Erste Station ist Gniezno (Gnesen), eine Stadt der Wojewodschaft Großpolen. Also zugehörig zum Partnergebiet des Landes Brandenburg, zu dem der Verein Schloss Trebnitz seit diesem Jahr eine besondere Beziehung hat. Er ist offizieller Beauftragter des Landes für Großpolen, mit Schwerpunkt der Kontaktpflege auf der Ebene der Zivilgesellschaft. Dazu gehört auch das gegenseitige Kennenlernen der Geschichte, einschließlich der jeweiligen kulturhistorischen Schätze. Solch ein Schatz ist die Gnesener Bronzetür am Südportal der Erzkathedrale. Sie stellt in 18 Reliefs das Martyrium des Heiligen Adalbart dar, des ersten Heiligen Polens.
In Danzig beziehen die Gäste aus dem Oderland einen historischen Ort. Danzig verdankt seine Entwicklung vor allem den Häfen und späteren Werften. Mehr als 700 Speicher gab es einst am Ufer der Mottlau, in denen all die Ware gelagert und wieder verschifft wurde. In einem solchen Klinkerbau befindet sich das Hotel Krolewski. Auf der einstigen Speicherinsel drehen sich überall Baukräne. So, wie die polnischen Restauratoren die im Krieg zu 60 Prozent zerstörte Altstadt mit ihren beeindruckenden Fassaden wieder aufgebaut haben, geht es jetzt an die Sanierung historischer Wirtschaftsgebäude. In ihnen entstehen Konzertsäle, Hotels, Büros, Begegnungsstätten.
Danzig gilt weltweit als die Stadt, die den Zusammenbruch des Sozialismus eingeleitet hat. Der Solidarnosc ist ein großes neues Gebäude - komplett mit Corten-Stahl verkleidet - gewidmet. Die Werften indessen spielen kaum noch eine Rolle, so wie leider auch die Gewerkschaft, berichtet die Reiseleiterin bedauernd. Auch in Polen habe die Politikfreude nachgelassen. Von den großen revolutionären Zeiten erzählen nur noch Denkmale und Museen.
Entwickelt hat sich um so mehr die Kunst- und Kulturszene. Danzig präsentiert zudem stolz seine beiden berühmtesten Bürger, die Friedensnobelpreisträger Lech Walesa und Günter Grass. In der städtischen Kunst-Galerie zeigt Direktor Piotr Stasiowski die Arbeiten von Günter Grass. 140 seiner Werke nennt die Galerie ihr eigen, von Bildern über Manuskripte bis hin zu den bildhauerischen Arbeiten. Zwei Tage reichen gerade mal, um einen kleinen Einblick in die pulsierende und sich ständig verändernde Stadt zu erhalten. Eine Stadt, die bewusst mit ihrer Geschichte umgeht, sie täglich Tausenden Besuchern präsentiert.
Auf der Rückfahrt gibt es noch einmal einen Einblick in die Restaurationskunst des östlichen Nachbarn. Die Gruppe besichtigt den größten gotischen mit Ziegelsteinen errichteten Burgkomplex der Welt - Marienburg. Der einstige Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens ist seit 1997 Weltkulturerbe. Mit Unterstützung der EU und anderer Länder wurden Millionen in die Sanierung der 1945 schwer zerstörten Anlage investiert. Das Schlossmuseum verfügt über 23 Sammlungen - Kunst, Architektur, Militär, Handwerk und Geschichte.