Noch ist die vor etwa einem Dreivierteljahr gegründete Ortsgruppe Strausberg des ADFC ein eher überschaubares Häufchen. Man habe ein halbes Dutzend Stammmitglieder, und außerdem kämen bei den regelmäßigen Treffs immer ein paar Neugierige hinzu, berichtet Clemens Rosner. Er ist der Kontaktmann für all diejenigen, die sich mit anderen zu allen Themen rund ums Fahrradfahren austauschen wollen.
Für die den monatlichen Runden vorgelagerten Radtouren ist die derzeitige Gruppenstärke indes von Vorteil. So ist es auf Straßen oder Radwegen nicht zu übervoll, wenn die ADFCer kommen. Wie zuletzt bei der Fahrt vom S-Bahnhof Nord zum Steuerhaus. Unterwegs schaute sich die Truppe die gerade eröffnete Kreuzung bei Obi an. Denn Mitglieder haben Makel ausgemacht. Einige Bordsteinkanten seien ganz schön hoch. Nicht nur für Radfahrer eine Stoßstelle, auch für ältere Fußgänger mit Rollator seien diese Kanten unerfreulich, machte Ines Kalb aufmerksam. Rosner findet neben den 2,5 bis drei Zentimeter hohen, allerdings abgerundeten Absätzen vor allem die scharfen Kurven durch die neue Insel in der Kastanienallee "nicht ideal". Die dadurch andere Wegeführung sei gerade für Radfahrer "irritierend" und nicht übersichtlicher, da sie straßenbegleitend an der Prötzeler Chaussee eigentlich Vorfahrt hätten.
Derlei Hinweise gibt Rosner zeitnah ans Rathaus weiter. Zudem dürften sie in den kommunalpolitischen Gremien landen, denn mit Angelika Wieland war ein Mitglied des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Verkehr dabei. Zuvor waren schon ihr Linken-Fraktionschef Ronny Kühn oder Andreas Fuchs von der CDU bei ADFC-Ortsgruppenrunden zu Gast. Oder Torsten Schmolke, der Verkehrsverantwortliche aus der Stadtverwaltung. "Es wäre natürlich schön, wenn es einen Informationsautomatismus gäbe", wünscht sich Rosner für die Zukunft, dass die Gruppe gerade bei Radler betreffenden Bauprojekten einbezogen würde. Auch ein Radkonzeptverantwortlicher im Rathaus wäre gut. Man sei im Gespräch. "In Eberswalde gibt es so etwas", berichtet er.
Überhaupt sei die Stadt im Barnim in Bezug auf Radverkehr auf einem guten Weg. In Strausberg gebe es gute Ansätze, sei aber mehr möglich. Ein Schritt vorwärts wäre zum Beispiel der Ausbau der alten Güterbahnstrecke der Strausberger Eisenbahn zum Radschnellweg. Denn Radwege an Hauptstraßen seien nicht sonderlich attraktiv, findet Rosner. Auch die neueste Lösung für die Große Straße sei für Radfahrer kein Gewinn. Radler fühlten sich dort von Autofahrern bedrängt. Und Nachholbedarf gebe es auch bei vielen Einkaufsmärkten. "Bis auf einige Ausnahmen haben die Märkte die Radfahrer als Zielgruppe noch nicht erkannt", sagt Rosner. Vielfach fehlten zum Beispiel gute Abstellmöglichkeiten, alles sei auf Autofahrer fokussiert. Dabei brächte mehr Radverkehr doch auch mehr Wohnwert und Lebensqualität in der Stadt. Und Infrastruktur für Radler sei günstiger zu haben als für Autos. "Strausberg könnte einen doppelt so hohen Radverkehrsanteil haben", schätzt er.
Deshalb wollen die ADFCer die Lobbyarbeit für Radler stärken. Mit einem Radnutzungskonzept könnte eine langfristige Vorplanung auf den Weg gebracht werden. Auch beim nächsten Treff ist das sicher wieder Thema.
Der ist am 8. September, 19 Uhr, im Restaurant "Zur Fähre". Zuvor gibt es wieder eine kleine Radtour. Um 18 Uhr geht es von der Straßenbahnhaltestelle Bahnhof Strausberg (Vorstadt) durchs Annatal in die Altstadt.
Kontakt: E-Mail an strausberg@adfc.de ; www.brandenburg.adfc.de/kreisverbaende/strausberg