Der Herbstwind zieht über den Bahnsteig, als die ersten Fahrgäste gegen 7 Uhr auf den Bahnsteig kommen. Sie wollen mit der RB26 der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) nach Berlin-Lichtenberg fahren. Die Pendler sind auf den Zug angewiesen, doch seit einigen Wochen fahren sie nicht mehr gern mit.
Landrat Gernot Schmidt nutzt die Fahrt, um mit den Pendlern ins Gespräch zu kommen. "Ich habe natürlich auch von den Problemen gehört, will mir selber mal ein Bild machen, ob der Zug aus Polen wirklich so schlimm ist", sagt er.
Der Zug kommt aus Kostrzyn/Küstrin und ist bereits fast voll. Martina Pfnister aus Neutrebbin fährt drei Tage in der Woche nach Berlin. "Der Zug ist viel zu voll und oft unpünktlich, außerdem funktioniert die Klimaanlage nicht richtig - mal ist es zu heiß, dann wieder viel zu kalt", weiß sie aus Erfahrung. Es gibt nur einen Wagen, erst in Müncheberg wird ein zweiter angekoppelt.
"Die Pannen auf den Linien der NEB sind bedauerlich", erklärt Pressesprecher Steffen Streu vom Ministerium für Infrastruktur. Bei den ersten regelmäßigen Einsätzen neuer Züge könne es immer zu technischen Pannen kommen, die dann zu Zugausfällen und Verspätungen führen, räumte er ein. Die NEB hat auf Nachfragen bis zum Redaktionsschluss nicht reagiert.
Gisela Basel aus Platkow kann nicht verstehen, weshalb der andere Zug, der weniger Platz für Fahrgäste hat, eingesetzt worden ist. "Montagfrüh und Freitag ist es immer am Schlimmsten. Das Umkoppeln in Müncheberg hat am Anfang gar nicht geklappt", erzählt sie.
Dicht gedrängt sitzen die Pendler im Zug, haben kaum genug Raum für ihr Gepäck. Selbst die zusätzlichen Sitzplätze an der Tür sind belegt. Will jemand aussteigen, müssen alle anderen aufstehen. Festhaltemöglichkeiten gibt es nur in der Mitte des Zuges über den Sitzen. Für Fahrräder ist gar kein Platz. "Das ist natürlich ungünstig für Touristen", räumt Gernot Schmidt ein.
Christiane Axmann aus Sophienthal kommt mit Martin Lang aus Trebnitz ins Gespräch. Er ist sehr unzufrieden, wirft den Abgeordneten des Kreises zu langsame Reaktionen auf Probleme vor. "Der Landrat macht gar nichts. Wir bräuchten aber einen viel größeren Zug, mit dauerhaft zwei Waggons. Außerdem gab es früher vier Türen im Zug, jetzt sind es nur noch zwei", sagt er. Zudem wäre es besser, wenn der Zug öfter fahren würde. Dann würden sich die Fahrgäste vielleicht auch mehr verteilen.
Ein Problem sieht Landrat Gernot Schmidt auch darin, dass einige Pendler nicht mit der S-Bahn von Strausberg aus nach Berlin fahren, sondern lieber die Regionalbahn nehmen, weil sie schneller durch fährt. "Dadurch kommen noch einmal Fahrgäste dazu. Im Moment gibt es noch Kinderkrankheiten bei der Umstellung, aber ich bin sicher, die werden sich geben", sagt der Landrat, der unterwegs zu einer Sitzung des VBB Aufsichtsrates in Berlin ist. Dort spricht er die Unzufriedenheit der Fahrgäste an.
Der Abgeordnete Falk Janke hatte im Kreistag auf die Situation aufmerksam gemacht. "Es werden größere Wagen kommen.Aber wann, kann ich noch nicht sagen", erklärt der Landrat.