Im Foyer des Hoppegartener Rathauses ist die Ausstellung „Schlösser und Herrenhäuser in der Mark“ mit Schwarz-Weiß-Fotos von Volkmar Billeb zu sehen. Über Hintergründe zur Person und Ausstellung sprachen Gabriele und Raymund Stolze mit dem Fotografen.

Herr Billeb, Sie haben fast drei Jahrzehnte als Bildjournalist gearbeitet und bis zur Wiedervereinigung acht Jahre als Fotokorrespondent in der Sowjetunion. Warum sind Sie zur professionellen Architekturfotografie gewechselt?

Mit der Liquidierung aller DDR-Illustrierten und Journale im Frühjahr 1991 kam für mich die Erkenntnis, dass meine fast 30-jährige Zeit als Bildjournalist vorüber ist. Jetzt freiberuflich galt es, neue Themenkreise zu erschließen. Es kam zur Zusammenarbeit mit Münchner Bildagenturen und Verlagen, die von mir Architekturfotos aus den neuen Bundesländern wollten. Vor allem der deutsche Kunstverlag München stellte damals strenge Qualitätskriterien für die Fotografie von kunst- und bauhistorisch wichtigen Objekten auf. So musste aufwendig in Mittel- und Großformat analog auf Roll- oder Planfilm gearbeitet werden. Das verlangte eine gänzlich andere Auseinandersetzung mit einem Motiv, ruhiges und besonnenes Gestalten und Komponieren eines Bildes. In diesem Kontrast zur ehemals schnellen bildjournalistischen Arbeit entdeckte ich sehr bald einen besonderen Reiz. Das wollte ich!

Im Mittelpunkt stand die vom „Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark“ seit 1991 herausgegebene Publikationsreihe. Welchen besonderen Reiz hat diese Edition für Sie, bei der Sie von 1993 an der Veröffentlichung von etwa 140 Heften beteiligt gewesen sind?

Das war zunächst die von mir ohnehin besonders geliebte Schwarz-Weiß-Fotografie, die aus technischen und später auch aus konzeptionellen Gründen vorgegeben war. Und dann war es auch die strenge dokumentarische Herangehensweise. Wir haben bei all diesen Sujets niemals etwas geändert, waren immer reine Chronisten, wahrhaftige Zeitzeugnisse in Form von Architekturfotos wollten wir.

Wie würden Sie konkret Ihre Arbeit beschreiben, deren wichtigstes Ziel es ganz sicherlich war, auf die Schönheit der alten Brandenburger Schlossbauten, auf deren bau- und kunstgeschichtlichen Wert aufmerksam zu machen?

Mit unseren Publikationen sollte das Schicksal dieser oft leer stehenden oder verwahrlosten Häuser in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt und etwas zu ihrer Rettung beigetragen werden. Kurz nach der Wende waren die Guts- und Herrenhäuser plötzlich nicht mehr LPG-Büro, Kindergarten, Dorfkonsum oder Altersheim, sondern herrenlos, oft dem Vandalismus ausgesetzt. Aber es waren dennoch kunsthistorisch hochwertige und fast immer geschichtsträchtige Bauten, die es zu bewahren galt.

Welche Schlösser aus Märkisch-Oderland sind Ihnen dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Die behutsame und denkmalgerechte Sanierung des Hauses in Trebnitz war eindrucksvoll und exemplarisch, obwohl dort nicht die ganz große Kunstgeschichte verborgen ist. Natürlich bin ich über den Glücksfall des Schinkelschen Neuhardenberg froh, wo die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ein wunderbares Ensemble ländlicher Baukultur wiederbelebt hat.

Warum haben Sie einen dokumentarisch-nüchternen Bildstil in Schwarz-weiß-Technik gewählt und dabei die vorgefundenen Szenerien in den veröffentlichten Fotos niemals verändert?

Fotografie sollte niemals lügen, ihr Wert liegt auch im streng Dokumentarischen begründet. Wir haben diesen nüchternen Bildstil gewählt und auf jeden fotografischen Effekt sehr bewusst verzichtet, um authentisch und glaubhaft zu sein. Das hätten wir durch ein Verändern einer vorgefundenen Szenerie nicht erreicht.

Ausstellungen des „Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark“ waren auch in den alten Bundesländern zu sehen, um dort auf die nach wie vor unbekannte reiche Brandenburger Kulturlandschaft aufmerksam zu machen. Wie sehen Sie diesen Aspekt im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung?

Wir haben bei früher besserem Mitarbeiterstand Ausstellungen zu unserer Arbeit von München bis Hamburg organisiert und eine Fotoausstellung zu den Brandenburger Schlössern dutzendmal gezeigt, die immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wurde. Wie wichtig und richtig das war, belegt eine Episode, die ich Ende der Neunzigerjahre in Dortmund erlebt habe. Die Pressereferentin einer großen Bildungseinrichtung fragt mich bei Ausstellungsaufbau: „Brandenburg? Wo liegt das denn eigentlich? Ist das eine Stadt?"

Und was meinen Sie: Wie können die Publikationen das Heimatgefühl zu vertiefen?

Sie können dazu beitragen, den Wert des eigenen Umfeldes zu erkennen. Heimatgefühl geht doch wohl auch auf die eigenen Werte zurück. Und dazu kann durchaus das alte Gutshaus im Dorf gehören, kaum beachtet und wie aus der Zeit gefallen, wenn man seine inneren Werte erkennen kann. Wenn man das „Was wird?" bedenkt, muss man das „Was war" auch wissen.

Sie haben Ihre fotografische Arbeit zum Jahresende 2020 beendet. Ein Heft über das Herrenhaus in Dahlwitz-Hoppegarten und seinen Lenné-Park fehlt jedoch noch. Wäre das nicht noch eine reizvolle Herausforderung für Sie?

Na klar, als Bürger der Gemeinde Hoppegarten seit bald drei Jahrzehnten würde ich sehr gern meinen Beitrag zu einem solchen Heft leisten. Das wäre tatsächlich noch mein Wunsch.