Hingegen habe er nun als Schülersprecher seit Schuljahresanfang viel mehr zu tun. "Wir haben als Duo krass viel verändert", berichtet er mit Hinweis auf seine Sprecherkollegin Lily. Für die Arbeit hat er am Dienstag im Filmpark Babelsberg von Bildungsministerin Britta Ernst den ersten Preis beim Klassensprecherwettbewerb bekommen. Vorangegangen waren in der ersten Runde mit 22 jungen Leuten eine Art Bewerbungsschreiben und Werbung auf verschiedenen Kanälen, um eine online-Abstimmung zu überstehen. In Runde zwei mit noch zehn Kandidaten folgten ein weiteres Schreiben, ein Video sowie Bewertungen von Lehrkräften bzw. Schulsozialarbeitern.
Nach einem Coaching bei der Friedrich-Ebert-Stiftung sei das Duo ans "Umkrempeln" gegangen, erzählt Kevin. Noch gebe es ja einige, die die Funktion nicht so ausfüllten, wie es sein sollte. "Da kommt wenig Eigeninitiative, man weiß ja nicht einmal, wer überhaupt Sprecher ist." Er wolle aber "nicht dekoratives Beiwerk sein", sondern Ideen umsetzen. Zunächst einmal wurde die Präsenz deutlich gesteigert, wurden Aushänge gemacht, Bilder gestreut, ein Briefkasten installiert, eine E-Mail-Adresse geschaltet und ein eigener Raum mit Sprechzeiten für alle Klassenstufen bezogen. "Danach wusste jeder, wer wir sind, und Projekte flogen uns zu", erzählt der Jugendliche.
So hat sich das Team zum Beispiel um das Thema Mittagsversorgung gekümmert. Vom Buffet bekamen bisweilen die Letzten nichts mehr ab, es gab Gerichte, die überhaupt nicht ankamen, und als auch noch die Preise angehoben wurden, wollten sich viele von dem Angebot abwenden. Kevin und seine Kollegin starteten eine Umfrage unter den mehr als 400 Schülern sowie den Lehrern, ließen das Essen bewerten, eigene Wünsche auflisten, nahmen Kontakt zum Lieferanten und zur Firma auf, die die Ausgabekräfte beschäftigt, und konnten letztlich Änderungen erwirken. Der Menüplan wurde überarbeitet. Zwar wurden Wünsche nach mehr Fast Food nicht berücksichtigt, aber zumindest eine Art Döner habe es auch schon gegeben, berichtet Kevin, quasi zum selbst Bauen aus Fladenbrot, Gyros, Zaziki und Gemüse. Seitdem seien die Leute wieder lieber Essen gegangen.
Gern würde er auch noch eine Food-Sharing-Variante organisieren, damit Reste des Mittagsangebots zum Beispiel an die Tafel oder andere Abnehmer gegeben werden könnten, doch das scheitere derzeit an den gesetzlichen Vorgaben. Die sähen vor, dass alles vernichtet werden müsse. "Vielleicht können wir das nächstes Jahr angehen", blickt der 17-Jährige voraus.

Corona beeinflusst Arbeit

Mit Schülern aller Klassenstufen wurde ein Geschenk für ein Patenkind der Schule selbst entwickelt und nicht gekauft, es gibt regelmäßige Runden mit den Klassensprechern, nennt Kevin weitere Punkte. Eigentlich hatten die Petershagener auch vor, für alle anderen Schulen der Fürstenwalder Aus- und Weiterbildungszentrum gGmbH ein Coaching für Schülersprecher anzubieten, hatten auch schon Material besorgt und Catering organisiert, doch dann kam Corona.
Dadurch habe auch die Sprecher-Arbeit etwas auf Eis gelegen. Der direkte Kontakt fehlte. Zumindest habe man sich als Mittler angeboten, wenn sich jemand im Homeschooling nicht traute, an Lehrer heranzutreten. Auf jeden Fall wolle er dafür sorgen, dass die eigene Arbeit nach seinem Schulabschluss in ähnlicher Weise weitergeführt wird. "Es steht viel in unserer Macht. Viele wissen gar nicht, was möglich ist", hebt er hervor. Mit den richtigen Personen könne die Gestaltung nach Ideen der Schüler einen großen Schritt vorwärts gebracht werden. Deshalb sollten auch nur Leute als Sprecher gewählt werden, "die Bock darauf haben". Er hat ihn jedenfalls, merkt man ihm an.
Später kann sich der 17-Jährige vorstellen, Bildungswissenschaften zu studieren. "Was Soziales, wie meine Schwestern." Vielleicht auch erst Lehramt, denn nur wer selbst als Lehrer gearbeitet habe, könne später deren Arbeit beurteilen, findet er. Auch Politik hält er nicht für gänzlich abwegig. Er wolle jedenfalls mit Menschen zu tun haben.