Bürgermeisterin Elke Stadeler wäre wahrscheinlich am liebsten im Boden versunken, als die Sektflasche im ersten Versuch zwar an die Bordwand schlug, aber nicht zerschellte. "Ich bin ja nicht abergläubisch, aber hier schon", gestand sie. Letztlich musste der Fischer selbst kräftig Hand anlegen, um den symbolischen Akt zu einem guten Ende zu bringen.
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Einmal auf dem Schiff, konnte er gleich das Geheimnis um den Namen lüften und die Klebefolien über dem Schriftzug "Annemarie" entfernen. Annemarie ist der zweite Vorname von Rinasts Tochter Wanda. Er geht auf deren Urgroßmutter mütterlicherseits zurück. Annemarie Nebrich hatte in den 1930ern bei der Strausberger Fleischerei Kleinschmidt gearbeitet.
Bis drei Tage vorher habe noch nicht festgestanden, ob alles zu seinem Wunschtermin klappt, berichtete Rinast, der von allen Seiten Anerkennung erhielt. Zum Beispiel von Landrat Gernot Schmidt. "Ich bewundere Ihren Mut", sagte der Verwaltungschef von Märkisch-Oderland. "So was erlebt man wohl nur einmal", ergänzte die Bürgermeisterin, die "größten Respekt" für die Entscheidung, die Leistung und auch das übernommene Risiko zollte. Der Strausberger investiert etwa eine Viertelmillion Euro. Zuschüsse kommen aus Leader-Programm. "Ich könnte Purzelbäume schlagen, dass nach vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit so etwas herauskommt", freute sich Kurt Zirwes von der Lokalen Aktionsgruppe Märkische Seen.
Schließlich ist das Schiff kein 08/15-Projekt. Das einer einst auf dem Straussee verkehrenden Barkasse nachempfundene Elektro-Boot ist ein Unikat, bei dessen Bau ein umfangreiches Vorschriftenwerk zu beachten war. Dadurch hatte sich das Vorhaben auch verzögert.
Strausberg habe nun ein Highlight mehr, und nun würden auch die letzten Kritiker verstummen, zeigte sich die Bürgermeisterin überzeugt. Alle sollten künftig "mindestens einmal im Jahr mitfahren", so ihr Wunsch an die Bevölkerung. Das Schiff soll sowohl feste Runden auf dem Straussee drehen als auch zum Chartern für Feiern und Ausflüge angeboten werden.
Bis es so weit ist, wird noch etwas Zeit ins Land gehen. Nächste Woche kommt erst einmal der Motorenhersteller, um die Antriebe einzustellen, dann folgen eine Reihe von Testfahrten mit Konstrukteur Christian Masilge, dann die Abnahme. Ein Vertreter der Landesbehörde war unter den Schaulustigen. "Ich wollte es schon mal von unten sehen, bevor es im Wasser ist", sagte er. Termine seien noch nicht vereinbart.
Am Fichteplatz sind mittlerweile vom Vermesser Pflöcke gesetzt, wo der Anleger entsteht. Der Schwimmsteg, mit dem auch unterschiedliche Wasserstände im See überbrückt werden können, soll laut Rinast nach der Zulassung fertig werden, wahrscheinlich im Juni. Die Anlegestelle am Fischereibetrieb auf der anderen Seeseite soll dann imkommendenJahrfolgen.
Alle hoffen, dass alles so reibungslos klappt wie die Lieferung. Etwa vier Stunden hatte Volkmar Thieme mit dem Maxi-Kraft-Schwerlasttransport von der Werft der SGB Stahlbau in Eisenhüttenstadt gebraucht und war gegen 4.30 Uhr am See. "Es war mein erster Bootstransport", erzählte der Fahrer, der sonst Teile für Windräder durch die Lande tourt. Michael Scheel hatte mit dem 160-Tonnen-Autodrehkran ebenfalls keine Mühe, das 16 Meter lange, gut vier Meter breite und 14 Tonnen schwere Schiff für 48 Passagiere ins Wasser zu bugsieren.
"Luftschiff": Die "Annemarie" von Fischer Rinast wird per Kran an der Fähranlegestelle in den Straussee gehievt.Fotos (2): MOZ/Gerd Markert
Strahlemann: Martin Rinast am Steuer seiner "Annemarie". Bei Passagierfahrten wird später auch ein Strausberger am Ruder stehen.
Elektroboot von Fischer Martin Rinast ist ausgeliefert / Schiff kann voraussichtlich im Juni mit Passagieren starten