„Wo der Bauer noch sein Feld bestellt, gibts noch ein Stück heile Welt“, singt der Gospelchor Parents & Friends in seinem Oderlandlied zum Auftakt. Genau diese heile Welt ist in Gefahr. Eine neue Technologie soll getestet werden, mit noch nicht absehbaren Folgen für nachfolgende Generationen. Deshalb machen immer mehr Bürger des Oderbruchs und darüber hinaus mobil gegen die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall. Der will in Jänschwalde in einem von der EU mit 180 Millionen Euro geförderten Pilotkraftwerk CO2 abscheiden, transportieren und unterirdisch bei Beeskow bzw. Neutrebbin verpressen.
Nicht nur in den beiden Orten will man das verhindern. Auf dem Marktplatz dokumentieren Vertreter aus weiteren Kommunen mit Schildern, das sie „Nein“ zu dem Vorhaben sagen – Friedersdorf, Reichenow, Neuwustrow, Kienitz, Schiffmühle, Golzow, Seelow, Gusow, Berlin. Letschins Bürgermeister Michael Böttcher verliest eine druckfrische Letschiner Erklärung, die er sowie die Bürgermeister aus Neuhardenberg, Mario Eska, und Neutrebbin, Siegfried Link, unterzeichnet haben. In sechs Punkten fordern sie u.a., dass es keine Forschung unter bewohntem Gebiet geben darf, dass in einer Kulturlandschaft keine industriellen Abfälle gelagert werden und das nach intelligenten Energielösungen gesucht wird. Böttcher appelliert, dass sich möglichst alle Kommunen im künftigen Einzugsgebiet des Verpressungsvorhaben der Erklärung anschließen. „Das sind mehr als 100“, sagt er.
Die Neutrebbiner Bürgerinitiative CO2Contra-Endlager verteilt Flyer für den Tag X. An dem soll eine Großdemo starten. Man will sich per SMS, Fax oder E-Mail verständigen, wenn Tag, Ort und Uhrzeit feststehen. „Wir werden auf alle Fälle ein Wochenende wählen, damit viele dabei sein können“, versichert Olaf Wadewitz. Rolf Ignaz von BruchKultur verliest ein Grußschreiben der Beeskower Bürgeriniative. Die warnt: Mit der Verpressung würde der Weg für die Abbaggerung weiterer Dörfer in der Lausitz geebnet. Die Lausitz schaue auf das Oderland, begrüße den Protest.
Letschins Pfarrer Frank Schneider wünscht sich, dass sich mehr Vereine, aber auch Schulen anschließen. An besonderen Schnittstellen müsse der Protest sichtbar sein. „Jeder, der ins Oderbruch kommt, muss unseren Hilferuf wahrnehmen“, sagt er. Noch suche man geeignete Standorte. Landbesitzer werde man sicher finden. Der Bauernbund habe bereits bei seinen Mitgliedern für 30 000 ha ein Betretungsverbot schon für Erkundungsarbeiten festgeschrieben. Die Letschiner Gemeinde listet derzeit ihre Flächen auf, wird dazu einen Beschluss fassen, so Böttcher. Superintendent Roland Kühne informiert, dass die Synode des Kirchenkreises Oderbruch einstimmig einen Beschluss gefasst hat, in dem die Verpressung abgelehnt wird. Auch Kirchenland dürfe nicht betreten werden. „Wir Christen denken wie die Bauern in Generationen“, betont Roland Kühne. Die Schöpfung sei dazu da, die Menschen voran zu bringen und nicht Leben zu zerstören. Man dürfe solch eine Last nicht den nächsten Generationen aufbürden.
Sechste Mahnwache, 6. Juni, 14.30 Uhr, Marktplatz Letschin, Infos unter www.co2bombe.de