenberg könnte es unter den Bewohnern weniger Kontakt geben. Durch die abgeschlossenen Wohneinheiten im Block in der Friedrich-Engels-Straße ist das Unterbringungskonzept ein völlig anderes. Trotzdem habe der Sozialpark Märkisch-Oderland mittlerweile viel Erfahrung mit der Betreuung gesammelt. Laut Wolfgang Türke will sich der Verein im Rahmen der Ausschreibung deshalb auch für die Trägerschaft des Objektes in Neuhardenberg bewerben. In der kommenden Woche wollen Gemeindevertreter von dort die Einrichtung besuchen, auch mit Personal aus Kitas und Schulen sprechen.
Knapp zwei Kilometer entfernt liegen diese Einrichtungen vom Heim in Garzau-Garzin. Die älteren Schüler nehmen vom Bahnhof Rehfelde den Zug nach Strausberg. Durch die relativ nahe Bahnanbindung sind einige auch nur eine Nacht im Monat im Heim. "Dann holen sie sich bei uns die Auszahlung vom Sozialamt", sagt Wolfgang Türke. Die restliche Zeit verbringen sie in Berlin, was der Heimleiter nachvollziehen kann. "Die meisten haben Langeweile", sagt er. Die Politik trage nicht gerade zur Besserung bei. Türke ist der Überzeugung, dass Integration nur über Arbeit erfolgreich sein kann, und arbeiten dürften Asylbewerber derzeit nicht.