"Da beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt Vierlindens Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter Dirk Ilgenstein. Die Region könne sich nur mit einer funktionierenden Infrastruktur entwickeln. Bahnhalte in den Dörfern machen den ländlichen Raum für Zuzügler attraktiv. Alt Rosenthal, direkt an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Küstrin (Kostrzyn) gelegen, ist so ein Ort. Pendler nutzen den Bahnhof, um zur Arbeit nach Berlin zu fahren. Allerdings sind es weitaus weniger als 50 pro Tag, weshalb der Bahnkundenverband befürchtet, dass dieser Halt auf der Kippe steht.
Im Brandenburgischen Infrastrukturministerium will man diese Befürchtung entschärfen. Es ginge nicht um die Schließung von Bahnhöfen, sondern darum, wie man mehr Fahrgäste gewinnen könne, äußerte sich ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag in der MOZ. Die Attraktivität des Haltepunktes haben Ilgenstein und die Gemeindevertreter kürzlich erst dadurch erhöht, dass sie in Alt Rosenthal Parktaschen für Pendler aus den Nachbardörfern gebaut haben. Dennoch dämpft Ilgenstein die Erwartungen. "Wenn dort nur 30 Menschen am Tag ein- und aussteigen, dann ist das viel", sagt er. Die Marke von 50 Personen sei eine völlig "sachfremde Entscheidungsgrundlage", ein starres Festhalten an Zahlen inakzeptabel. Schließlich gebe es auch in Hinblick auf den Busverkehr ins Dorf keine sinnvolle Alternative. Für Alt Rosenthal sei der Haltepunkt existenziell.
"Jede Schließung eines Bahnsteiges ist eine Katastrophe für die Region", sagt Letschins Bürgermeister Michael Böttcher auf Anfrage der MOZ. Zwar ist in seinem Verwaltungsbereich kein Haltepunkt betroffen, doch sieht er die Gefahr für den ländlichen Raum, aus dem sich der Öffentliche Personennahverkehr mit solchen Maßnahmen immer stärker zurückziehe. Das untergrabe auch die Bildungslandschaft, wenn Schulstandorte immer schlechter zu erreichen sind. Zudem sieht auch Böttcher, dass viele Arbeitsplätze von der Strecke nach Berlin abhingen. Und Fahrgastzahlen würden sich nicht dadurch erhöhen, dass Bahnsteige schließen.
Golzows Bürgermeister Frank Schütz nimmt die angedrohte Schließung des Golzower Bahnhofs zum Anlass, um auf die bereits langjährigen Bemühungen seiner Gemeinde hinzuweisen, die Attraktivität des Bahnhofs Golzow zu verbessern. Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Ostbahn hatte Golzow einen Plan für die Umfeldgestaltung des Bahnhofs erstellen lassen und die Bahnhofstraße gekauft. Der Plan scheiterte letztlich daran, dass man sich in der Region nicht einig war.
Um solche Missverständnisse künftig zu vermeiden, ruft Schütz zu Verkehrsgesprächen auf, bei denen das Nahverkehrskonzept des Kreises für den ländlichen Raum diskutiert werden soll. Mit der Niederbarnimer Eisenbahn NEB und anderen Partnern habe er bereits Vorgespräche geführt, so Schütz. An den Landtag richtete er den Appell, die Milliarden nicht in den BER zu versenken, sondern sinnvoll für den Nahverkehr im Land einzusetzen. Ähnlich hat sich am Dienstag der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen geäußert.
Liste der bedrohten Bahnhöfe im Internet auf http://bit.ly/1jG6P1f