Die Großkontrolle auf der Karl-Marx-Straße – hier gilt Tempo 50 – führte die Seelower Polizei mit sieben Einsatzkräften durch. Gerufen hatte sie das Amt Golzow, dass damit Hinweisen von Bürgern nachkam. Nicht zum ersten Mal. Zu Zeiten von Corona war die frühere B 1 von Autos zugeparkt, die den Grünstreifen unweit vom Übergang zum Bahnhof ruinierten. Die polnischen Pendler nutzten aber auch die Dorf-Hauptstraße, wenn Stau an der B 1 Richtung Grenze war.
5. Juni schon kontrolliert
Am 5. Juni hatte die Polizei hier schon eine Großkontrolle durchgeführt. "In dreieinhalb Stunden hatten wir 430 Durchfahrten, 41 Überschreitungen, überwiegend von polnischen Fahrern. Der Schnellste fuhr 102 km/h", erinnert sich Beatrice Ortmann, die Leiterin der Seelower Wache. Die hohe Zahl habe man nun zum Anlass genommen, um erneut eine Großkontrolle in Küstrin-Kietz durchzuführen. Der Blitzer stand gut versteckt an der Straße, der Messwagen nebenan im Weg zur Feuerwehr. Die Polizisten darin übermittelten per Funk die geblitzten Fahrzeuge mitsamt Nummernschild, auch von Motorrädern, an die Kollegen, die dann an der Kreuzung zur Marktstraße die Autos aus dem Verkehr zogen. Lange warten mussten sie nicht. Kaum war zu 15.40 Uhr der Zug angekommen rollte der Tross an Fahrzeugen gen Osten durch die Karl-Marx-Straße. Gleich fünf Autos hintereinander konnten die Beamten herausziehen, alles Polen. Die meisten Fahrzeughalter sprechen deutsch. "Wir haben aber auch einen Kollegen dabei, der Polnisch spricht", betont Beatrice Ortmann. Bei der ersten Welle wurde ein Auto mit Tempo 80 gemessen. Das bedeutet 100 Euro Sicherheitsleistung, 1 Monat Fahrverbot und ein Punkt. "Die meisten Angehaltenen reagieren sauer. Aber es ist doch ihre eigene Schuld", so Ortmann.
Busse rollen vorbei, auch Fußgänger und Radler schauen verdutzt auf das Spektakel. Gekommen ist auch Golzows Amtsdirekor Lothar Ebert, der erstaunt ist, wie viel hier wieder los sei. Mit dabei hat er Robert Trenkel, Chef des Ordnungsamtes, Mitarbeiterin Angelika Grund und Azubi Lukas Kopp. Die gleichen die ertappten Raser mit ihrer Listen ab, um ausstehende Bußgelder wie von Falschparkern gleich mit einzuholen. Das gelingt bei einigen. An der Kreuzung sind aber auch drei Sicherheitspartner. Eileen Scholz aus Küstrin-Kietz ist eine von ihnen, findet die Aktion gut. "Hier wird auf der Straße immer gerast." Dem schließt sich auch Paul Röhricht an, ein Anwohner. "Super, dass Sie hier so was machen", lobt er die Polizisten.
Spitzenwert: 88 km/h innerorts
Eine Stunde darauf ist wieder "Showtime". Der nächste Zug aus Richtung Westen kommt. Wenig später knarzt das Funkgerät. Die nächsten Verkehrssünder sind ins Netz gegangen. Auch nach kleiner Verfolgungsfahrt ein Mopedfahrer, der über Seitenstraßen versuchte, zu entkommen. Er stürzte auf dem Schotterweg zum Anglerheim. "Der 18-Jährige war 88 km/h gefahren, der Spitzenwert des Tages", sagt Seelows Revierpolizist Peter Gnida am Donnerstag über die vierstündige Aktion, bei der 178 Autos kontrolliert wurden. 20 waren zu schnell, fast alles Polen. 655 Euro Sicherheitsleistung wurden eingenommen. "Zwölf Vergehen wurden vor Ort geahndet, die anderen bekommen Post", so Gnida. "Wir sind nicht dafür da, die Polen zu bestrafen. Es kann jeden treffen, der rast." Daher werde das Blitzen schon nächste Woche fortgesetzt – wo, lässt er bewusst offen.