Ein ungewöhnliches Projekt erlebte das Bildungs- und Begegnungszentrum Schloss Trebnitz. Zum ersten Mal trafen türkische, luxemburgische, deutsche und polnische Jugendliche in einer Begegnung aufeinander. Das Treffen stand unter dem Motto "Europäische Perspektiven".
Nur wenige junge Leute suchen heute Informationen zum Tagesgeschehen oder zu politischen Hintergründen in Zeitungen. Das war eine der ernüchternden Erkenntnisse aus einem ungewöhnlichen Premieren-Projekt im Schloss Trebnitz. 60 Jugendliche diskutierten mehrere Tage über Medien, Journalismus und Politik. Das Projekt war vom Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum in Zusammenarbeit mit Schloss Trebnitz entwickelt worden. Das Gymnasium, an dem luxemburgische und deutsche Schüler lernen, hatte sich bei der Aktion von "Die Zeit reist an die Schulen" beworben, als eine von 1000 Bildungseinrichtungen bundesweit. 50 Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden im Rahmen der Aktion von Redakteuren und Verlagsmitarbeitern besucht. Trebnitz war eine Station. Als Partner waren Schulen in Polen und der Türkei gesucht und gefunden worden.
Die Schüler mussten sich in den einzelnen Ländern vier Monate lang intensiv auf das Treffen vorbereiten. Sie lasen in ihrem Land, was in Tageszeitungen über politische Themen wie Griechenland-Krise oder Islamismus geschrieben wurde. Sie sollten ihre eigenen nationalen Positionen analysieren und dabei Handeln und Motivation in den anderen Ländern beleuchten. Im abschließenden Podiumsgespräch mit Özlem Topçu, Politikredakteurin der Zeit, Ewa Rózynska von der polnischen Botschaft sowie Vizelandrat Lutz Amsel bekannten sie frei heraus, dass Zeitungsstudium bis zu diesem Zeitpunkt für sie kein Thema war. Doch das Interesse sei geweckt, versicherten die meisten. Sie stellten fest, wie unterschiedlich die Herangehensweise in den Ländern ist, wie verschieden die Sichtweisen und Beurteilungen.
Die Gesprächspartner überraschte die Tiefgründigkeit vieler Fragen und Anmerkungen. Die Jugendlichen interessierte vor allem das Thema Pressefreiheit, Macht und Einfluss der Medien. Wollen Journalisten nur informieren oder auch verändern? Was darf man schreiben, was nicht? Fassen Journalisten in den einzelnen Ländern ihren Beruf anders auf? Özlem Topçu, die Zeit-Redakteurin mit türkischen Wurzeln, hatte viele Fragen zu beantworten. Einig waren sich am Ende alle, dass Journalisten Öffentlichkeit schaffen und das diese wiederum wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie ist.
Das Projekt ist mit dem Treffen in Trebnitz nicht beendet worden. Eine Ausstellung, die das gemeinsame Arbeiten und die Erkenntnisse dokumentiert, wird in den beteiligten Partnerschulen zu sehen sein. Die Lerngruppen werten ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Schulen aus und wollen die Ergebnisse in Form von Veranstaltungen und in lokalen Zeitungsredaktionen vorstellen. Eines schien für alle sicher: Zeitung lesen wird künftig für viele dazu gehören. Nicht zu vergessen die Erlebnisse des internationalen Miteinanders. Mehr als jeder Zeitungskommentar überzeugten die unvoreingenommenen Begegnungen die Teilnehmer, wie viel sie als junge Generation verbindet und dass es sich lohnt, gemeinsam für europäische Perspektiven einzustehen.