Der Ausbildungstag der Stadt hat sich einmal mehr als Besuchermagnet erwiesen. Zur Premiere in der neuen Mehrzweckhalle in der Hegermühlenstraße kamen mehr als 750 Besucher. Sie konnten sich an knapp 70 Ständen informieren.
Ausbildungstag 2018

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Brandenburgs neuer Wirtschaftsminister Jörg Steinbach war schon zur Eröffnung beeindruckt über den guten Zulauf. Er sei ja auch für Handwerksbetriebe und Kammern zuständig, wollte sich deshalb ein Bild machen, erklärte er und suchte bei einem Rundgang mit Bürgermeisterin Elke Stadeler das Gespräch mit Ausstellern. Besonders am Herzen lag dem ehemaligen Präsidenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg  indes die duale Berufsausbildung als „zukunftsträchtige Variante“. Landrat Gernot Schmidt gab den Gästen aus eigener Erfahrung mit auf den Weg, dass jeder Beruf gute und schlechte Seiten habe.
Kai Ewald, vor Kurzem noch selbst Azubi, machte am Stand der Straßenbaufirma Rask Brandenburg direkt klar, dass es sich um schwere körperliche Arbeit bei Wind und Wetter handele. Christian Stolzmann (19) ließ sich davon nicht abschrecken und erkundigte sich bei Ines Kramer und Melanie Rotter nach Details. Die warben zum Beispiel mit Erstattung von Wohn- und Fahrkosten. „Die Azubi-Vergütung bleibt komplett für dich.“
Ein Stück weiter machte Phi-lipp Ruppel (19), im dritten Lehrjahr, eine Ausbildung bei Mayer Kanalmanagement in Tasdorf schmackhaft. Dort gibt es sogar Zusatzboni für gute Noten. Dennoch sei es schwer, Nachwuchs zu finden, berichtete Ausbilderin Doreen Müller. Tim Langrock (13) hörte sich alles geduldig an. Ihm schwebt derzeit aber eher „was mit Kindern“ oder in der Landwirtschaft vor, denn er sei gern in der Natur. „Er hat ja noch Zeit. Es ist eine Vororientierung“, betonten die Eltern.
Die Fernmeldebau Strausberg GmbH verdeutlichte mit einem zertrennten Kabel mit hunderten Adern eines ihrer Tätigkeitsfelder. „Normalerweise haben wir vier Azubis pro Jahr, diesmal nicht einen“, erzählte Ausbilder Hans-Jürgen Klein. Dabei habe man die Ansprüche schon heruntergeschraubt. Am wichtigsten seien Lust und Liebe für die Arbeit. Man unterstütze beim Führerschein, nannte er ein Plus, und Azubi Ari Lojek (22) ergänzte: „familiäre Atmosphäre und guter Umgang“.
Bei Cemex zähle in erster Linie Leistungsbereitschaft, erklärte Michael Seim jungen Migranten, die sich für den Beruf als Industriemechaniker interessierten. Berührungsängste gebe es nicht. Gerade habe ein junger Syrer eine Lehre begonnen.
Einen kleinen Praxistest ermöglichte die TGA Heinemann aus der Branche Sanitär/Heizung/Klima. Hier konnten aus Kupferrohr Herzen gebogen werden. Wenn niemand mehr einen Handwerksberuf ergreifen wolle, würden die Preise bald richtig hochschnellen, prognostizierte Meister Steffen Kelm. Bei TGA gingen in nächster Zeit viele in Rente. Und Nachwuchs zu finden, werde schwieriger. Zumindest ein potenzieller Kandidat ist in Aussicht: Philip Richter (14) aus Altlandsberg. Der Neuntklässler will der Empfehlung von Matthias Seidel folgen und ein Praktikum verabreden.
Starker Andrang war bei der Deutschen Bahn und Institutionen wie Zoll, Finanzamt oder Bundespolizei zu beobachten. Und Martina Laue von der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland musste immer wieder die Anforderungen an künftige Brandenburger Polizisten erläutern.
Die Pflegebranche im vorderen Bereich hatte da weniger Zulauf. Zumindest Interesse war aber vorhanden, konstatierte Stefan Fritsch von der Pflegetraum GmbH & Co. KG nach der Premiere seiner Firma beim Ausbildungstag. Es werde sich ja in der Folge zeigen, ob sich daraus etwas entwickle.