"Ich kann das." Silke Golling, Wirtin des Oderbruchstübchens ist voller Selbstvertrauen. Das hat sie sich in den 16 Jahren, in denen sie ihr Geschäft nun schon am Zechiner Postplatz meistert, aufgebaut. "Das", das heißt in diesem Falle, der Einsatz als Kuchenbäckerin, Köchin, Servierpersonal und Buchhalterin. Auch zu Pfingsten gönnt sie sich keine Ruhe. Geschlossen ist das Gasthaus nur mittwochs. "Da ist mein Enkeltag!", sagte sie.
Die Gäste, sie kommen an diesem Pfingstsonntag aus Schwedt, Frankfurt, Berlin und Bad Freienwalde, wissen das zu schätzen. "Der Kuchen ist lecker hier. Schreiben sie das mal", sagen ältere Radfahrer, die ihre Oderbruchtour in Zechin unterbrochen haben, um eine Pause zu machen. Eine Seniorinnenrunde hat den Friedrichsauer Pfingsrosengarten besucht und ist nun zum Eisessen eingekehrt.

Vollsperrung schreckt ab

"Ich befürchte, dass gerade diese Gäste in den kommenden Wochen nicht mehr kommen", sagt die Wirtin. Denn in weitem Umkreis weisen bereits Schilder darauf hin, dass die sonst stark befahrene "Oderbruchallee", die L33, in Zechin voll gesperrt ist. Und zwar vom 1. Juni bis zum 16. Juli. Bleiben die Gäste aus, dann wird es für das "Oderbruchstübchen" sehr schwer, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. "Unsere Gaststätte liegt ja fast auf der Grenze zwischen den Bauabschnitten und ist eigentlich während der gesamten Bauzeit erreichbar", sagt Silke Golling. Zechins Bürgermeister Dieter Rauer hatte sie wie auch einige Gewerbetreibende zwar Anfang des Jahres informiert, dass die Sanierung der Landesstraße in diesem Jahr ansteht. "Aber ich hatte es dann völlig verdrängt. Durch die Corona-Krise war gar kein Gedanke daran möglich", sagt sie. Etwa zwei Monate lang musste sie das "Oderbruchstübchen" schließen. "Das schlimmste war für mich die Schließung auch über Ostern. Das wäre unsere Hauptsaisoneröffnung gewesen."
Silke Golling hatte Soforthilfen bekommen, als die  Krise kam. Das "Oderbruchstübchen" war zu. An den Wochenenden hatte die Wirtin einen Außerhaus-Verkauf begonnen. Aber der wurde kaum angenommen. Die Stammkundschaft, die Zechiner Senioren, trauten sich verständlicherweise in den beiden Monaten auch selbst kaum aus dem Haus. "Ich kam hierher, um überhaupt etwas zu machen", erzählt sie. Ansonsten kümmerte sie sich um die Enkel und damit dafür, dass ihre Kinder wenigstens arbeiten gehen konnten. "Meine Kinder und meine Mutter sind meine größte Unterstützung", sagt Silke Golling dankbar.

Gaststätte bleibt erreichbar

Brigitta Hoffmann, die Mutter der Wirtin, hilft auch am Pfingstsonntag mit. Dass sie schon 80 ist, sieht man ihr nicht an. "Es ist doch schön, wenn man gebraucht wird", sagt sie. In ihrem Berufsleben war sie Buchhalterin in Zechin und Letschin; kommt auch so gar nicht aus der Gastronomiebranche. "Aber ich komme aus der Landwirtschaft. Da hat man Kochen gelernt", erklärt sie.
Beim ersten Bauabschnitt, der heute zwischen der Einfahrt Alte Hauptstraße und der Einfahrt Schulstraße beginnt, ist die Gaststätte aus Golzower Richtung erreichbar. Beim zweiten Bauabschnitt, der am 25. Juni beginnt, dann wahrscheinlich aus nördlicher Richtung. "Wir haben auch während der Bauzeit offen", betont die Wirtin. Und irgendwie klingt das schon wieder sehr optimistisch.