In der Oderbruchstraße 44 können Besucher des Ortes noch einmal ein ganz anderes Neuhardenberg entdecken. Hier hinter dem Rewe-Markt, jenseits von Schloss und Schinkelkirche wird das langgezogene Angerdorf tatsächlich ländlich. Pferdekoppeln und Waldrand - ein von vielen unentdecktes Kleinod, wo sich Marion Mussehl hinter den Ställen auf dem Hof zunächst um ihre drei eigenen Pferde kümmert: Schimmi Havelberg hatte schon häufiger einen Auftritt in der Zeitung, beispielsweise als Pferd des Rauschebarts beim Neuhardenberger Weihnachtsmarkt. Den ebenfalls weißen Sprout mit den schwarzen Flecken hat Marion Mussehl aus Holland mitgebracht, wo sie einige Jahre lebte. Eine besondere Beziehung hat sie zum englischen Vollblut Amazone. "Das was eine Liebesheirat", sagt sie und lacht.
Platz ist in den Ställen sogar für vier weitere Pferde. Sie stehen den Übernachtungsgästen zur Verfügung. In einer Sattelkammer können sie Kleidung und Sättel trocknen, wenn sie während des Ausritts vom Regen überrascht wurden. In der alten Scheune finden die Reiter großzügigen Unterschlupf. Der geräumige fast durchgängig nach oben offene Wohnbereich bietet vier Schlafplätze, zwei davon im Obergeschoss über Küche und Bad. In der Badewanne können die Gäste die müden Knochen entspannen. "Die wird sehr gut angenommen", sagt Marion Mussehl.
Seit September betreibt sie die Reitpension in der Oderbruchstraße. Aufgewachsen ist die 48-Jährige in Niedersachsen in der Nähe von Gorleben und reitet bereits seit dem sechsten Lebensjahr. In den zurückliegenden zehn Jahren ist sie gemeinsam mit der Familie zwei Mal umgezogen: Von Ulm in die Niederlande und schließlich nach Neuhardenberg. Ihre Tochter Paula wurde im Dorf eingeschult. Ihr erwachsener Sohn lebt in Aachen. Marion Mussehls Mann ist Berufssoldat. Da er nach Strausberg beordert wurde, hatte die Familie ein neues Zuhause in nicht allzu weiter Entfernung gesucht. Marion Mussehl hofft, dass die Oderbruchstraße die letzte Station ist. "Die Nachbarschaftshilfe funktioniert super", sagt sie.
Den Hof und die Wanderreitstation bewirtschaftet sie allein. Die Gäste, die bei ihr einkehren, lassen ihre Pferde über Nacht meist auf einer der sechs Koppeln. "Dann haben sie sich morgens schon satt gefressen", erklärt sie. Für die Reiter, welche die Nacht noch etwas naturnäher verbringen wollen, möchte Marion Mussehl in Zukunft auch Tipis anbieten.
Die examinierte Krankenschwester und Reiki-Meisterin beschäftigt sich außerdem mit alternativen Heilmethoden, hat auf ihrem Hof eine nach den Himmelrichtungen ausgerichtete Schwitzhütte errichtet - nach Vorbild der Lakota-Indiana. Auch Übernachtungsgäste können an Zeremonien teilnehmen. Sie sollen mit Hilfe des Netzwerkes "Pferdeland - Seenland Oder-Spree" und Touren für Wanderreiter mit mehreren Übernachtungsstationen noch stärker nach Neuhardenberg gelockt werden. Pferd ist allerdings keineswegs Pflicht, um bei Marion Mussehl zu übernachten. Gäste können auch mit dem Drahtesel in der Wanderreitstation einkehren.