Jörg Kopper muss etwas schmunzeln, wenn er auf die Auszeichnung angesprochen wird. Er sehe sich nun nicht als bester Lehrer, sagt der 57-Jährige. Er kenne viele Kollegen, die ihren Job "sehr gut" erledigten. Der Preis sei ihm persönlich daher auch gar nicht so wichtig. Vielleicht solle auf diese Weise "der Ruf des Lehrers etwas aufpoliert werden", mutmaßt er.
Der Müncheberger sagt das ruhig und unaufgeregt. Er ist ein sogenannter Quereinsteiger. Nach der Lehre als Kfz-Schlosser hat er sein Abitur abgelegt und dann Maschinenbau studiert. Später war er am heutigen Zalf in Müncheberg tätig. "Ich kann gut mit Kindern und Jugendlichen", sagt Kopper. So habe er sich denn zu einem Berufswechsel entschlossen.
Seit 2000 ist Jörg Kopper am Oberstufenzentrum tätig. Nach dem damaligen Gesetz hätten Quereinsteiger vor dem Referendariat zuerst zwei Jahre als Lehrer arbeiten müssen, erinnert er sich. Damit habe man sehen wollen, ob der Betroffene über eine entsprechende Eignung verfüge. "Eigentlich war das Blödsinn, denn wir hatten auf dem Gebiet ja keinerlei Erfahrungen", sagt Kopper rückblickend und setzt hinzu: "Aber ich hatte gute Kollegen, die mir sehr geholfen haben."
Nach dem zweijährigen Referendariat begann er dann 2004 an der Berufsschule, Kfz-Mechatroniker auszubilden. Später wechselte er ans Berufliche Gymnasium und zwar in die Fachrichtung Maschinentechnik.
Im Vergleich zu seinem früheren beruflichen Schaffen hat er deutliche Unterschiede ausgemacht. Die vielen langen Reden auf der Lehrerkonferenz hätten ihn anfangs schon erstaunt, sagt er ganz ehrlich. Er habe aber bald festgestellt, dass der verbale Austausch für die Arbeit mit den Schülern praktisch unerlässlich sei.
Jörg Kopper, der die sehr gute technische Ausstattung des Oberstufenzentrums lobt, hat sein Engagement über den Unterricht hinaus ausgedehnt. So betreut er zum Beispiel in seiner Freizeit die von ihm vor drei Jahren gegründete Energie AG, bei der es um die Einsparung von Strom und Wärme durch Solarenergie und Windkraft geht. Die alternative Energie wird dabei ins Netz eingespeist. Nicht ohne Stolz verweist der Müncheberger in dem Zusammenhang auch auf Sonderpreise, mit denen die AG im landesweiten Wettbewerb "Jugend forscht" ausgezeichnet worden ist.
Gern erinnert sich Kopper noch an die Zeiten, wo Schüler an Stockcarrennen teilnahmen und Mopeds frisiert wurden. "Damals in der alten Berufsschule in Müncheberg gab es dafür Räumlichkeiten", sagt er. In Strausberg sei das leider nicht mehr möglich.
Dafür geht anderes. So betreut der Lehrer in Strausberg auch das Schülerradio, das die Schüler seit vier Jahren vor dem Unterricht und in den Pausen täglich bis 15 Uhr mit Musik, kleinen Beiträgen und Spots unterhält.
Wenn er sich etwas wünschen könnte, dann fallen dem aktiven Freizeitsportler spontan zwei Dinge ein: Einmal wären es kleinere Klassen. 30 Schüler seien einfach "zu viele für einen guten Unterricht", sagt er. Bei weniger Schülern pro Klasse könne der Lehrer individueller vorgehen, also sowohl schwächere Schüler besser unterstützen, als auch Leistungsstarke effektiver fördern.
Und dann würde dem Oberstufenzentrum ein Sozialarbeiter sehr gut tun. Kopper spricht von Defiziten in der Erziehung mancher Eltern. Der Vater zweier Töchter will das als gesellschaftliches Problem verstanden wissen und macht deutlich, dass die Schule "die sozialen Probleme nicht lösen kann". Daher bräuchten die Schüler dringend einen unabhängigen Ansprechpartner.
Insgesamt betrachtet, findet Kopper, dass er einen "tollen Job" hat. Und den erledige er "mit außergewöhnlich großem Engagement", wie Schulleiterin Gudrun Thiessenhusen betont. Dabei weist sie unter anderem auch auf Koppers erfolgreiches Wirken als Koordinator und technischer Leiter der alljährlich stattfindenden Benefizveranstaltung hin.
Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) lobte am Montag in seiner Laudatio unter anderem Koppers "höfliche, freundliche und sachbezogene Ausstrahlung". Damit sei der OSZ-Lehrer ein "Vorbild für andere", erklärte er auf der Auszeichnungsfeier in der Potsdamer Staatskanzlei im Beisein von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).