Anfang des Jahres wurde im Kreis Märkisch-Oderland das Berechnungssystem umgestellt. Wurde bis dato nach Gewicht abgerechnet, also entsprechend dem tatsächlich entsorgten Müll, schlägt seit Januar jede Leerung zu Buche – ganz gleich, wie voll die Behälter sind. Das Prozedere gilt sowohl für die Hausmülltonnen von Eigenheimbesitzern als auch für die Container in Großwohnanlagen.
Doch während es bei den Einfamilienhäusern keine Probleme gibt, da dort die Tonnen in der Regel nur dann zur Leerung bereitgestellt werden, wenn sie voll sind, haben sich einige Großvermieter noch nicht darauf eingestellt, wie Angela Friesse, Leiterin des Entsorgungsbetriebes EMO, weiß. Zum Teil würden dort Container abgeholt, die noch nicht voll sind.
Für die Mieter könnte das mit dem Gebührenbescheid Anfang 2019 höhere Nachzahlungen zur Folge haben. Sie haben zwar im März 2018 die obligatorische Vorauszahlung geleistet. Doch die basiert noch auf Grundlage der 2017 in Anspruch genommenen Leerungen nach dem alten System. „Als Berechnungsgrundlage wurde die Hälfte der in Anspruch genommenen Leerungen angewendet“, sagt Angela Friesse.
Denn die Vorauszahlung geht auch von der Annahme aus, dass durch das neue System weniger Leerungen nötig werden, weil im Idealfall alle ihre Tonnen nur noch dann zur Abholung bereitstellen, sobald diese voll sind. In der Praxis funktioniert das aber noch nicht bei allen Großvermietern, deren Container ja fest fixiert sind.
„Um das Problem zu lösen, haben sie die Möglichkeit, die Größe der Müllbehälter zu verkleinern oder die individuell vereinbarten Touren, also den Leerungsrhythmus anzupassen“, sagt Angela Friesse. In Rüdersdorf sei das schon passiert, nachdem dort Mieter beobachtet hatten, dass Tonnen bei der Leerung teilweise erst halbvoll waren.
In Gesprächen mit den Wohnungsunternehmen will Angela Friesse in den nächsten Tagen nun noch mal auf diese Anpassungsmöglichkeiten an das neue System hinweisen und darüber reden, ob die bisher geleisteten Vorauszahlungen zu den tatsächlich in diesem Jahr angefallenen Entsorgungsmengen passen. „Wir wollen nicht, dass es zu hohen Nachzahlungen kommt, und wollen zusehen, dass wir die Abfallentsorgung in Kooperation mit den Vermietern gut hinbekommen“, sagt Angela Friesse.
Bei der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG) wurden bisher keine Probleme festgestellt, wie Geschäftsführer Andreas Gagel auf Nachfrage wissen ließ. Die SWG habe das veränderte Berechnungssystem zum Anlass genommen, die Anzahl der Müllbehältnisse in den Liegenschaften zu prüfen „und erforderlichenfalls zu verändern. Bei Kontrollen der Verwalter vor Ort wurden bisher keine halbvollen Müllbehältnisse am Entleerungstag festgestellt“, erklärte Andreas Gagel. Weitere Abstimmungen würden nun in einer gemeinsamen Beratung mit dem EMO in der kommenden Woche erfolgen.
Wie alle anderen Wohnungsunternehmen ist auch die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau vom Entsorgungsbetrieb über Verbesserungsmöglichkeiten informiert worden. Die ins Spiel gebrachte Veränderung des bisher vereinbarten Tourenplanes kommt für sie aber beispielsweise nicht in Frage, „da bei uns immer mehrere Tonnen auf einem Fleck stehen“, sagt Vorstand Carsta Göring. „Da sind nie alle Tonnen gleichzeitig voll.“
Würde man den vierzehntäglichen Entsorgungsrhythmus nach oben ändern, würde dies zusätzliche Geruchsbelästigung bedeuten, gerade im Sommer. „Der Appell kann nur an die Entsorger gehen, dass eben halbvolle Container stehen bleiben, denn das Entsorgungsunternehmen hat einen Schlüssel für die Einhausung der Müllbehälter“, sagt Carsta Göring. „Wir können nicht sicherstellen, dass die Container nicht halbvoll abgeholt werden. Einen Hausmeister oder Mitarbeiter abzustellen, der vor Ort ist, wenn die Abholung erfolgt und nur die vollen Container ziehen lässt, bedeutet zusätzlich erhebliche Kosten.“
Die Mieter wolle man mit bebilderten Informationen in den Servicepunkten und Müllhäusern für das Thema sensibilisieren. Sie seien angehalten worden, die Tonnen nach und nach zu befüllen, sagt Carsta Göring. Daran halte sich aber nicht jeder.