Sie freuten sich, dass sie bis dato Unbekanntes zu Tage gefördert hatten. So konnten sie – anhand der unterschiedlichen Anordnung der sogenannten Abbundzeichen der Zimmerleute auf den vor über 120 Jahren verwendeten Holzbalken fürs Fachwerk – schlussfolgern, dass der Bahnhof zuerst spiegelverkehrt auf der gegenüberliegenden Seite des Gleises der Ostbahn gestanden haben musste.
Im Laufe des Jahrhunderts, so fanden die Studenten heraus, wurde immer den Nutzungsarten entsprechend umgebaut. So wurde zwischen 1890 und 1990 nach und nach die einst offene Wartehalle geschlossen, wurden Wände für immer mehr Büros eingezogen, wurden Decken abgehangen und Öfen eingebaut. Zum Schluss war hier eine Telefonzentrale der Bahn untergebracht.
Frauke Gallinat, Björn Schmidt und Corinna Tell untersuchten die Farbschichten, die im Laufe des Jahrhunderts aufs Gebäude und die Zimmerwände aufgetragen worden waren. Dabei fanden sie Freihand-Malereien und Verwendung von Schablonen für die Akanthusornamente im Fürstenzimmer.
Die künftigen Denkmalpfleger kartierten während der drei Projektsemester, die sie in Hoppegarten verbrachten, jedes Zeichen der Veränderungen und späteren Verfalls, nahmen auch die durch Umbauten oder Vernachlässigung entstandenen Schäden auf und gaben erste Hinweise für eine mögliche denkmalgerechte Sanierung.
Besonders interessierten die Hoppegartener die Vorschläge einer künftigen Nutzung – wenngleich noch sehr viel Zukunftsmusik und finanzielle Unwägbarkeiten darin stecken.
(Mehr in der Printausgabe der MOZ vom 6. Juli 2011)