Bevor Moderatorin Marion Jentsch das Zepter übernahm, griff namens der gastgebenden Bürgervereine und -initiativen Christian Steinkopf zum Mikro. Er begründete vor den gut 80 Gästen, warum nicht alle zehn Bewerber eingeladen worden waren. Zum einen habe es bei der Planung des Forums nur die sechs Kandidaten gegeben und zum anderen seien "zehn Leute auf der kleinen Bühne ein Problem"
Manch Besucher bedauerte, dass für Fragen nur die letzten 30 Minuten der zweistündigen Veranstaltung vorgesehen waren. Vorher war es um den Werdegang der Kandidaten, Schwerpunktthemen und politische Leitbilder gegangen. Jonathan Dehn von den Piraten nannte da den Grünen Hans-Christian Ströbele, der für ihn als einziger Bundestagsabgeordneter authentisch sei. Der 23-Jährige hatte sich als Vertreter der jungen Generation vorgestellt und erklärt, er hätte im Publikum gerne ein paar mehr junge Leute gesehen. Ansonsten hielt sich der Student weitgehend zurück.
Dafür erfuhr man beispielsweise, dass Hans-Georg von der Marwitz (CDU) nach den ersten vier "Lehrjahren" im Bundestag nun die "Gesellenzeit" angehen möchte, und Fritz Krause-Uhl (FDP) "denen in die Suppe spucken will, die alles verstaatlichen wollen".
Beim Thema angedachte Kreisreform sprach sich Olaf Mangold (SPD) für mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Ortsvorsteher aus. Es sei schwieriger, Demokratie als mobile Verwaltung zu organisieren.
Dagmar Enkelmann (Linke), die erneut ein Bundestagsmandat anstrebt, würde erst einmal gerne die Gebietsreform von 2001 beendet sehen, denn die Funktionalreform - also die Übertragung von Verantwortlichkeiten - sei immer noch offen. Ansonsten möchte sie Ortsvorsteher und Ortsbeiräte stärken.
Hans-Georg von der Marwitz möchte "die Entscheidungsebene so klein wie möglich und die Verwaltungsebene so groß wie nötig halten". Dabei sei ihm schon bewusst, dass eine Übertragung der Kompetenz der Kreise auf die Gemeinden vom Land "nicht so gerne gesehen wird."
Michael Jungclaus (Bündnis 90/Grüne) lehne die Abschaffung der kreisfreien Städte ab und fordert belastbare Zahlen. Erst müssten die Aufgaben definiert werden und dann könnte man über den Kreiszuschnitt nachdenken. Alles auf die kleinste Ebene runter zu brechen, scheint ihm mit Blick auf Personal und Kompetenz nicht ratsam zu sein. Während der Pirat Dehn zu dem Thema nichts sagen konnte, hält der FDP-Bewerber die Ängste für unbegründet, mit der Einteilung in Großkreisen werde alles bürgerfern.
Beim Thema Mindestlohn wurden die Partei bekannten Positionen bekräftigt. Der CDU-Kandidat tat sich "damit schwer", ist aber "nicht generell dagegen". In den Ländern, in denen es einen Mindestlohn gibt, sei man nicht sehr erfolgreich, befand er.
Der FDP-Vertreter war in dem Punkt ganz eindeutig: "Ich bin dagegen, das ist Sache der Tarifparteien." Die Gewerkschaften sollten stattdessen lieber in den Unternehmen auf die Lohnentwicklung Einfluss nehmen.
Ebenso klar wurde die Linke- Position betont. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen nicht von ihrer Arbeit leben könnten, wird flächendeckender Mindestlohn per Gesetz gefordert. Zehn Euro seien nicht zu viel, sondern lägen ungefähr an der Pfändungsfreigrenze. Zudem könne man dann im Alter von der Rente leben.
Die MOZ wird die einzelnen Kandidaten im Wahlkreis 59 (Märkisch-Oderland und der Süden Barnims) noch ausführlich vorstellen.