Die Bewohner des Wulkower Ufo sind keine Außerirdischen, sie kommen aus Dresden: Fünf junge Leute haben das Niedrigenergiehaus "Domespace" derzeit gemietet. Das von einem französischen Architekten und einem belgischen Konstrukteur entwickelte und an der französischen Atlantikküste gebaute Ufo kam 1994 nach Wulkow. Es ist das Wahrzeichen des Ökodorfes. Das deutschlandweit einzigartige Gebäude, das einst als Seminarhaus diente, wird heute als Ferienhaus vermietet.
Und zwar vom Ökospeicherverein, dem Wulkow seinen Ruf als "Öko-Dorf" wesentlich verdankt. Als dem kleinen Ort vor den Toren Frankfurts vor 20 Jahren der Bundes-Umweltpreis verliehen wurde, sollte das ein Ansporn sein, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen. Das haben die Wulkower getan. Auch nachdem der 215-Einwohner-Ort Teil der Stadt Lebus geworden ist. 2000 war Wulkow als Außenstandort der Weltausstellung Expo in Hannover Ziel vieler Besucher.
In Wulkow wird der ökologische Gedanke gelebt. Nicht nur im Ökospeicher. Der alte Getreidespeicher des Rittergutes ist der Sitz des Ökospeichervereins. In dem viergeschossigen Backsteinbau sind zudem das Netzwerk Biofestbrennstoff Märkisch-Oderland und mehrere Firmen zu Hause. Die Märkische Energiegenossenschaft betreibt die Solaranlage auf dem Ökospeicher und auf Ställen des Demeter-Hofes von Bio-Bäuerin Ulrike Raulf-Merk.
Von ihr bezieht Hans-Peter Bienert, der Wirt des Speichercafés im Ökospeicher, das Fleisch, aus dem Gourmetkoch Michael Wien, ein gebürtiger Schweizer, allerlei Köstliches zaubert. Im kleinen Bioladen im Speicher kaufen nicht nur Wulkower ein.
Der besondere Lebensstil macht das Öko-Dorf attraktiv. Viele junge Familien sind in den vergangenen Jahren in Wulkow sesshaft geworden. Zum Beispiel ein Japaner und seine polnische Frau, die gemeinsam mit einer Bio-Gärtnerin und einem Tischlermeister im einstigen Kita-Haus gegenüber dem Ökospeicher leben. Die Kita "Grashüpfer" ist nicht etwa geschlossen worden. Nein, der Naturkindergarten, in dem "gekneippt" wird, ist in seinen Neubau umgezogen.
Die Wulkower sind ein geselliges Völkchen. Vereine, wie Die Wulkower und die Wulkower Carnevaller treffen sich im Dorfgemeinschaftshaus und laden zum Parkfest im August auch die Freunde des Öko-Dorfes aus Österreich und Rumänien ein.
Keinesfalls versäumen sollten Wulkow-Besucher den Blick in die kleine, aber feine Dorfkirche, in der der im vorigen Jahr sanierte Taufengel wieder unter der Decke schwebt. Bei guter terminlicher Planung kommen auch kulturell Interessierte auf ihre Kosten: Zum Beispiel beim traditionellen Folk am Speicher, das am Wochenende stattfand und bei vielen weiteren Veranstaltungen im Ökospeicher.
Zum jährlichen Vitaregio-Tag lädt der Ökospeicherverein Interessierte ein, um über neue Wege für den ländlichen Raum zu diskutieren. Am 6. September geht es um Alternativen zur Konzentration von Flächen und Eigentum in der Land- und Forstwirtschaft.
Ein Ausflug in die benachbarte alte Bischofsstadt Lebus, zum Reitweiner Sporn oder in die Seelower Gedenkstätte kann das Ökodorf-Erlebnis abrunden.
Am Dienstag lesen Sie einen Beitrag über den Reiterhof bei Slubice