Ein dickes Lob vom Nabu an die Gemeindeverwaltung, das gibt es eher selten, kommt aber vor. Hartmut Kretschmer, er vertritt als sachkundiger Bürger den Naturschutzbund im Bauausschuss, lobte das vorgelegte Konzept für Neuenhagen summt. Dahinter steckt der Wille, sich für eine biologische Vielfalt stark zu machen, Insekten zahlreiche Angebote zu machen, sich in Neuenhagen zu tummeln.
Er freute sich darüber, dass künftig nicht mehr fünf-, sondern nur noch viermal im Jahr das öffentliche Grün gemäht wird. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die Verwaltung 28 000 Euro einsparen kann. Auch an ausgewählten Straßen sollen künftig nur die Randbereiche gemäht werden. Die verbleibenden Flächen zweimal im Jahr. Macht 6000 Euro Einsparung.
Investieren wird die Gemeinde in eine rund 400 Quadratmeter große Wiese, die aber noch bestimmt werden muss. Für Oberboden aufbringen, Stubben roden und das Pflanzen von Hecken und Sträuchern wird eine Ausgabe von rund 18 000 Euro veranschlagt. Das Logo mit der dicken Biene "Neuenhagen summt", das vor Kurzem im Haus der Begegnungen und des Lernens den letzten Schliff erhielt, soll überall da angebracht werden, wo Bienen willkommen sind und extra Blühstreifen angelegt wurden, so dass auch jeder Gast in der Gemeinde merkt, dass hier nicht alles zuwuchert, sondern ganz bewusst blühende Pflanzen für die Insekten stehen gelassen werden.
Eine Schaubeute soll am Haus der Begegnung und des Lernens von einem Imker aufgestellt werden. Ergänzt wird das Ganze durch zwei bis vier Bienenvölker, die auf dem Gelände der Gartenstadthalle postiert werden. Sie sollen zu Unterrichtszwecken der Einstein-Gymnasiasten dienen. Angedacht ist dort auch eine Bienen-AG.
Am Tag der biologischen Vielfalt plant die Gemeinde eine Grüne Messe. Erstmals würde sie am 22. Mai 2017 stattfinden. Möglicherweise gibt es dann auch den Auftakt zu einer Initiative, Anreize zu schaffen, dass sich die Bürger in ihren Gärten daran beteiligen, eine Artenvielfalt an Insekten zu fördern. Die Verwaltung will dafür 8000 Euro einstellen.
Angela Kann, sachkundige Bürgerin im Ausschuss, schlug vor, dass man neue Neuenhagener beim ersten Kontakt mit der Verwaltung, etwa, wenn die Familien einen Bauantrag stellen, bereits mit dem Konzept vertraut macht. Möglicherweise pflanze die Familie ja dann auch diesen oder jenen Blühstrauch und säe nicht nur Rasen aus.
Wolfgang Winkler (Linke) lobte das Ansinnen, blühende Wiesen zu beschildern. "Ohne Bienen geht gar nichts. Aber, da ist noch viel Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Es ist wichtig, dass wir den Bürgern klarmachen, dass wir hier keine ungepflegten Flächen haben, sondern ganz bewusst aufs Mähen verzichten", sagte er. Janina Meyer-Klepsch, Chefin der Bauverwaltung, pflichtete ihm bei und erwähnte, dass für das kommende Jahr 3700 Euro allein für Flyer, Aufkleber und sonstiges Informationsmaterial vorgesehen sind. Wilfried Düsterhöft (SPD) verwies aber darauf, dass man bestimmte Dinge, wie etwa die Landungsrettungsplätze für die Hubschrauber, nicht zuwuchern lassen dürfe. Dagmar Schultz (WG Die Parteilosen) fügte an, dass man an der Wiesenstraße wenigstens einen drei Meter breiten Zugang mähen sollte. Eine Kontrolle von Bauverwaltungsmitarbeiterin Gabriele Niether vor Ort habe ergeben, stellte sich nach der Sitzung heraus, dass dort aber alles in Ordnung sei.
Weitere Ideen, die Initiative Neuenhagen summt voranzubringen, sind zum Beispiel das Pflanzen von Obstbäumen im öffentlichen Bereich bzw. die Hege und Pflege von Streuobstwiesen. Bienenfreundliche Blumen und Bäume sollen in den Kindergärten ausgesät bzw. gepflanzt werden. Imker und Vertreter des Nabu sollen bei der Baumauswahl beteiligt werden, um möglichst ganzjährige Trachten zu ermöglichen.
Bei der Umweltbildung könnte es Themenwochen in Kitas und Grundschulen geben. Hobbygärtner könnten auf Seminaren informiert werden, welche Pflanzen bienenfreundlich sind.
Die Verwaltung setzt auch auf die Mitwirkung hiesiger Unternehmen. Denkbar wären Baumpatenschaften und Dachbegrünung. Weitere Ideen sind Tage des offenen Bienengartens, der Verkauf von Bausätzen für Wildbienenhäuser, eine Tauschbörse bienenfreundlicher Stauden, die Schaffung von Kleingartenanlagen und ein Gartenwettbewerb für Privat- und Kleingärten, Kitas und Schulen. 2017 will die Gemeinde die ersten 34 000 Euro investieren.