Vor einer Woche war die resolute Strausbergerin an der Ostsee, hatte einige Senioren dabei, darunter einen Rollstuhlfahrer und einen Rollator-Nutzer. "Bei mehreren Hotelmanagern hatte ich mich mit meinem Anliegen zum Gespräch angemeldet, die meisten waren aufgeschlossen, aber manche verweisen auf geschlossene Verträge mit Seniorenreiseunternehmen oder lehnen rundweg ab, mit uns zu sprechen", berichtet sie.
Die Erfahrungen aus dem Ostseebad? "Sehr gemischt", schätzt Anke Rother ein, "es gibt wenige Häuser, die wirklich barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgestattet sind. Es geht ja auch um die Zimmer, die Duschen, die Durchfahrtsbreite der Türen, Fahrstühle usw. Da gibt es noch viel Luft nach oben." Besser sehe es bei den Restaurants aus, da gebe es auch viel Entgegenkommen. Anke Rother kann die ablehnende Haltung mancher Hotelmanager auch nicht nachvollziehen. "Jeder kennt die demografische Entwicklung, orientiert man sich richtig, kann man doch die Vor- und Nachsaison viel besser auslasten. Es ist kurzsichtig, diese Klientel auszuschließen."
Anke Rother hat sich als Alltagsbetreuung und Begleitung selbstständig gemacht und ein breites Angebot in petto. Ausgangspunkt ist die Pflegeberatung, durch die viele hilfsbedürftige Senioren erst von ihren Anrechten und Möglichkeiten erfahren. Der monatliche Entlastungsbetrag für Angehörige des Pflegegrades 1 ist oft auch den Angehörigen nicht geläufig (s. Infokasten). Selbst die Notwendigkeit, eine Begutachtung durch den medizinischen Dienst der Kassen für die Festlegung der Pflegebedürftigkeit zu beantragen, ist nicht Allgemeingut.
"Leider kennen sich viele pflegende Angehörige nicht so perfekt in allen Bestimmungen und Möglichkeiten aus, mit denen die Pflege zu Hause gefördert und unterstützt wird", sagt Anke Rother. Sie verweist zum Beispiel darauf, dass im Vorjahr nicht verbrauchter Entlastungsbetrag in diesem Jahr nicht wie sonst am 30. Juni, sondern wegen der Corona-Einschränkungen erst am 30. September verfällt. Ihre Dienstleistungen können darüber abgerechnet werden.
Das gilt auch für die Teilnehmer des Ausflugs in dieser Woche, als Anke Rother mit einer Seniorengruppe das Schiffshebewerk Niederfinow, die Oder in Zollbrücke und die Dekoscheune in Falkenberg besuchte. Fazit: "Für stark gehbehinderte Menschen empfiehlt sich das Schiffshebewerk vor der Fertigstellung des Fahrstuhls im Neuen definitiv nicht. Wir mussten 93 Stufen zur Aussichtsplattform steigen, das ging nur mit vielen Verschnaufpausen."
Der Bedarf ist enorm
Dass Anke Rother von einem enormen Bedarf an dieser Betreuung und Alltagsbegleitung spricht, liegt auch an ihrem Einfallsreichtum und ihrer Erfahrung im Umgang mit Behinderungen, die sich auf die eigene Familie erstrecken. So fährt sie gern mit Gruppen in den Zoo Eberswalde, weil er nicht zu weitläufig und mit vielen Sitzgelegenheiten ausgestattet ist. "Oder die Gärten der Welt in Marzahn, die sind sehr behindertenfreundlich. Da fahren wir im September wieder hin." Andererseits brachte sie schon oft den Bewohnern der ehemaligen Schiller-Realschule frisches Obst und Gemüse ins Haus, begleitet einen ehemaligen Seemann aus seinem Strausberger Seniorenheim ein letztes Mal an die Ostseeküste, organisiert mit der Deutschen Bahn die Beförderung einer schwerbehinderten Seniorin zu einer Beisetzung von Berlin nach Karlsruhe. Dazwischen bildet sie sich weiter.

Was  Pflegebedürftigen unter anderem zusteht

Den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich nach § 45 SGB XI gibt es zusätzlich zu anderen Leistungen der Pflegeversicherung bereits ab Pflegegrad 1.

Von Pflegegrad 2 bis 5 wird monatlich Pflegegeld gezahlt. Die in Anspruch genommenen Pflegeleistungen können dessen Umfang übersteigen.

Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro, während der Corona-Krise 60 Euro, können in Anspruch genommen werden (z. B. Gummihandschuhe, Betteinlagen).

Jährlich ist ein Zuschuss der Pflegekasse zu behindertengerechten Umbauten bis 4000 Euro möglich. js