"Am Rande Berlins kann man für Bauland astronomische Preise erzielen", sagte Jürgen Proft. Wie der Vorsitzende des Gutachterausschusses und Chef des Kataster- und Vermessungsamtes berichtete, seien 2016 die meisten Bauplätze - genau 69 - in Fredersdorf-Vogelsdorf verkauft worden. In Petershagen-Eggersdorf waren es demnach 61 und in Neuenhagen 59.
Laut Proft haben dem Gutachterausschuss 936 Kaufverträge für unbebaute Baugrundstücke sowie 569 für landwirtschaftliche und für landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen zur Entscheidung vorgelegen. Insgesamt hat der Ausschuss 349 Bodenrichtwerte beschlossen. Für 135 Zonen habe er die Werte angehoben, in zwei Fällen leicht gesenkt, der große Rest blieb unverändert.
Den höchsten Bodenpreiszuwachs im Vergleich zum Jahr zuvor hat es im Hoppegartener Ortsteil Hönow Am Schleipfuhl mit etwa 70 Prozent gegeben. Ähnlich hoch war die Steigerung für Bodenpreise in Strausberg-Vorstadt.
Die teuersten Wohnlagen blieben auch im vergangenen Jahr der Hoppegartener Ortsteil Waldesruh mit Quadratmeterpreisen von 230 Euro, Hönow-Süd mit 210 und Hoppegartens Ortsteil Birkenstein mit 190 Euro. Damit lag die Wertsteigerung dort zwischen 40 und 50 Euro pro Quadratmeter.
Jürgen Proft stellt inzwischen eine einsetzende Verdrängung fest. Am Berliner Rand würden inzwischen die Grundstücke knapp, sagt er. Zudem könnten sich angesichts der hohen Preise immer weniger Familien dort ihren Traum vom eigenen Häuschen erfüllen. Dadurch würden Orte wie Gielsdorf, Wegendorf, Wilkendorf an Bedeutung gewinnen.
In Klosterdorf seien beispielsweise 2016 insgesamt 41 Bauplätze verkauft worden "Das waren mehr als jemals zuvor", sagte Proft. Der Bodenwert habe bei 60 Euro gelegen. Er verwies auch auf Vogelsdorf, wo sich die Bodenpreise innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hätten. Auch Rehfelde sei für Bauherren interessant. "Der Vorteil dort ist, dass man Platz ohne Ende hat", sagte der Katasteramtschef. Allein 2016 seien in Rehfelde 39 Bauplätze verkauft worden.
"Beachtliche Entwicklungen" sieht Proft auch in einigen berlinferneren Regionen und nennt konkret Falkenberg mit einem Plus von 30 Prozent, Reichenberg und Waldsieversdorf, das mittlerweile höhere Bodenwerte habe als beispielsweise Buckow.
Jürgen Proft geht davon aus, dass sich die aktuelle Marktsituation vorerst nicht groß verändert. "Die Leute wollen ihr Geld schließlich anlegen", sagt er mit Blick auf die anhaltende Niedrigzinspolitik. Die Bodenpreise würden nach seiner Überzeugung auch im aktuellen Geschäftsjahr weiter ansteigen. Eine aufziehende Immobilienblase sieht der Katasteramtschef in der Region nicht. "Wir bilden da keine preisliche Ausnahme, zudem ist noch Luft nach oben", schätzt er ein.
Wer die teuren Baugrundstücke kauft? Proft sieht da in erster Linie Freiberufler und Handwerker, die sich auf diese Weise um ihre Rentenversicherung kümmerten. "Dieses Käuferpotenzial hat meist schon zwei, drei Grundstücke", weiß der Katasteramtschef.
Für den anhaltenden Rückgang der Verkäufe von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sieht Jürgen Proft mehrere Gründe. Zum einen hätten sich die Verkäufe der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) mit Blick auf den Gesamtverkauf von 20 Prozent im Vorjahr und derzeit noch 13 Prozent verringert.
Zum anderen gibt es einen Grund, der Proft schon zu schaffen macht. Er spricht da von einer "beängstigenden Konzentration" von Eigentum an land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen, was dazu führe, dass immer weniger solcher Flächen am Markt angeboten werden. In dem Zusammenhang spricht er davon, dass die Quadratmeterpreise für Ackerland im Bereich der Ostbrandenburgischen Platte von 1,10 auf 1,20 Euro sowie im Oderbruch von 1,40 auf 1,50 Euro gestiegen seien.
Die Grünlandpreise hätten indes mit 0,60 Euro im Oderbruch und 0,70 Euro für die Platte und den berlinnahen Raum praktisch auf dem Niveau des Vorjahres verharrt, stellt der Gutachterausschuss fest.