Seit Anfang der Woche ist das Siegel an der Tür verschwunden, ist für Chris-Karen Schmidt-Farwig das Betreten wieder möglich. Über die unumstrittene Büronutzung hinausgehende Aktivitäten kann sie im Ballsaal allerdings nicht entwickeln. Deshalb fänden Veranstaltungen des Vereins weiter im Literaturcafé statt. Zum Beispiel wird am 1. Mai dort Christian Haase gastieren. Der Liedermacher, der für geistvolle und nachdenklich stimmende Texte bekannt ist, wolle mit dem Auftritt in dem kleinen Raum seine Solidarität zum Ballsaal bekunden, sagte Chris-Karen Schmidt-Farwig. Er war bereits bei der Veranstaltung in der Kirche im vergangenen Dezember mit dabei. Eine Woche später gibt es Kabarett mit Johannes Sterkel. „Dresdner Stolle oder Sachertorte – Ein Ösi bei den Ossis“ ist sein Programm überschrieben.
Etwas Kultur gibt es im Ballsaal auch wieder: Claudia Constanze Lorenz von der Galerie CCLO am Lindenplatz hat einige Bilder der bei ihr ausstellenden Künstler in den Räumen in der Großen Straße 55 platziert. Für Chris-Karen Schmidt-Farwig ist das ein Beleg dafür, dass Kunst- und Kulturschaffende in Strausberg Hand in Hand arbeiten. Ab Mitte Mai soll das Büro des Vereins von einer Ehrenamtlerin einen Tag pro Woche von 11 bis 18 besetzt sein. Derzeit sind die Räume nur nach Absprache im Literaturcafé zugänglich. Der Verein hat derzeit übrigens rund 140 Mitglieder. Ein großer Teil von ihnen zahle auch Beiträge oder Spenden.
Dennoch blieben der Truppe kaum Einnahmen, da die Besucherzahlen bei Veranstaltungen im Café Litera schon ob dessen Größe geringer seien und der Eintritt komplett an die Künstler gezahlt werde, so die Ballsaal-Chefin. Umso ärgerlicher finde sie, dass ihrem Antrag auf Gebührenbefreiung vom Landkreis nicht stattgegeben wurde. Für die vier „Verwaltungsakte“ von der Nutzungsuntersagung bis zur Versiegelung werden insgesamt mehr als 500 Euro verlangt. Dagegen hat Chris-Karen Schmidt-Farwig Widerspruch eingelegt. Für sie passt nicht zusammen, dass der Verein auf der einen Seite für seine Kulturarbeit mit vom Oberlandesgericht verhängten Bußgeldern bedacht werden kann, auf der anderen Seite eine Behörde solch eine Forderung erhebt. Zudem müssten im Ballsaal Umbauten vorgenommen werden, nachdem die Brauerei den Tresen wegen der Schließung des Saals abgezogen hatte. Dennoch lässt sich die Strausbergerin bislang nicht entmutigen: Ihr Ziel bleibe es weiterhin, niveauvolle Kleinkunst- und Kulturangebote in der Altstadt zu organisieren.
Die sieht auch Carla Bork, die Chefin des Bauordnungsamtes, als Bereicherung und „in Strausberg bitter nötig“. Eine Nutzung des Ballsaals für Kultur funktioniert aus ihrer Sicht jedoch nur nach dem Erfüllen der Brandschutzauflagen und dem Herstellen der Barrierefreiheit. „Filmvorführungen und Ähnliches sind keine Büronutzung“, stellte sie klar. Dann greife die Versammlungsstättenverordnung, die nach Raumgröße und daraus ermittelter möglicher Personenzahl Fluchtwege und deren Beschaffenheit vorschreibe.