Mit so einer großen Resonanz hätten Carolin Schönwald, Leiterin des Rückkehrerprojektes „hierzulande(n)“ unter dem Dach des Jugendfördervereins Chance, und ihre Mitstreiter kaum zu rechnen gewagt, 130, 140 Besucher aller Altersgruppen von jungen Familien mit Kindern bis zu Senioren hatten sich versammelt, als um 16 Uhr nach einer einleitenden Rede mit einem Glas Sekt auf die Neugründung angestoßen wurde. Einige der ersten Gäste seit dem lockeren Start zwei Stunden zuvor waren da wegen anderer Pläne und Verpflichtungen schon wieder aufgebrochen, andere fanden sich erst am Abend ein. Und selbst vorbeifahrende Auto-, Moped- und Radfahrer nahmen mit interessierten Blicken Notiz von so vielen Menschen an dieser Stelle im sonst oft trist wirkenden Müncheberger Stadtzentrum.
Genau dies soll mit dem „Thälmanns“ belebt werden, das seinerseits ein Ergebnis der jüngsten Ideenwerkstatt ist. Binnen lediglich weniger Wochen haben einige Initiatoren, mit an vorderster Stelle vor allem Judith Schneider, das Grundgerüst konzipiert.   „Schon ab morgen geht es los“, konnte sie verkünden. Denn immer sonntags ab 14 Uhr ist Cafébetrieb, um 20.15 Uhr dann Tatort-Abend. Mittagessen wird montags ab 12 Uhr geboten, anschließend ist wieder Café, Skatrunde und Spieleabend laden mittwochs von 18 bis 22 Uhr ein.
Das sind die derzeitigen Eckpunkte im Probebetrieb. Aber eben nur ein Anfang, beliebig veränder- und erweiterbar, wie ausdrücklich betont wurde.  „Jetzt kommt ihr ins Spiel mit euren Ideen, der Raum steht zur Verfügung“, lud Judith Schneider ein. Erste weitere Ideen und Anfragen gebe es schon. So wolle Elisa Carow einen Englischkurs anbieten, ein anderer denke über einen Treff für geflüchtete Frauen nach. Da auch das Zeitkontingent des Gründerteams begrenzt sei, komme es auf weiteres Engagement an, ganz ohne Risiko: „Wir haben die Infrastruktur, ihr die Ideen.“
Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist es her, seit die Rückkehrerinitiative „hierzulande(n)“ die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des früheren Hotelbaus an der Ecke zur Poststraße, in dem einstmals solche Berühmtheiten wie die russische Zarin oder der Komponist Franz Liszt abstiegen, bezogen hat. Das Büro für die Beratungen durch Carolin Schönwald und ihren Kollegen Felix Brückmann gibt es weiterhin, aus dem kleinen Zimmer hinten, anfangs für „Probewohnen“ genutzt, soll ab Juni ein Kinderraum werden. Und im großen Raum, ansatzweise caféartig mit Wohnzimmeratmosphäre eingerichtet, gibt es eben die Experimentierstube.
„Müncheberg und ich, wir waren ja zwischenzeitlich nicht die besten Freunde“, räumte die aus der Stadt stammende, nun aber in Buckow lebende Projektleiterin ein. Doch schon die ersten Wochen und Monate an dieser Stelle hätten enormes Potenzial gezeigt. Und auch die Vermieterin habe in ihr persönlich ein neues Bild von Müncheberg erzeugen geholfen. Sonnabend war nun eine weitere Gelegenheit, bei künstlerischen Aktivitäten der Kinder mit Swantje Wandt aus Buckow, sechs stimmungsvoll-vielfältigen Liedern des Dahmsdorfer Chores und vielen kulinarischen Genüssen zwischen Alteingesessenen, Zugezogenen und Rückkehrwilligen ins Gespräch zu kommen. Zu den ersten Gästen, die sich einfanden, gehörten Bürgermeisterin Uta Barkusky (Linke), die SPD-Landtagsabgeordnete Simona Koß oder auch Anneliese Thau, langjährige Leiterin der Volkshochschule.