Eigentlich war die "Anna", wie der Doppeldecker in Fliegerkreisen heißt, reif für den Schrott. Im August 2013 war das 1968 in Polen gebaute und zu DDR- Zeiten von der Gesellschaft für Sport und Technik genutzte Flugzeug zum letzten Mal gestartet. Vom Flugplatz Bienenfarm nahe Nauen im Havelland aus in Richtung Heringsdorf auf Usedom. An Bord eine Gruppe Fallschirmspringer mit Begleitung.
Die Maschine kam nicht weit. Schon kurz nach dem Start fiel das Triebwerk aus. Der Pilot musste auf einem Feld notlanden. Er brachte die Maschine auch sanft zu Boden, doch beim Bremsen grub sich das vordere Fahrwerk in den weichen Untergrund ein, das Heck hob an, die Anna überschlug sich und blieb kopfüber liegen. Da alle Passagiere vorschriftsmäßig angeschnallt waren, kamen die meisten mit dem Schrecken davon. Zumal die Insassen kühlen Kopf bewahrten und sich niemand beim Ausklinken der Gurte in hängender Position ernsthaft verletzte.
Die Maschine jedoch war durch den Unfall nicht mehr für die Fliegerei zu reparieren, ergab ein Gutachten. Horst Hörmann, Mitglied im Förderverein Flugplatzmuseum Strausberg und einst selbst Ermittler bei Flugunfällen, erfuhr davon und schlug seinen Vereinskollegen vor, die Anna vor der Schrottpresse zu retten und sie zu einem Denkmal für Strausberg zu machen. Schließlich verkehrten Maschinen dieses Typs seit 1953 am Flugplatz Strausberg. Er traf auf Zustimmung, konnte zudem Multi-Geschäftsführer Andreas Gagel für den Erwerb der Maschine durch den Träger des Museums gewinnen.
Der Förderverein plante und organisierte. Bergung, Demontage und Transport waren eine Herausforderung. Autoreifen für die Lagerung waren zu besorgen, Kräne, ein kostengünstiger Tieflader. Zum Glück bekam der Verein vielerorts Unterstützung - Autoschlosser spendeten Altreifen, Handwerker borgten Werkzeug, Kran- und Transportfirmen boten gute Preise. "Ich bin in dieser Zeit fast 2500 Kilometer zwischen Strausberg und Bienenfarm hin- und hergefahren", berichtete Hörmann jüngst auch beim Talk im Tower, wo das Wiederaufbauvorhaben vorgestellt wurde.
Viele helfende Hände organisierte Vereinsmitglied Uwe Günther. Er ist in einem Projekt tätig, in dem Umschüler zu Flugzeugtechnikern ausgebildet werden. Für diese bot die Arbeit am Flugzeug willkommenen Praxis-Einblick. Beim Auseinandernehmen wurden jedes Teil, jede einzelne Schraube, dokumentiert, beschriftet und gut verpackt, um den Wiederaufbau in Strausberg bewerkstelligen zu können.
Als Winterquartier und Reparaturwerft boten die Stadtwerke eine Lagerhalle. Unbemerkt wurde sie bezogen, bereits im Dezember. Das war übrigens nicht ganz einfach, denn das Tor war nur wenige Zentimeter höher als der Rumpf, von dem ohnehin das Fahrwerk abmontiert war. Mit Unterstützung von Firmen bauten Vereinsmitglieder eine Lafette, auf der der Koloss in die Halle bugsiert werden konnte.
Inzwischen ist ein "harter Kern" regelmäßig beim Arbeiten in der Halle anzutreffen. Dazu zählt Horst Hörmann vor allem Jürgen Lange, Günter Masche, Holger Thielemann, Peter Thalacker und Uwe Günther. Drei weitere Mitstreiter kämen gelegentlich, zusätzliche helfende Hände seien gern gesehen, warb Hörmann. Es müssten nicht unbedingt Leute mit Luftfahrtaffinität sein, da momentan noch etliche Reinigungsarbeiten zu erledigen seien, erläutert er. Zeiten seien nach Absprache relativ frei wählbar. Er selbst habe inzwischen in Hennickendorf Bleche auftreiben können, die für beschädigte Stellen im Rumpf geeignet seien.
Noch nicht abschließend geklärt ist der spätere Standort des neuen Ausstellungsstücks. Ein Platz zwischen dem alten Tower und dem Museum behagt Hörmann nicht so recht. Lieber wäre ihm eine abgegrenzte Fläche in der Nähe der Tankanlage.
Um diese Frage wird es beim heutigen monatlichen Vereinstreff um 18 Uhr im Restaurant "Zum Doppeldecker" eher nicht gehen, wohl aber um den Wiederaufbau der Anna.
Mehr zum Verein: www.flugplatzmuseum-strausberg.de; Kontakt für Freiwillige: Tel. 033439 17269 (Horst Hörmann) oder 033439 80504 (Horst Prommersberger)