Die Geschichten, die das Leben schreibt, sind oft spannender als sie sich gemeinhin anhören. Der Kunstrasenplatz in Vogelsdorf wird gebaut. Was so selbstverständlich normal klingt, kam im Endspurt der Genehmigung einem hochspannenden Krimi gleich. Nur haarscharf um Minuten schrammte das über ein Jahrzehnt lang geplante Projekt an einer klaren Klatsche vorbei, um im sportlichen Jargon zu bleiben.

Erster Beschluss zum Bau in Vogelsdorf im September 2008

Was lange währt, wird gut, diesen Spruch konnten Rüdiger Klaus, Vereinsvorsitzender der TSG Rot-Weiß Fredersdorf-Vogelsdorf, und seine Mitstreiter schon nicht mehr hören. Am 25. September 2008 beschloss die Gemeindevertretung die Umgestaltung des Sportplatzes in den Jahren 2009 bis 2010 sowie den Bau eines Funktionsgebäudes ab 2011. Mit zwei Geschossen wurde das Gebäude geplant, Platz war für alle Vereine der Gemeinde, in der Planzeichnung dazu waren die Räume schon vergeben, gar eingerichtet. Im Außenbereich wurde gestritten, ob zusätzlich zu den Fußball-, Volleyball-, Handball- und Hockeyspielfeldern auch noch ein Basketballfeld entstehen sollte.
Die Wirklichkeit sieht nach fast genau zwölf Jahren anders aus, Sport im Außenbereich war in den letzten Jahren dort nur bedingt möglich, beim Funktionsgebäude fragten Gäste schon mal nach dem Ankommen, ob es überhaupt noch in Betrieb ist und fließend Wasser vorhanden sei.
Die ganz kleinen Schritte waren es, die seitdem dort gemacht wurden. Eine Spielfeldbeleuchtung wurde installiert, ein Mini-Sportfeld kam, der Sportplatz wurde umzäunt, da Wildschweine am Fußballrasen Gefallen gefunden hatten, und die sanitären Einrichtungen wurden instand gesetzt.
2015 gab es einen neuen Anlauf der AG „Sportzentrum Vogelsdorf“, der mehrere Vereine der Gemeinde angehörten. Die Kostenschätzung belief sich auf knapp sechs Millionen Euro für verschiedene Sportplätze, neues Sportgebäude und Freilufthalle sowie den Abriss des vorhandenen Gebäudes. Das steht aber auch 2020 noch.
Über 500 Mitglieder hat die TSG inzwischen, mehr als 200 spielen Fußball. Etwa drei Viertel davon ist unter 18 Jahre. Da rollt fast ständig der Ball für Training, Meisterschafts- oder Pokalspiele. Der Kunstrasenplatz ist notwendig, damit ein dauerhafter Trainingsbetrieb, auch während der Wintermonate, gewährleistet ist, begründete der Verein einen erneuten Vorstoß in diesem Jahr, doch wenigstens den den Platz zu bauen.

1,2 Millionen Euro kostet der Bau, 345.000 Euro sind Fördermittel

400.000 Euro waren bereits seit 2016 dafür im Gemeindehaushalt eingestellt, mit den einberechneten jährlichen Preissteigerungen sind nun 833.000 Euro Gemeindeanteil fällig, 345.000 Euro Fördermittel schießt der Landessportbund (LSB) zu den Gesamtkosten von knapp 1,2 Millionen Euro zu.
Beinahe wäre diese Förderung gekippt. Schon mehrmals wurde die Frist für die Förderung verlängert, da die Grundlage, ein Bekenntnis der Gemeinde, den Platz bauen zu wollen, fehlte. Dem Engagement einzelner LSB-Präsidiumsmitglieder hat es die Gemeinde zu verdanken, dass die Fördermittel nicht sofort gestrichen wurden. So stellte der LSB ein letztes Ultimatum, wenn bis zum 24. Juni kein Beschluss der Gemeindevertretung vorliegt, dann ist endgültig Schluss mit Förderung. Am Vorabend tagte die Gemeindevertretung und kurz vor 22 Uhr, dem eigentlichen Ende solch einer Sitzung, war der Tagesordnungspunkt Kunstrasenplatz immer noch nicht aufgerufen worden. Rüdiger Klaus lief im Publikum schon der Schweiß von der Stirn, da wurde mit Mehrheitsbeschluss die Beschlussvorlage noch ausnahmsweise behandelt und anschließend abgesegnet. Erleichtert ging Klaus aus der Sitzung und sagte: „Wenn der erste Spatenstich vollzogen ist, dann glaube ich wirklich dran.“

Ende November muss alles fertig sein, sonst droht das Aus der Förderung

Der war nun in dieser Woche. Wenn alles gut geht, die Witterung mitspielt und keine unvorhergesehenen Dinge eintreten, dann soll Ende November alles fertig sein. „Sportlich“, sagt auch Planer Steffen Brodt vom Berliner Architektenbüro „plan.b“ zum Zeitplan, aber auch zu schaffen, fügt er hinzu. Ein Problem sind die Wurzeln der Pappeln am Rand des Platzes. Da hofft man auf ein baldiges Okay der Unteren Naturschutzbehörde, diese entfernen zu dürfen, sonst sind die Arbeiten am Unterbau gefährdet. 90 mal 64 Meter groß wird das Spielfeld, das auch in zwei Kleinfelder teilbar ist.
Als Füllmaterial kommt Sand zum Einsatz, auf mikroplastikhaltiges Granulat wird verzichtet, erklärt Jan Lauterbach von der Firma Polytan. Etwa 20 Jahre kann so ein Platz halten bei guter Pflege, die einmal im Jahr notwendig ist, erklärt er.
Alexander Mieles, Bauleiter von Schmitt Sportstättenbau, hat für den Vogelsdorfer Platz ein ineinander greifendes Baumanagement entworfen. Teilweise werden Arbeitsschritte parallel abgearbeitet, die sonst nacheinander ausgeführt werden. Denn ist der Platz nicht Ende November fertig und noch in diesem Jahr die Endabrechnung erfolgt, dann ist die Fördermittelzusage des LSB endgültig nichtig.