Gut drei Prozent besser als die Zielstellung beim Strombedarf, fast zehn Prozent bei der Fernwärme und knapp 15 Prozent bei den Kohlendioxidemissionen - diese Zahlen konnte Uwe Fügener, Fachbereichsleiter Erzeugeranlagen/Fernwärme bei den Stadtwerken, den Teilnehmern der Konferenz präsentieren. Weil mittlerweile der Zielwert für 2020 schon fast erreicht ist, mahnte der Chef des Beirats der Lokalen Agenda 21, Hans-Dieter Nagel, denn auch umgehend an, die Latte höher zu legen.
Wie hoch, müsse man diskutieren, warnte Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Gagel angesichts einiger Unwägbarkeiten vor zu hohen Erwartungen. So hatten milde Winter bei der Fernwärme in die Karten gespielt. Durch Neubauten sei zusätzlicher Bedarf zu erwarten, Fotovoltaik-Kleinstanlagen seien in dem auf Werte der Stadtwerke gestützten Überblick in der Zahl erfasst, nicht jedoch der Strom, den die Eigentümer selbst verbrauchen, nannte er einige Punkte.
Zur Reduzierung von Stromverbrauch und CO2-Emissionen haben die Stadtwerke 2015 unter anderem im Heizwerk Mitte Pumpen ausgetauscht, fünf kleinere Heizanlagen in der Gustav-Kurtze-Promenade und der Straße des Friedens durch Brennwerttechnik ersetzt und im Heizwerk Nord Brenner gewechselt. Dadurch gehen jährlich knapp 100 Tonnen weniger Treibhausgas in die Luft, werden 140 000 Kilowattstunden Strom und 7000 Kubikmeter Erdgas gespart.
Der CO2-Ausstoß für Strom und Fernwärme liegt zwar auch 2015 deutlich unter dem Zielwert, ist aber gegenüber 2014 gestiegen. Fügener begründete dies damit, dass die Energieerzeuger an der Kastanienallee 2015 aus wirtschaftlichen Gründen gedrosselt werden mussten. Unter bestimmten Bedingungen ist Stromkauf günstiger als eigene Produktion, worauf das Unternehmen reagieren muss. Der zugekaufte Strom sei aber "schmutziger" als der selbst erzeugte, erklärte Fügener. Gegenwärtig wird die Neuinstallation eines Moduls für 2017 vorbereitet. Mit dem, dem Brenneraustausch am Kessel 1 in diesem Jahr und zusätzlicher Messtechnik hoffe man, aus der "Senke" wieder herauszukommen. Vorgesehen sind weiter eine Netzoptimierung im Bereich des Heizwerks Mitte, neue Effizienzpumpen für das Heizwerk Vorstadt sowie Erneuerung weiterer Einzelheizanlagen. In Erwägung gezogen wird überdies, in der Vorstadt Kraft-Wärme-Kopplung einzusetzen. Eine Entscheidung soll 2018/19 fallen. Nicht zuletzt ist ein Blockheizkraftwerk für den Neubau der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft in der Lindenpromenade vorgesehen, mit dem 2017 begonnen wird (mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben).
Zu Beginn hatte Andreas Gnilka über das im September in Kraft getretene Gesetz zur digitalen Energiewende referiert. Ein Punkt: die alten Zähler werden durch neue Messtechnik ersetzt, die in Echtzeit Daten erfassen und Steuerungsmöglichkeiten bieten. Der Gesetzgeber hat zwar Preisobergrenzen für die Geräte festgeschrieben, in jedem Falle werde es aber für die Kunden teurer als derzeit, hieß es.
Christian Blanck von der EWE befasste sich mit Elektromobilität. Er machte deutlich, dass Elektroautos inklusive Fahrzeugherstellung und Betrieb unter Berücksichtigung der "Vorkette" mit der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken in der CO2-Bilanz kaum besser abschneiden als Diesel- oder Benzin-Pkw. Deutlich besser seien Tram und Bus. "Es wäre schön, wenn diese ökologischen Verkehrsmittel mehr Förderung erfahren würden und kostenlos wären", wünschte sich Bürgermeisterin Elke Stadeler.