Über ein paar mehr Teilnehmer hätten sich die Organisatoren gewiss gefreut. Letztlich kamen nämlich nur knapp 20 Vertreter von Vereinen, Verbänden und Unternehmen sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung in das Tagungszentrum Am Fischerkietz. Sie hörten anfangs Sabine Schneider vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, die sich zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsstrategie im Land Brandenburg äußerte und dabei einige der insgesamt 225 Maßnahmen anriss.
Dann verdeutlichte Hans-Dieter Nagel bei der Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichts 2015/16, wie weit man in Strausberg bei der Umsetzung der Lokalen Agenda 2020 bislang gekommen ist. Und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.
Beleuchtet wurden bei der Bestandsaufnahme die sieben Handlungsfelder, die in dem Programm für eine nachhaltige, sprich zukunftsfähige Entwicklung niedergeschrieben sind. Beim Thema "Stadtentwicklung und Wohnen/demografischer Wandel" wurde positiv herausgearbeitet, dass die Einwohnerzahl allmählich steigt, wobei der Zuwachs unter der jüngeren Bevölkerungsgruppe eine besondere Erwähnung findet. Beim Versorgungsgrad der Kinder mit Betreuungsplätzen sind bei der Gruppe von drei Jahren bis zum Schuleintritt bereits 100 Prozent erreicht, bei der Gruppe im Grundschulalter sind es 64 und bei den bis Dreijährigen 50 Prozent.
Gute Ergebnisse zeigt der Zwischenbericht auch beim Handlungsfeld "Energie, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel". So ist bei der Stromeinspeisung in das Strausberger Netz das für 2020 angepeilte Ziel von 75 000 MWh bereits jetzt praktisch erreicht. Enorm zugenommen hat demnach die Zahl der Solaranlagen in Strausberg - nämlich von 98 im Jahre 2010 auf 166 im Vorjahr. Weniger erfolgreich gestaltet sich der Anteil der Bioenergie. Dass der angestrebte Anteil von zehn Prozent an der Wärmeeinspeisung in das Stadtnetz noch nicht erreicht sei, führt Hans-Dieter Nagel darauf zurück, dass "die Förderrichtlinien kompliziert geworden sind".
Ein paar mehr Reserven tun sich beim Handlungsfeld "Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Arbeit und Technologie" auf. Auch wenn das ins Auge gefasste Plus an Gewerbeanmeldungen erreicht wurde. Die Auslastungsquote des Gewerbeparks Strausberg-Nord ist im Schnitt mit 2,4 unter den gewünschten vier Prozent pro Jahr geblieben, wobei zuletzt ein Anstieg auf 14 Prozent registriert werden konnte. Günstig hat sich dagegen die Arbeitslosenquote entwickelt, die im Vorjahr 10,9 Prozent betrug - gegenüber 14,4 Prozent im Jahre 2011.
Was das Handlungsfeld "Mobilität" betrifft, so haben Schüler des Oberstufenzentrums wie schon für den Bericht 2012 erneut eine Befragung durchgeführt, an der sich diesmal 211 Bürger beteiligten. Dabei zeigte sich, dass jeweils rund 34 Prozent der Befragten mit eigenem Fahrzeug und dem ÖPNV unterwegs waren, 27 Prozent zu Fuß gingen und 3,7 Prozent das Fahrrad nahmen. Als ganz wichtig stellte Nagel in dem Zusammenhang heraus, "dass die Nord-Süd-Verbindung der Stadt funktionieren sollte".
Beim Handlungsfeld "Soziales, Bildung, Kultur und Sport" wurde die Vereinsvielfalt deutlich: 27 Sportvereine mit 3555 Mitgliedern in mehr als 40 Sportarten, über 1300 Mitglieder allein im KSC, dem zweitgrößten Verein im Landessportbund, dazu die Kreismusikschule mit über 2000 Schülern an 70 Stützpunkten, nicht zu vergessen die Musikschule Hugo Distler.
Überwiegend Lobendes fand sich auch zum Handlungsfeld "Erholung und Tourismus". Das betrifft die Qualität der Badegewässer in und um Strausberg ebenso wie die Zahl der Besucher-Übernachtungen, die 2015 erstmals über 50 000 liegen dürfte.
Bleibt das Handlungsfeld "Natur- und Landschaftsschutz". Hier fällt positiv ins Gewicht, dass in den vergangenen Jahren mehr Bäume neu gepflanzt als gefällt wurden und der Umbau des Stadtwalds zu einem Mischwald gut voranschreitet.
In der anschließenden Debatte forderten Teilnehmer unter anderem eine stärkere Beachtung des demografischen Wandels und das Festhalten am Uferwanderweg. Das Projekt Uferwanderweg sei nur aufgeschoben, erklärte dazu Hans-Dieter Nagel.
Bürgermeisterin Elke Stadeler befand: "Wir sind auf dem richtigen Weg." Das gelte auch für den Wohnungsbau. Einfamilienhäuser allein würden das Problem nämlich nicht lösen, sagte sie. Sie wünschte sich auch für die Zukunft eine "kritische Begleitung".