Der Firma sind durch die Corona-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens die größten Abnehmer ihres Gerstensaftes verloren gegangen. Denn weder die Hotelkette an der Ostsee noch die Gastronomie auf dem Schlossgut, die Mühle, der Golfpark Schloss Wilkendorf und Krugers Gutsstube, das Volkshaus Strausberg, die Herzfelder Schmiede in der Umgebung, das Krüger-Eck in Berlin-Friedrichshain oder andere können derzeit ausschenken. Auch fürs Kino und Konzerte in der Schlosskirche kommt das Bier sonst vom gleichen Hof. Zudem fällt das Osterfest nun aus, ist das Sattelfest Ende April abgesagt, bei dem normalerweise der neue Maibock angestochen würde. "Ein paar Tage braucht der noch, aber er wird gut", weiß Richter nach ersten Kostproben inzwischen. Umso wichtiger, dass das Geschäft wieder stärker ins Rollen kommt.
Momentan setzt das Team auf den Werksverkauf montags bis freitags von 8 bis 14.30 Uhr im notdürftig hergerichteten Laden, denn auch die Stadtinformation, wo Edel Hell, Cupfer oder das schwarze Nachtwächter sonst erhältlich sind, ist geschlossen. So warten die Zwei-Liter-Mehrwegsiphons nun an anderer Stelle auf Abnehmer. Beim Erstkauf kosten sie 22,50 Euro, wird Leergut mitgebracht, ist der Liter handgemachtes Bier für drei Euro zu haben. Die Behälter werden vor dem Neubefüllen gründlich gereinigt. Wegen der Hygiene verwende man auch nur das eigene Material und nichts von anderswo. Stammkunden seien inzwischen ausgestattet, "aber es gibt immer noch Leute in der Stadt und der Umgebung, die gar nicht wissen, dass hier eine Brauerei ist", erzählt der Braumeister.
An sich sieht er das Unternehmen "gut aufgestellt" und "etabliert", auch wenn bei der Kapazität noch Luft nach oben wäre. Deshalb ist er optimistisch, dass die Krise gemeistert werde. "Andere haben es da schwieriger", glaubt er. Zumindest gibt es auch in der Brauerei schon Kurzarbeit: Für die Bürokraft, weil ein großer Teil von Rechnungen derzeit wegfällt. Ihr Gehalt wird aber aufgestockt. Andererseits will er im Spätsommer wieder einen Azubi einstellen, wenn der jetzige fertig geworden ist.
Zum Jahresende auch Whisky
Bis zu 2500 Hektoliter im Jahr können nach seinen Angaben produziert werden. Im Sommer sei die Nachfrage im Normalfall geringer als in den übrigen Monaten. Und jetzt wird auch erst einmal nicht neu angesetzt. Bier halte sich zwar eine ganze Weile, aber nicht ewig. Spirituosen halten naturgemäß länger.  Zum Beispiel die Bierbrände aus dem eigenen Grundstoff, Geiste und Liköre. Womöglich werde man mehr Hochprozentiges destillieren, erklärt der 42-Jährige.
Auch Whisky wird es bald aus der Altlandsberger Destillerie geben. Zum Jahresende laufen die drei Jahre Mindestlagerzeit im Holzfass ab. Die Vorstufen, White oder Yellow Dog genannt, gibt es hingegen schon. Und für Notfälle stehen zwei Kanister Ethanol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln in Reserve.
Er hofft, dass in absehbarer Zeit auch wieder die eigenen Veranstaltungen starten können. Einmal im Quartal sind in Kooperation mit der Stadtinfo beispielsweise Tasting-Abende für gut zwei Dutzend Gäste mit Führung, Verkostung, Buffet und Musik im Angebot. "Die waren immer ausgebucht." Außerdem gibt es noch die Führungen in der Brauerei und Brennerei am ersten Sonntag eines Monats. "Die finden aber momentan auch nicht statt", erinnert Richter an die noch weiter geltenden Corona-Regeln.