Mit einem offenen Brief hat sich vor einer Woche der Strausberger Andreas Gurr an die Strausberger Bürgermeisterin Elke Stadeler und die Öffentlichkeit gewandt: In den städtischen Kindertageseinrichtungen, speziell der Kita Nord, würden die Vorgaben des Landes Brandenburg nicht umgesetzt! Ihm werde vorgeschrieben, eine Mund-und-Nasen-Bedeckung zu tragen, wenn er sein Kind in die Einrichtung bringe und abhole. Da er dies aus gesundheitlichen Gründen nicht könne, dürfe er die Kita nicht betreten.

Wünsche der Eltern

Andreas Gurr schreibt, als spräche er nicht für sich allein: „Was möchten viele Eltern und ich? Wir möchten unsere Kinder ohne Mund-und-Nasen-Bedeckung in die Kita bringen und nicht unsere Kinder am Tor abgeben und in Empfang nehmen. Wir möchten unsere Kinder morgens ausziehen und zum Frühstück oder Spielen begleiten. Wir möchten die Möglichkeit eines normalen Abschieds haben und die Freude teilen, wenn sie stolz uns ihren Freunden vorstellen oder von zu Hause erzählen. Wir wollen unsere Kinder nachmittags vom Hof oder aus dem Raum, in dem sie spielen, abholen und hier die Ereignisse des Tages teilen und mit Freunden plaudern. Wir wollen alle Umstände selbst erfahren, unter denen unsere Kinder betreut werden.“ All das werde durch das Tragen einer Mund-und-Nasen-Bedeckung, die den Großteil der nonverbalen Kommunikation behindere, eingeschränkt. „Zum Glück bin ich nicht der Einzige, dem der Gedanke, unsere Kinder in einer Einrichtung abzugeben und abzuholen, die wir nicht betreten dürfen, unheilvolle Vorstellungen beschert und die intuitiv wissen, dass etwas nicht stimmt.“

Kopfschütteln im Rathaus

Andreas Gurr nimmt in seinem offenen Brief auch Bezug auf ein „unangenehmes Telefonat“ mit der zuständigen Fachbereichsleiterin Bürgerdienste in der Stadtverwaltung, Gudrun Wolf. Sie habe „absolutes Unverständnis der Problematik“ gezeigt und ihre „konstruierten Rechtfertigungen“ hätten in der Aussage gemündet: „Die Maßnahmen werden ohnehin wieder verschärft.“
Gudrun Wolf bemüht sich gar nicht, diesen Vorwurf zu entkräften: „Das stimmt: Ich wusste, dass am 7. September, das war am Montag nach diesem Telefonat, die Bestimmungen des Landes wieder verschärft würden und auf Grund steigender Infektionszahlen die Empfehlung zum Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung beim Bringen und Abholen der Kinder wieder gilt.“ Natürlich würde ein Telefonat, in dem man nicht Recht bekomme, als wenig angenehm empfunden. Ihre Argumente seien allerdings nicht konstruiert, sondern gerade in dieser Woche erneut vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport sowie dem Gesundheitsamt des Landkreises ausdrücklich bestätigt worden. Dabei seien besonders die baulichen Voraussetzungen der Kita Nord berücksichtigt worden: „Das ist unsere kleinste Einrichtung. Durch die Enge des Eingangsbereiches und der Umkleideräume müssen wir dort besonderen Wert auf die Masken legen. Im Übrigen habe ich Herrn Gurr mitgeteilt, dass er bei Vorlage eines ärztlichen Attestes vom Tragen der Maske befreit sei, aber zum Schutz der Mitarbeiterinnen sowie der Eltern untereinander den Sicherheitsabstand einhalten müsse.“ Ihre Mitarbeiterin Jacqueline Fröhlich fügt hinzu: „Die Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes gilt auch für die Erzieherinnen auf den Gängen in den Horteinrichtungen.“

Zwischen vier und elf Stunden

Das Ministerium empfiehlt, und das betont auch Andreas Gurr, gestaffelte Bringe- und Abholzeiten für die Reduzierung der Kontakte zwischen den Eltern. Das würde ebenfalls nicht genutzt, um die Maskenpflicht zu eliminieren. „Das ist auch schwierig gerade im Interesse der Eltern“, sagt Jacqueline Fröhlich, „denn die sind meist durch ihre Arbeitszeiten an ihre gewohnten Zeiten gebunden. Durch die unterschiedlichen Betreuungszeiten in der Kita Nord zwischen vier und elf Stunden täglich haben wir aber ohnehin recht unterschiedliche Bringe- und Abholzeiten.“
Dass es keine Gefährdungsbeurteilungen für die Einrichtungen gäbe, wie es Andreas Gurr in seinem offenen Brief ebenfalls behauptet, weist Jacqueline Fröhlich strikt zurück: „Wir haben in der Corona-Krise die Gefährdungsbeurteilungen, die für jeden einzelnen Arbeitsplatz vorgeschrieben sind, angepasst, so unter dem Aspekt, ob die Mitarbeiter zur Risikogruppe zählen, ob Schwangerschaften vorliegen und Ähnliches.“ Ansonsten habe die Verwaltung im Interesse der Eindämmung der Pandemie alle Kindereinrichtungen frühestmöglich mit Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmitteln – beschafft bei der Strausberger Chemiefirma Allresist – versorgt und Aktionen zum Maskennähen gefördert und genutzt.