Chris-Karen Schmidt-Farwig und ihr am Sonntag gegründeter Verein KunstMittendrin wollen den Tanzsaal des historischen Strausberger Hotels Zum Schwan wachküssen. Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf soll der brachliegende, 240 Quadratmeter große, aber nur zweieinhalb Meter hohe, Saal wieder dem Kulturbetrieb dienen. Dabei ist der Ansatz gar nicht so weit von dem entfernt, den Eduard Städtefeld einst 1880 in diesem Saal verfolgte. Es gab Theateraufführungen und Tanzkränzchen, Maskenbälle, Varieté, Vorträge und Ausstellungen. Und das Kino Roxy hatte ebenfalls seinen Sitz im Städtefeldschen Saal.
In Strausberg wie in vielen anderen Städten hatte vor dem Siegeszug des Fernsehens ein viel regeres kulturelles und Freizeitleben getobt als heute. Doch auch schon nach der Wende hatte es ein derartiges Angebot nur einige Meter weiter in der Großen Straße gegeben: Vor vier Jahren allerdings musste Birgit Krüger ihre "Küchenblume" schließen und hinterließ eine immer noch von vielen kulturinteressierten Strausbergern schmerzlich empfundene Lücke.
Chris-Karen Schmidt-Farwig geht unbelastet, aber nicht unerfahren, an die selbst gestellte Aufgabe. Von der Küchenblume hat sie jetzt mehrfach schwärmen hören, als sie unter den Geschäftsleuten für ihr Vorhaben warb. Denn wenn ihr Konzept aufgeht, werden alle in der Altstadt einen Nutzen davon haben.
Doch ist sie auch nicht völlig unbeleckt, denn 2006 und 2007 leitete sie für die Barnimer Alternative das Kulturcafé Tonne. Sie organisierte Klönkino und Konzerte, Familienveranstaltungen und Gastronomie unter dem Dach.
Lärm-Reibereien mit den Nachbarn könnte es im neuen Ballsaal in der Jungfernstraße kaum geben, dort residieren vor allem Gewerbebetriebe. Doch was die gelernte Fotografin, die sich einfach als "Kulturtante" sieht, auch gemerkt hat: Es gibt in Strausberg eine starke Schicht von Leuten, die ihre Abende nicht ausschließlich vor dem Fernseher verdämmern möchten, aber auch nicht jedes Mal nach Berlin fahren wollen, um sich niveauvoll unterhalten zu lassen, tagsüber mit Freunden zu treffen oder einen guten Film zu sehen.
So soll der Ballsaal - diesen historischen "unmodernen" Namen will der Verein KunstMittendrin unbedingt wieder aufgreifen - geteilt werden. Ein Konferenzraum wird abgeteilt. Im großen Saal, der Ausstellungen und im hinteren Bereich eine kleine Bar beherbergen soll, wird in der Mitte eine Bühne aufgebaut. "Es soll kein Café und keine Kneipe werden", betont Chris-Karen Schmidt-Farwig. Man soll sich einfach in angenehmer Atomsphäre und kulturvollem Ambiente begegnen und aufhalten können. Bei Abendveranstaltungen donnerstags, freitags und sonnabends will die Betreiberin durchaus Geld verdienen und also angemessene Eintrittspreise festlegen. Mit dem Bu­ckower TheaterUntendrunter ist schon die Zusammenarbeit angebahnt. Kontakte zu Musikern und Kleinkünstlern hat die Protagonistin reichlich. Sonntags sollen Kindertheatervorstellungen recht viele Familien anlocken.
Chris-Karen Schmidt-Farwig ist voller Zuversicht, auch weil ihr Kölner Vermieter ihr den Rücken stärkt: "Er ist mein erster Sponsor, doch wäre es schön, wenn noch viele hinzukämen."