Erste Meldungen hatten viel Staub aufgewirbelt, nun relativiert sich einiges: Nach dem positiven Covid-19-Testergebnis eines Neuenhagener Gemeindevertreters müssen letztendlich nur zwei der rund 60 Mitarbeiter der Neuenhagener Verwaltung in Quarantäne. Das hat das Rathaus am Dienstagnachmittag mitgeteilt.
Die Vorsorgemaßnahme habe das Gesundheitsamt des Landkreises Märkisch-Oderland nach ausführlichen Gesprächen mit allen Betroffenen angeordnet, die in der vergangenen Woche an den Beratungen der Ausschüsse teilgenommen hatten, bei denen auch der positiv auf Covid-19 getestete Gemeindevertreter dabei war. Vorsorglich hatte Bürgermeister Ansgar Scharnke zunächst zehn Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, sich selbst eingeschlossen. Die meisten können nun wieder an den angestammten Arbeitsplatz, er selbst auch. Eine betroffene Person werde von zu Hause aus weiterarbeiten, so dass durch die Quarantäne kein Unterschied zu bemerken sei, hieß es. Bei der anderen sei Homeoffie durch die Art der Tätigkeiten schwierig.

20 Gemeindevertreter oder sachkundige Einwohner müssen zu Hause bleiben

Zu den betroffenen Kommunalpolitikern äußerte sich das Rathaus nicht. Wie die MOZ auf Nachfrage beim Landkreis erfuhr, müssten vorerst insgesamt 20 Gemeindevertreter bzw. sachkundige Einwohner zu Hause bleiben. Durch die drei Termine mit dem Corona-Fall sei die Zahl relativ hoch. Insgesamt hat die Gemeindevertretung 28 Mitglieder, der betroffene Schulausschuss zudem eine handvoll sachkundige Einwohner. Die Isolation sei für direkte Sitznachbarn verfügt worden sowie für Personen, die direkten Kontakt mit dem Politiker mit positivem Testergebnis hatten, zum Beispiel Gespräche ohne Abstand oder Maske, so Kreissprecher Thomas Berendt.

Bürgermeister kritisiert den Landrat

Aus Neuenhagen gab es Kritik am Landkreis. Bürgermeister Scharnke bezeichnete eine „vorschnelle Presseerklärung des Landrates“ am Wochenende zu dieser Problematik als „nicht hilfreich“. Medienberichte, die sich schnell über die sozialen Medien verbreitet hatten, hätten für viel Aufregung in Neuenhagen gesorgt. Scharnke monierte, dass Gernot Schmidt wenige Stunden nach Bekanntwerden des positiven Testergebnisses des Gemeindevertreters die Presse informiert und von drohender Handlungsunfähigkeit im Rathaus Neuenhagen gesprochen hatte.[Link auf Beitrag 77226612]
Der Bürgermeister, nach Homeoffice am Montag am Dienstag zurück im Rathaus, betonte, dank der praktizierten Hygienemaßnahmen habe „zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung bestanden“. Man habe umgehend und angemessen bereits am Wochenende reagiert und mit dem Gesundheitsamt kooperiert, damit dieses die Kontaktnachverfolgung aufnehmen konnte.
Landrat Schmidt konterte, die Kommunalverfassung beschreibe die Gemeindevertretung als Teil der Gemeindeverwaltung, denn sie sei Dienstvorgesetzte und oberste Dienstbehörde des Hauptverwaltungsbeamten und treffe Entscheidungen zum Beispiel zu Bauleitplanungen.

Gespräch über Nachholtermin

Ob es in diesem Jahr noch einen Nachholtermin für die abgesagte Gemeindevertretersitzung am 3. Dezember geben wird, und in welcher Form ein Treffen stattfinden könnte, wird am 3. Dezember bei einem Treffen des Bürgermeisters mit der Vorsitzenden der Gemeindevertretung Ilka Goetz besprochen.
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