Der "kleine" Alarm über die Pieper geht um 9.52 Uhr los, nur Sekunden später ertönt die Sirene auf dem Dach. Wer von den Garziner Bürgern am Sonnabend etwas länger geschlafen hat, wird entweder von diesem Geräusch aus dem Bett geworfen oder den Martinshörnern der Einsatzfahrzeuge, die kurz darauf zum ehemaligen LPG-Gelände (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) am Ortsausgang fahren, wo es brennt. Um 9.58 Uhr sind soweit alle da - keine schlechte Ausrückezeit, wenn es ein Ernstfall wäre. Doch hier geht es ja "nur" um eine möglichst realitätsnahe Übung für die Jüngsten. Was brennt, ist ein Holzstapel, trotzdem muss nicht nur dieser gelöscht, sondern von einem zweiten Trupp auch weitere Holzstapel und das benachbarte Gebäude vor einem etwaigen Übergreifen der Flammen geschützt werden.
Kommandos fliegen durch die Gegend, Nachfragen werden über Funk gestellt, die Staffelführer teilen ihre Leute zu den einzelnen Aufgaben ein. Schon 10.01 Uhr kommt das erste "Wasser marsch!" nach dem fertigen Koppeln der Schläuche durch die Grunower, anderthalb Minuten später ist ein weiteres Team zur Stelle. Von der anderen Seite aus rückt ein dritter Trupp vor, der die Löscharbeiten mit einem Schaumbad unterstützt. Zwar müssen um 10.09 Uhr, als der Wasserstrahl versiegt, die Fahrzeuge erst einmal Nachschub holen. Doch wenig später geht alles koordiniert weiter. Überraschend ist dafür die Meldung über einen Verletzten. Die vier Waldsieversdorferinnen werden losgeschickt, sich um ihn zu kümmern. Der junge Mann - der Garziner Andreas Thürling - ist zu groß und schwer, um von den Mädels womöglich getragen zu werden, was das realitätsnahe Bild etwas abmildern mag. Ordnungsgemäß wird der "Verletzte" aber an den Rettungsdienst, verkörpert von Notfallsanitäterin Katharina Wurf, übergeben. Nur auf die Frage, was ihm denn fehlen könnte, haben die Mädchen nichts so richtig zu sagen. Weshalb sich Katharina Wurf eine Notiz macht, am Nachmittag das Thema Übergabe mit den zugehörigen Informationen noch einmal mit den Kindern und Jugendlichen durchzunehmen.
Der Brand ist gegen halb zwölf endgültig gelöscht, die Übung aber längst nicht vorbei. Denn als Zusatzaufgabe hat sich Organisator Denny Reichert, der Garziner Wehrführer, noch etwas Besonderes ausgedacht: Die Teilnehmer sollen eine Schlauchüberführung bauen. Jeweils zwei Leitern werden dazu verbunden, anschließend geht es darum, aus den drei Doppelelementen eine Brücke zu konstruieren. Stabil muss diese sein, weshalb an verschiedenen Stellen Seile zum Einsatz kommen. Und Knotenkunde gefragt ist.
Etwas ratlos blicken die drei anderen aus dem Waldsieversdorfer Mädchenteam auf "Fahrzeugführerin" Lea Schellhorn (10). Die Jüngste im Bunde kann aber nur mit den Schultern zucken: "Ich war bisher kein einziges Mal dabei, als wir Knoten geübt haben." Also Hilfestellung durch einen der Erwachsenen, in diesem Fall vom Blankenburger Team. Die Jugendfeuerwehr des Berliner Ortsteils ist erstmals dabei: "Denny Reichert und ich sind Arbeitskollegen, da ist die Idee entstanden", erzählt Kilian Jung, der Chef der Berliner. Bedauerlich sei nur, dass sie nicht das Auto bekamen, das sie gerne gehabt hätten: "Auf dem anderen hätten wir auch noch 1200 Liter Wasser draufgehabt", da wäre vorhin das "Nachtanken" entfallen.
Nicht nur Selina Maiwald (14) aus Waldsieversdorf hat schon dieser erste Teil des Tages gut gefallen. Auch die anderen wirken zwar, als Abrücken angesagt ist, etwas geschafft, aber zufrieden. Im Gerätehaus wartet schon das Mittagessen, in einem riesigen Topf hat die Küchencrew weiße Bohnen mit Bockwurst vorbereitet. Doch bald nach der Stärkung warten die nächsten Alarmierungen, in den folgenden Stunden geht es - wie manchmal im Feuerwehralltag - Schlag auf Schlag. Ein Traktor auf einem Feld verliert Getriebeöl, an der Pyramide in Garzau wird die Suche nach einer vermissten Person eingeleitet, im Siedlungsteil Liebenhof ist ein Pkw bei einem Unfall gegen einen Baum gefahren. Doch selbst das reicht noch nicht, denn später geht es erneut Richtung alte LPG - auf dem Areal, so die vorliegende Information, ist eine Person in eine Grube gestürzt. 24 Stunden voller Einsatz, die erst Sonntagmorgen beendet sind.