Wie kann es sein, dass nach einer Volkszählung 1,5 Millionen Menschen nicht mehr da sind? Uta Barkusky, die Bürgermeisterin von Müncheberg, kann sich das in der Summe durchaus vorstellen. Auch der Stadt bescheinigte der Zensus einen Einwohner-Rückgang. Per 31. Dezember 2011 waren 6837 Einwohner ermittelt worden - einschließlich der Ortsteile. Das waren 261 weniger, als die Statistik es vorgab.
"Für unseren Haushalt hat das glücklicherweise keine größeren Überraschungen gebracht", erklärt die Bürgermeisterin. Denn die Stadt hatte selbst schon ihre Einwohnerzahlen heruntergerechnet. "Die Menschen melden sich nicht ab oder nicht mehr an", erklärt sie die Hintergründe für die Differenzen in den Zahlen. Es gebe auch Scheinanmeldungen, zum Beispiel aus Steuergründen. Hinzu kämen die Probleme bei Kommunen, deren Namen es mehrmals gibt. Allein im Stadtbereich sind es drei - Hoppegarten, Eggersdorf, Münchehofe. In allen drei "Schwester-Orten" leben deutlich mehr Menschen. Nicht immer wurden Veränderungsmeldungen durch die zentralen Statistikämter den richtigen Orten zugewiesen.
Für Müncheberg habe es deshalb das Thema einer möglichen Klage nicht gegeben, stellt Uta Barkusky klar. Dabei zählt jeder Einwohner - für die Schlüsselzuweisungen, bei Einnahmen zur Einkommensteuer und sonstigen Zuweisungen. Doch darum geht es letztlich gar nicht, sind sich die drei Diskussionsteilnehmer - Uta Barkusky, der Beigeordnete des Landkreises Rainer Schinkel und der bisherigen Ortsvorsteher Peter Buch - einig. Der Zensus hat vor allem eines nachdrücklich unterstrichen - die Nation wird älter.
Ein Umstand, der rauf- und runterdiskutiert werde, ärgert sich Peter Buch. Vor allem brauche niemand besonders auf die neuen Bundesländer zeigen. "Wir exportieren seit Jahren unsere gut ausgebildeten jungen Leute", sagt er. Er erinnert daran, dass der Bund sogar Wegzugsprämien zahlte. Heute fehlen die Frauen im gebärfähigen Alter. Für ihn ist all das dennoch kein Grund zum Pessimismus. "Wir brauchen Dörfer, in denen sich die Leute wohl fühlen", steht für ihn fest. Das hätten die Bewohner in erster Linie selbst in der Hand. Funktionierende Vereine, eine offene Gemeinschaft, die sich auch über Zuzügler freut und sie integriert, das sei wichtig. Er sei froh, dass Trebnitz solch ein offenes Dorf ist. Daran habe zweifellos auch die jahrelange internationale Arbeit des Schlossvereins Anteil.
Auch Uta Barkusky will die Überalterung nicht als Makel sehen. Diese Entwicklung sei auch eine Chance. Und Herausforderung, ergänzt Rainer Schinkel. "Um Orte als Wohnstandort attraktiv zu machen, brauchen wir eine funktionierende Infrastruktur und auch solche Dinge wie eine verlässliche Bildungspolitik." Schinkel bekommt mit auf den Weg, dass es auch einzelne Mitarbeiter sind, die Zuzug oder Ansiedlung verhindern. Der Bürokratismus schlage hohe Wellen, berichtet Peter Buch, der durch seine Arbeit in mehreren Landkreisen unterwegs ist und es ständig erlebt, wie unterschiedlich Behörden mit Regelungen umgehen. "Fast immer gibt es Ausnahmen, man muss sie nur wollen", steht für ihn fest.
Einig ist sich die Runde mit den Besuchern, dass es auch neuer Ideen bedarf, um zum Beispiel älteren Menschen bis ins hohe Alter ein Leben in ihrem angestammten Ort zu ermöglichen. Bedauert wird, dass es keine Förderprogramme für barrierefreies Wohnen auf dem Lande gibt. Hier sei die Politik gefragt.
Ebenso einig sind sich alle, dass die Zahlen des Zensus durchaus wichtig sind für die regional Handelnden. "Es geht um künftige Plätze in Kindergärten, in Schulen, um Senioren, die durchaus noch rüstig sind und ins Dorfleben eingebunden werden müssen und natürlich auch um den steigenden Pflegebedarf", betont Barkusky.
Hinzu käme das extreme Gefälle im Landkreis, verdeutlicht Schinkel. Während die Oderregion weiter ausdünnt, Schulen und Kitas schließen, für immer weniger Menschen Busse und Bahnen fahren, platzen im Berliner Randgebiet die Einrichtungen aus den Nähten. Das erfordere unterschiedliche Konzepte für den Kreis. Der Landkreis hatte vor zehn Jahren noch 192 131 Einwohner, derzeit sind es 187 624. Er gelte noch immer als einer der wenigen, die Zuzug haben. "Aber wir wissen, dass die Gesamtzahlen des Kreises nicht die regionalen Details widerspiegeln", weiß Schinkel. Nur deshalb erhielt auch ein junges Ärztepaar, das sich in Trebnitz niederlassen wollte, keine Zulassung. Märkisch-Oderlands Stellen waren voll belegt.